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Genfs Ambulanzen im Dauereinsatz
Aus 10 vor 10 vom 13.11.2020.
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Ambulanzen im Dauereinsatz Corona bringt die Sanität in Genf an ihre Belastungsgrenze

Die Sirenen durchdringen die Nacht. Ein allzu bekanntes Geräusch in Genf in diesen Tagen. Die Einsatzkräfte der Sanität sind im Dauereinsatz.

Pro Tag gehen in der Notrufzentrale zurzeit bis zu 1000 Anrufe ein, die Zahl der ausrückenden Ambulanzen ist seit über einer Woche doppelt so hoch wie normalerweise. Neben den «normalen» Notrufen kommen viele Covid-Fälle hinzu. Der Kanton Genf ist der mit Abstand am stärksten vom Coronavirus betroffene Kanton der Schweiz.

Die Einsätze der Sanität werden durch die Schutzvorkehrungen erschwert. Normalerweise sitzt jeder Handgriff - und die Sanitäterinnen und Sanitäter sind im Nu einsatzbereit. Nun muss aber ein strenges Sicherheitsprotokoll befolgt werden, zum Schutz vor dem Coronavirus.

Ungewohnte Arbeitsabläufe

Wenn die Sanitäterin Emilie Straub und ihr Kollege, ein Notfallarzt, ausrücken, zählt jede Minute. Gerade wurden sie wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstands gerufen. «Es kann sein, dass die Person wegen Covid einen Herz-Kreislauf-Stillstand hatte, vielleicht auch nicht», sagt Sanitäterin Straub. Aber wenn sie sich nicht sicher sein könnten, müssten sie zu ihrem Schutz die komplette Ausrüstung anziehen.

Wir befinden uns ausserhalb unserer Komfortzone.
Autor: Emilie StraubSanitäterin

Worauf sie sich einstellen müssen, können die Einsatzkräfte der Sanität nie wissen. «Wir befinden uns ausserhalb unserer Komfortzone, unsere Automatismen funktionieren nicht mehr, da Covid uns in die Quere kommt», sagt Staub. «Wir können uns viel weniger auf die eigentlichen Aufgaben wie Reanimation fokussieren, da wir nun viel mehr daran denken müssen, dass wir das Protokoll respektieren.»

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Sanitäterin Emilie Straub: «Normalerweise sitzt jeder Handgriff»
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Dieses Mal müssen sie feststellen, dass die Patientin bereits verstorben ist. «Wir werden keine Reanimation machen, weil der Tod schon vor einer Weile eingetreten ist.» In so einem Fall nimmt sich das Einsatzteam Zeit, um mit den Angehörigen zu sprechen und um zu verstehen, was passiert ist. Doch selbst die Kommunikation wird in Coronazeiten zur Ausnahmesituation. «Ich musste soeben einen Tod ankündigen, und man hat nur einen kleinen Teil meines Gesichts gesehen. Das ist eine Barriere, die es schwierig macht.»

Angespannte Situation

Häufig werden die Einsatzkräfte auch zu älteren Personen gerufen, die Covid-positiv sind. Viele dieser Patienten wohnen alleine oder haben einen zu tiefen Sauerstoffgehalt und müssen deswegen ins Spital eingeliefert werden. Die Intensivstation im Genfer Unispital ist am Kapazitätslimit.

Doch nicht nur die Sanitäterinnen und Sanitären sowie Spitäler, auch die Genfer Berufsfeuerwehr ist in diesen Tagen voll eingespannt. Sie rückt ebenfalls in Covid-Vollmontur aus. In schwierigen Situationen alles andere als eine beruhigende Erscheinung.

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Berufsfeuerwehr rückt auch in Vollmontur aus
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Sie kann Unverständnis oder gar Panik auslösen bei den Angehörigen. Manche wollen gar nicht, dass die Patienten so ins Spital gebracht werden. Die Rettungsleute müssen die Angehörigen dann erst beruhigen.

Support der Armee

Der Peak der Neuinfektionen in Genf scheint nun erreicht, die Notrufzentrale 144 kann aber noch nicht aufatmen. «Wir wissen, dass sich dies immer erst eine Woche später auf die Aktivität der Ambulanz auswirkt. Wir sind also noch nicht auf dem Gipfel der Welle», sagt Dr. Robert Larribau von der Notrufzentrale. Ob sie diese bewältigen könnten, wisse er nicht.

Eine gute Nachricht in dieser angespannten Situation: Bald wird in Genf die Armee mit drei Ambulanzfahrzeugen die Sanität bei ihren Dauereinsätzen unterstützen.

10 vor 10; 15.11.20; 21:50 Uhr;

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Marino Delgado  (Marino)
    Schade, dass dieser interessante Bericht nicht genderneutral geschrieben ist. Immer nur von "den Sanitätern" zu sprechen, erscheint mir nicht zuletzt deshalb merkwürdig, weil mit Emilie Straub eine Sanitäterin im Fokus ist.
    1. Antwort von Rita Wichtermann  (Gitzi)
      Ich habe mich sehr gefreut über diesen Artikel, den man ohne dieses „Genderneutral“ flüssig lesen konnte. Ich als Frau fühle mich doch nicht diskriminiert, wenn die weibliche Form nicht auch noch geschrieben wird.
    2. Antwort von Marino Delgado  (Marino)
      @gitzi Dass "dieses genderneutral" für Sie ein Fremdwort ist, heisst nicht, dass es nicht diskriminierend ist, nur die männliche Form einzubeziehen. Irgendwann wird man köpfeschüttelnd auf unsere Zeit zurückschauen und sich fragen, wie so etwas möglich war.
    3. Antwort von Ihr Kommentar (SRF)
      @Marino Delgado Guten Morgen Herr Delgado, besten Dank für Ihren wichtigen Input. Sie haben recht, wir haben den Artikel dementsprechend angepasst. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Als die Corona-Fallzahlen in Frankreich raketenartig durch die Decke gingen war das, gemäss den Aussagen unserer Wirtschaftshörigen Politiker, plötzlich nur noch ein regionales Problem in Frankreich. Nur damit die Grenzen nicht zugemacht werden müssen.
    Herzlichen Dank für den hiermit angerichtete Sauerei. Und nun vom Rest der Schweiz Solidarität einfordern.
    1. Antwort von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
      Wahrscheinlich stecken sich mehr Franzosen bei Schweizern an als umgekehrt. Die Massnahmen im grenznahen Frankreich waren und sind massiv strenger als in Genf. Die Zahlen im Kanton deutlich höher. Und ohne die Grenzgänger wäre unser Gesundheitswesen schon längst zusammengebrochen.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Überfordertes Rettungspersonal im Vollstress und stimmungsolle Schlussaufnahme: Nächtliches Lichtermeer und dunkle Strassenschluchten durch die Sirenengeheul eine unheimliche Stimmung verbreiten. SRF kann Reality TV!
    1. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      Es ist ein extrem billiges Niveau, undifferenziert und effekthascherisch. Wirklich beschämend. Und es macht mich traurig, dass man in Zwischenzeit schon froh sein muss, dass wenigstens solche Kommentare dann freigeschaltet werden.
    2. Antwort von kurt trionfini  (kt)
      Herr Müller: Ich gehe davon aus, dass in den Genfer Rettungsdiensten kompetente Menschen, mit hohem beruflichen Anspruch, gute Arbeit leisten. Ich habe den Eindruck, Sie wollen die akute Lage dem „überforderten Rettungspersonal“ in die Schuhe schieben und damit die Realität ausblenden.