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Impfdruck auf Angestellte in Altersheimen
Aus 10 vor 10 vom 11.03.2021.
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Angestellte unter Impfdruck Pflegeheim begünstigt geimpftes Personal

Ob Weiterbildung oder höheres Pensum – in die Kränze kommt im Altersheim Kohlfirst nur, wer die Corona-Impfung macht.

Seit Impfen gegen das Coronavirus in der Schweiz möglich ist, werden zuerst die vulnerablen Personen geschützt. Die Diskussion, ob sich in den Alters- und Pflegeheimen auch die Pflegerinnen und Pfleger impfen sollten, bewegt derweil die Gemüter.

Weiterbildung nur mit Impfung

Das Altersheim Kohlfirst im Zürcher Weinland hat es sich auf die Fahne geschrieben, dass längerfristig alle Angestellten gegen Covid-19 geimpft sind. Dafür setzt es das Pflegepersonal mit neuen Massnahmen unter Druck. So erfolgen mehr Tests für Nicht-Geimpfte, bei Neubewerbungen oder Pensumserhöhungen werden geimpfte oder impfwillige Fachkräfte bevorzugt und externe Weiterbildungen werden nur noch geimpften Arbeitnehmern genehmigt.

Unter einem Teil der Angestellten regt sich Widerstand. In einem Mail stellen sie den rechtlichen Rahmen in Frage. Man fühle sich erschüttert über den scheinbar schamlos diskriminierenden Beschluss des Vorstands, heisst es.

Heimleitung sieht keine Diskriminierung

Das Heim Kohlfirst ist anderer Meinung. Ende 2020 hatte hier das Coronavirus heftig grassiert. Die Situation habe die Verantwortlichen «an den Rand des Erträglichen» gebracht. «Wir leiden jetzt noch massiv darunter», sagt Markus Späth, Präsident des Zweckverbandes Kohlfirst. Etwa ein halbes Dutzend der Angestellten würden unter Langzeitfolgen leiden, eine Person sei immer noch zu 100 Prozent arbeitsunfähig und unter den Bewohnern seien 15 Personen verstorben.

Das ist keine Diskriminierung. Es geht um Schutz und Freiheit.
Autor: Markus SpäthPräsident Zweckverband Kohlfirst

Zu den umstrittenen neuen Massnahmen hält Späth fest: «Das ist keine Diskriminierung. Es geht um Schutz und Freiheit: Für das Personal, damit es nicht nochmals zu einer solch schwierigen Situation kommt. Und für die Heimbewohner, damit sie ihre Angehörigen normal treffen können.»

Dass man unterscheidet zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften, ist eine sehr heikle ethische Frage – nicht nur beim Pflegepersonal.
Autor: Daniel HöchliGeschäftsführer Curaviva Schweiz

Branchenverband betont Freiwilligkeit

Dieser Druck kommt indes beim eigenen Branchenverband nicht gut an. Bereits im Dezember hatte er zusammen mit Berufsverbänden ein Positionspapier veröffentlicht mit der Botschaft: kein Impfdruck beim Pflegepersonal. Dazu Daniel Höchli, Geschäftsführer von Curaviva Schweiz: «Dass man unterscheidet zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften, ist eine sehr heikle ethische Frage – nicht nur beim Pflegepersonal. Aus unserer Sicht ist es wichtiger, dass man die Freiwilligkeit akzeptiert und gut informiert.»

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Daniel Höchli: Unterscheidung ist ethisch heikel
Aus News-Clip vom 11.03.2021.
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Wie sieht das Ganze rechtlich aus? Roger Rudolph ist Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich. Die Frage sei in der Tat schwierig zu beantworten: «Es fehlt dafür eine gesetzliche Grundlage.» Man könne sich an der Rechtsprechung orientieren, aber auch hier würde man praktisch nichts finden dazu.

Im schlimmsten Fall könnte eine Kündigung ausgesprochen werden.
Autor: Roger RudolphProfessor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich

«Klar ist, dass niemand physisch, also beispielsweise unter Polizeigewalt, gezwungen werden kann, sich impfen zu lassen», so Rudolph. Die Frage sei, ob der Arbeitgeber Massnahmen ergreifen könne, wenn sich jemand weigert. Die Palette der möglichen Massnahmen sei gross: «Man könnte gewisse Privilegien nicht erhalten. Es könnten Versetzungen sein. Im schlimmsten Fall sogar die Kündigung.»

Das Altersheim Kohlfirst bleibt bei den Massnahmen. Mittlerweile haben sich rund 70 Prozent des Personals für die Covid-Impfung entschieden. Der Druck, der dafür aufgesetzt wurde, bleibt aber umstritten.

10vor10, 11.03.2021, 21:50 Uhr;

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74 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Die Corona-Impfbereitschaft ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. In den Gesundheitsberufen noch mehr als im allgemeinen Volk.
  • Kommentar von Jean-Luc Berger  (LuckyLuc)
    @Thomas Leu
    Sie haben recht dass ich mich mit Alters-und Pflegeheimen nicht auskenne. Trotzdem bleibt meine Frage unbeantwortet- bleibt den nichtgeimpften nur der Garten? Neben Betagten Mitmenschen gibt es noch etliche andere Pflegebedürftige Mitmenschen aller Altersgruppen in verschiedenen Institutionen.
    Danke für die interessante Unterhaltung- es ist für alle nicht einfach denn jeder sieht es aus einem anderen Blickwinkel.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Jean-Luc Berger: Mit Garten meinte ich den Ausgangsrayon, der Ihnen übrigbleibt, wenn sie dement oder pflegebedürftig werden; teilweise sogar eingezäunt. Ich nehme an, der Wirkungsrayon des Personals ist grösser und somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Personal ausserhalb des Heimes ansteckt viel grösser, als dass sich die Heimbewohner ausserhalb des Heimes anstecken, da sie dieses oft gar nicht mehr verlassen.
  • Kommentar von Christiane Pietsch  (cpi)
    Wie sieht es eigentlich mit all den Menschen aus, die Antikörper haben, auf Grund der Infektion? Warum reden wir eigentlich nicht auch darüber? Hier hat die Natur gemacht, was von der Impfung erwartet wird.
    1. Antwort von Marielouise Rentsch  (Makrele)
      Ganz genau. Darum sollte jeder zuerst einen Antikörpertest machen. Hat er Antikörper, braucht er keine Impfung. Denn das Immunsystem hat ein Gedächtnis.
    2. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Je nach Region sind es "nur" 10% - 20% der Bevölkerung mit Antikörper. Zudem ist nicht bekannt, wie lange jemand nach einer durchgemachten Erkrankung immun ist, bei geimpften wird das pro Impfstoffhersteller in Kontrollgruppen regelmässig wieder getestet. Ein positiver Antikörpertest kann zudem nicht ins Impfbüchlein eingetragen werden und ein solcher Nachweis wird in Zukunft sehr wichtig werden.