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«Anpacken statt Rumsitzen» Wie die Baubranche Jugendliche für eine Lehre begeistern will

Bei jedem Wetter draussen, früh aufstehen und strenge Arbeit: Für viele Sekundarschüler keine attraktive Perspektive. Gerade in städtischen Gebieten herrscht Lehrlingsmangel. An Aktionstagen werden künftige Maurer oder Strassenbauerinnen gesucht.

Markus Bader sitzt im Bagger und erklärt die vielen Hebel. Der 18-Jährige ist im dritten Lehrjahr zum Strassenbauer und gibt eine Art Crash-Kurs im Baggerfahren. Bis man einen Bagger richtig fahren könne, brauche es schon Übung, sagt Bader.

Kein Wunder, dass es den Jugendlichen, die hier schnuppern, schwerfällt, den Bagger zu bedienen. Sie sollen Blöcke von Baumstämmen aufeinanderstapeln, sodass ein Turm entsteht. Eine sehr schwierige Aufgabe, wenn man noch nie auf einem Bagger gesessen ist, denn der Turm soll ja nicht einstürzen.

Die Zange eines roten Baggers umfasst einen Holzblock und versucht ihn auf einen anderen zu platzieren
Legende: Dafür braucht es viel Übung: mit der Holzzange eines Baggers Holzblöcke aufeinanderstapeln, ohne dass der Turm einstürzt. SRF/Damian Grunow

Auch der 14-jährige Linus Kull hat dies ausprobiert. Es habe ihn sehr interessiert, einen Bagger fahren zu können oder mit einem Presslufthammer zu arbeiten. Darum habe er sich für die Aktionstage «Bau und Action» angemeldet.

Er ist einer von 150 Schülerinnen und Schülern, die an den Schnuppertagen des Baumeisterverbands Zürich Schaffhausen teilnehmen. Hier können die Schülerinnen und Schüler in zwei verschiedenen Berufen schnuppern, dem Beruf des Maurers und dem der Strassenbauerin. Das Interesse ist gross – die Schnuppertage sind ausgebucht.

Die Berufe hautnah erleben

Bereits zum fünften Mal führt der Baumeisterverband diese Aktionstage in seinem Kurszentrum im zürcherischen Effretikon durch. Geschäftsführer Roland Stoll erklärt, dass die Jugendlichen an zehn verschiedenen Stationen die Berufe selbst erkunden und sich mit anderen Lehrlingen austauschen können.

Die Jugendlichen können selbst etwas machen, damit sie der Baubranche näherkommen.
Autor: Roland Stoll Geschäftsführer Baumeister-Kurszentrum Effretikon

Roland Stoll und sein Team geben viel, damit der Tag ein Erfolg wird. Bezahltes Zugticket, bezahltes Mittagessen und knackige Sprüche auf dem Flyer, wie «Anpacken statt Rumsitzen». Noe Kaspar sitzt nicht rum – und versucht, seine erste eigene Mauer zu bauen. Es klappe schon recht gut.

Eine Werkstatt, im Vordergrund steht ein Jugendlicher, der mit Mörtel und Kelle eine Mauer baut.
Legende: Es ist die erste Mauer, die der Jugendliche baut, und er müsse herausfinden, wie es geht. Doch langsam komme er in den «Flow». srf/Damian Grunow

Unterstützt wird der Schnupperlehrling von Nils Bühlmann, der eine Lehre als Maurer macht. Natürlich sei es hart auf dem Bau. Man müsse auch bei minus zwei Grad draussen stehen. Doch das sei für ihn kein Hindernis. Man spüre, dass es in der Branche einen Wandel gebe, dass mehr Offenheit gegenüber Jugendlichen bestehe und es junge Menschen brauche.

Auch einzelne junge Frauen interessieren sich für einen Beruf auf dem Bau. Zum Beispiel Isabelle Res Bustidas. Ihr Vater arbeitet ebenfalls auf dem Bau, und ihr gefällt, dass sie als Strassenbauerin nicht in einem Büro sitzen würde.

Eine junge Frau in Arbeitskleidung steht in einem mit Pflastersteinen abgegrenzten Feld und benutzt einen Rechen.
Legende: Der jungen Frau gefällt es, draussen zu sein, sich bewegen und als Strassenbauerin die Wetterwechsel erleben zu können. SRF/Damian Grunow

Dass der Beruf anstrengend sei, schrecke sie nicht ab, im Gegenteil. Genau auf solche Jugendliche hofft Roland Stoll, Geschäftsführer des Baumeister-Kurszentrums in Effretikon. Denn handwerkliche Berufe haben einen schweren Stand, die Zahl der Lernenden geht zurück.

Fachkräftemangel im Baugewerbe

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Laut einer Studie des Schweizerischen Baumeisterverbands werden im Jahr 2040 voraussichtlich 5600 Fachkräfte fehlen. Das entspricht 16% des Bedarfs, wie Zahlen aus dem Jahr 2023 zeigen.

Im Moment werden in den Kantonen Zürich und Schaffhausen 115 Jugendliche pro Jahr zum Maurer ausgebildet, früher waren es bis zu 150. Gerade in der Stadt Zürich sei es für Baufirmen schwieriger, Lernende zu finden, als in ländlicheren Gebieten und im Rest der Schweiz, wo das Handwerk noch mehr in den Genen sei.

An den Aktionstagen können die Jugendlichen selbst ausprobieren. Und so werde – hoffentlich – die Begeisterung für diese Berufe geweckt, ist Stoll überzeugt.
Der Aufwand für diese Schnuppertage sei zwar gross, aber er lohne sich. In früheren Jahren hätten diese Tage auch schon dazu geführt, dass im Sommer auch effektiv Lehrverträge unterschrieben worden seien.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 13.1.2026, 12:03 Uhr ; 

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