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Legende: Video Neuer Kostenschub durch Physiotherapie? abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.06.2019.
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«Ambulant vor Stationär» Treibt Physiotherapie die Gesundheitskosten unnötig in die Höhe?

Der Krankenkassenverband santésuisse identifiziert die Physiotherapie als Kostentreiber. Die Branche wehrt sich gegen den Vorwurf.

Die Zahl der Behandlungsfälle in der Physiotherapie nimmt zu. Auch bei Therapeutin Anja Weidmann in Zürich-Oerlikon. «Der Patient ist früher bei uns. Wir sind daran interessiert, dass er schnell wieder gesund wird. Deshalb bietet sich eine Physiotherapie an.»

Grafik
Legende: SRF

Doch nicht nur Ärzte verschreiben mehr physiotherapeutische Massnahme, auch die Patienten fragen mehr Übungen und Massagen gegen Schmerzen nach: Weidmann führe eine Warteliste. «Es gibt Patienten, die am liebsten gestern in die Therapie kommen würden», sagt die Physiotherapeutin.

Dies hat zur Folge, dass der Bereich Physiotherapie immer mehr kostet im Schweizer Gesundheitssystem.

Kosten in elf Jahren verdoppelt

Von 2010 bis 2017 sind die Ausgaben für Physiotherapie in der Schweiz von 594 Millionen auf eine Milliarde Franken angestiegen. In den nächsten zwei Jahren gehe es mit einem Wachstum von jeweils rund sechs Prozent weiter, prognostiziert der Krankenkassenverband santésuisse. Dies entspräche einer Zunahme von 95 Prozent in elf Jahren.

Personen in einem Phsysiotherapie-Raum
Legende: Bei den Physiotherapeuten nimmt die Zahl der Verschreibungen und die Behandlungsdauer zu. SRF

Santésuisse ist alarmiert ob dieser Entwicklung. «Wenn man die Prämien in den Griff kriegen will, dann muss man dort eingreifen, wo die Kosten überdurchschnittlich wachsen», sagt Verena Nold.

Die Direktorin des Krankenkassenverbands sieht im Physiotherapie-Bereich Handlungsbedarf. Man müsse unnötige Behandlungen verhindern, so dass mehr Geld für notwendige und sinnvolle Behandlungen zur Verfügung stehe.

«Ambulant vor stationär»

Mirjam Stauffer, Präsidentin des Verbands Physioswiss, bestätigt den Trend, bestreitet aber, dass die Physiotherapie ein Kostentreiber ist. Die Mengenausweitung sei politisch gewollt. «Durch die Regelung «ambulant vor stationär», den das Bundesamt für Gesundheit lanciert hat, werden Patienten nach Eingriffen früher entlassen.»

Diese Patienten bräuchten zu Hause Unterstützung, um den Alltag zu bewältigen. Die Physiotherapie leiste einen wichtigen Beitrag, um dies zu ermöglichen, sagt Stauffer.

Legende: Video «Durch den Slogan ‹ambulant vor stationär› werden Patienten früher nach Eingriffen entlassen» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.06.2019.

Einen Teil des Kostenanstiegs im Bereich der Physiotherapie sei tatsächlich auf den Umstieg von stationär auf ambulant zurückzuführen, sagt Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte von Comparis. «Die Leute gehen früher aus dem Spital, aber brauchen nach wie vor ambulante Leistungen.» Dabei handle es sich nicht nur Physiotherapie, sondern auch um Leistungen der Spitex oder dem Hausarzt.

Die obligatorische Krankenversicherung deckt ambulante Leistungen zu 100 Prozent, während bei stationären Behandlungen der Kanton 55 Prozent der Kosten übernimmt.

Leute sind vorsichtiger geworden

Doch gibt es weitere Gründe, welche die ambulanten Behandlungen ansteigen lassen? «Ja», sagt Felix Schneuwly. «Die Leute sind vorsichtiger, was überstürzte Operationen betrifft.» Bei Rückenschmerzen habe man früher relativ schnell operiert. Heute sei man vorsichtiger.

Eine Operation sei immer auch mit Risiken verbunden. Deshalb versuche man zuerst das Leiden konservativ zu behandeln. Die erste Wahl ist dabei meist die Physiotherapie.

Legende: Video «Früher hat man relativ schnell operiert.» abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.06.2019.
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42 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Auch ich bin schon mehrmals von einen Arzt zur Physiotherapie geschickt worden. Ich bin übrigens gern hingegangen. Aber gegen das eigentliche Gesundheitsproblem hat es mir jeweils nicht geholfen. Ja, Physiotherapie wird manchmal (oft?) aus Verlegenheit verschrieben - "nützt es nichts, so schadet es nichts".
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Wieviel erhalten die Krankenkassen eigentlich über Francisen und Selbstbehalt an den Therapiekosten zurück? Anders gefragt: Was zahlen die KK‘s wirklich? Also meinen Betrag an Physiotherapie Aufwendungen, die übrigens hervorragende Wirkung zeigte und zeigt, sollen sie bitte vollständig abziehen, ich habe alles selber bezahlt.
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  • Kommentar von Thomas Bünzli  (Tumasch)
    Was leider noch überhaupt nicht erwähnt wurde: Physio findet meistens mit einer ärztlichen Verordnung statt, d.h Arzt/ Ärztin erteilen der Physio einen Arbeitsauftrag. Gerade bei ÄrztInnen ist ein enormer Zeitdruck vorhanden - sie haben kaum Zeit, um sich von ihren Pat. ein Bild zu machen und Ursachenforschung zu betreiben. Häufig werden dann die Personen in die Physio geschickt: Hier ist mehr Zeit da, vor allem auch ein profundes Wissen und in Rücksprache mit Arzt eine gute Therapie möglich!
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