Zum Inhalt springen

Header

Video
Altern im Luxus?
Aus 10 vor 10 vom 26.09.2019.
abspielen
Inhalt

Altersresidenz Gustav «Eine komplette Fehleinschätzung»

Aufgrund mangelnder Nachfrage muss die Luxus-Altersresidenz Gustav in Zürich nach nur vier Jahren ihre Tore wieder schliessen. Neue Wohnformen für Senioren sind gefragt.

Ein moderner Bau an der Europaallee, im urbanen Betonquartier direkt beim Zürcher Hauptbahnhof. Hier hätten wohlhabende Senioren ihr Glück finden sollen. In Luxus-Appartments zum Preis zwischen 7000 und 15'000 Franken pro Monat. Mit Reception, Sterne-Restaurant und Wellness-Bereich. Die Rechnung ist nicht aufgegangen.

Inzwischen mussten wir feststellen, dass eine derartige Entwicklung nicht absehbar ist.
Autor: Jörg DenzlerMedienbeauftragter «di Gallo»-Gruppe

«Seinerzeit hatten wir die begründete Hoffnung, dass die Nachfrage nach Wohnungen mit umfassenden Dienstleistungen an zentralster Lage zunehmen würde. Inzwischen mussten wir feststellen, dass eine derartige Entwicklung nicht absehbar ist», sagt Jörg Denzler, Medienbeauftragter der «di Gallo»-Gruppe, welche die Luxus-Altersresidenz betreibt. Deshalb schliesst die Residenz im kommenden Jahr ihre Tore.

Standort ist entscheidend

Immobilienexperte Donato Sconamiglio wertet die Pläne der Gustav-Betreiber als Fehleinschätzung, wie er gegenüber «10vor10» sagt: «Man hat sich komplett getäuscht.» Man müsse sich auch überlegen, ob das Quartier per se altersgerecht sei und welche alten Leute in so einem eher sterilen Umfeld so viel Geld ausgeben wollten. «Das heisst nicht, dass man solche Dinge nicht probieren soll. Gewisse Risiken geht man ein, aber insgesamt hat man es falsch eingeschätzt.»

Video
Immobilienexperte Donato Sconamiglio: «Man hat sich komplett getäuscht.»
Aus News-Clip vom 26.09.2019.
abspielen

Es gibt aber auch Beispiele, die offenbar funktionieren. Die Tertianum-Gruppe betreibt 77 Alters- und Pflegeheime in der Schweiz. 14 davon sind Residenzen. Das Angebot ist deutlich günstiger als das gescheiterte Gustav, liegt aber immer noch im gehobenen Bereich. Eine Alterswohnung kostet hier zwischen 5000 und 8000 Franken pro Monat. Inbegriffen sind Essen, Reinigung und eine 24-Stunden-Notfallbetreuung.

Diskutieren Sie mit

Box aufklappenBox zuklappen

Die meisten Menschen werden eines Tages alt und gebrechlich. Wo würden Sie dann am liebsten gepflegt? Im Altersheim, zuhause von der Spitex oder von Ihren Angehörigen? Eventuell haben Sie ja auch ganz eigene Ideen. Schreiben Sie es in die Kommentare.

Die Tertianium-Residenz «Im Brühl» in Zürich-Höngg ist zu 100 Prozent ausgelastet. «Wir haben den Vorteil, dass wir sehr quartierbezogen sind. Die Leute, die bereits in Höngg gelebt haben, möchten im Quartier bleiben. Das ist ein grosser Pluspunkt für uns», sagt Geschäftsführer Beat Schmid.

Video
Beat Schmid, Tertianium-Residenz: «Wir haben den Vorteil, dass wir sehr quartierbezogen sind.»
Aus News-Clip vom 26.09.2019.
abspielen

Neue Wohnformen gefragt

Trotzdem: Wohnen in teuren Residenzen kann sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leisten. Viel mehr Menschen sind auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen. Und es werden immer mehr. Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Gab es 2017 noch 1.6 Millionen Menschen im Alter von 65+, werden es 2045 2.7 Millionen sein.

In der Politik, in der Verwaltung und in ganz vielen Organisationen ist man viel zu wenig kreativ und hat noch nicht realisiert, was auf uns zukommt, auch was die Kosten betrifft.
Autor: Margrit HugentoblerWohnforscherin

Die Schweiz sei dafür nicht bereit, sagt Margrit Hugentobler. Die Wohnforscherin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Trends zum Wohnen im Alter. «In der Politik, in der Verwaltung und in ganz vielen Organisationen ist man viel zu wenig kreativ und hat noch nicht realisiert, was auf uns zukommt, auch was die Kosten betrifft.»

Es brauche dringend neue Modelle, beispielsweise Wohnformen, in denen mehrere Generationen zusammenleben, Modelle, welche Unterstützung im Alltag zuhause anbieten und mehr hindernisfreie Wohnungen an gut erschlossenen Lagen. «Es braucht noch ganz viel», so Hugentobler.

Video
Margrit Hugentobler, Wohnforscherin: «Es braucht noch ganz viel»
Aus News-Clip vom 26.09.2019.
abspielen

Am jetzigen Standort der Gustav-Residenz wird dies nicht geschehen. Die Betreiberfirma gibt das Gebäude an die SBB zurück, die Eigentümerin der Liegenschaft. Diese wird die Luxus-Appartements weiterhin zu vergleichbaren Konditionen vermieten – aber ohne Serviceleistungen.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Eines der reichsten Länder der Welt kann sich keine alten Leute leisten! Dafür aber EXIT ! Es ist himmeltraurig und obszön, dass sich die Politik diesem vorhersehbarem Problem nie angenommen hat. Dafür gibts halt keine Lobbysten und auch zu wenig Gewinn! Verwandter von mir ging im Alter wieder nach Deutschland zurück. Betreutes Wohnen, inkl. Mittagsessen knapp 800 .- Fr. im Monat! Da reicht die Rente vörig !
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Willi Fetzer: Exit hat nun mal gar nichts damit zu tun. Es geht doch keiner zu Exit, nur weil er sich im Alter keine Luxuswohnung leisten kann.
    2. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      @Herr Fetzer, ich bin grundsätzlich mit Ihnen einverstanden, möchte aber eine Änderung vorschlagen, "Die Schweiz WILL sich keine alten Leute leisten."
    3. Antwort von Willi Fetzer  (wi)
      Klar hat das eine was mit dem anderen zu tun! Bei beiden geht es um alte Menschen! ÜBERALL um Schweiz herum gibts bezahlbare Wohnmöglich- und Pflegemöglichkeiten. Aber nirgends was wie Exit! Zum Tod reicht's, aber nicht zum Leben!
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Nicht nur privat, sondern auch in der öffentlichen Verwaltungen werden grobe Fehleinschätzungen gemacht. Anders als im privaten Bereich passiert den Versantwortlichen in der Verwaltung nichts und die Gehaltserhöhung aufs neue Jahr kommt so oder so!
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Ich ziehe in einigen Jahren nach Thailand. Dort kann ich mir, wenn es dann nötig sein sollte, mit meiner AHV eine gute 24h Betreuung leisten. Da müssen keine Steuergelder aufgebracht werden.