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Wie bloss soll der Atomstrom dereinst ersetzt werden?
Aus Rendez-vous vom 04.06.2020.
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Anpassung des Energiegesetzes Elcom ruft nach mehr Sonnenstrom im Winter

Die Strom-Aufsichtsbehörde will die Abhängigkeit vom Ausland verringern. Deshalb soll ein verbindliches Strom-Produktionsziel ins Energiegesetz.

Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie die Schweiz den Atomstrom ersetzen soll, wenn die AKW dereinst abgeschaltet werden. Derzeit läuft eine Vernehmlassung zum Energiegesetz. Jetzt hat sich dazu die unabhängige staatliche Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich (Elcom) geäussert.

Staatliche Strommarktbehörde

Die Elcom ist die staatliche Aufsichtsbehörde im Elektrizitätsbereich., Link öffnet in einem neuen Fenster Sie überwacht die Einhaltung des Stromversorgungs- und Energiegesetzes. Zudem beaufsichtigt sie die Strompreise.

In den vergangenen zehn Wintern habe die Schweiz im Durchschnitt pro Winterhalbjahr netto rund vier Terawattstunden Strom aus dem Ausland importieren müssen, so die Elcom an ihrer Jahresmedienkonferenz. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 verbrauchte die Schweiz knapp 58 Terawattstunden Strom. Ein Drittel davon entfiel auf die Haushalte.

Abhängigkeit vom Ausland beschränken

Die Schweiz müsse Folgendes berücksichtigen, so die Elcom: Die AKW werden dereinst abgeschaltet, im Zuge der Umsetzung der Klimaziele steigt gleichzeitig der Stromverbrauch tendenziell an und die Nachbarländer würden in Zukunft im Winter nicht unbedingt viel mehr Strom in die Schweiz liefern können.

Vor diesem Hintergrund plädiert die Elcom dafür, mit dem Wegfall der Schweizer Kernkraftwerke den Netto-Import im Winterhalbjahr nicht über zehn Terawattstunden steigen zu lassen. Entsprechend seien im Inland Anreize zu schaffen für die Aufrechterhaltung einer substanziellen Stromproduktion im Winter aus neuen Erzeugungskapazitäten.

Häuser mit Fassade aus Fotovoltaik-Elementen.
Legende: Heute können ganze Häuser mit Fotozellen eingekleidet werden. Das ist vor allem für die Stromproduktion im Winter, wenn die Sonne flach auf die Häuser scheint, interessant. imago images

Die Elcom hält deshalb Massnahmen für den Zubau von fünf bis zehn Terawattstunden inländischer Winterproduktion für unerlässlich. Dazu soll ihrer Ansicht nach ein verbindliches Ausbauziel im Energiegesetz verankert werden: Mindestens fünf Terawattstunden Strom sollen bis 2035 zusätzlich aus erneuerbaren Energiequellen im Winterhalbjahr produziert werden. Wird das so ins Gesetz geschrieben, dann müsste der Bund Massnahmen ergreifen, falls sich abzeichnen sollte, dass diese Vorgabe nicht erreicht wird.

Dazu sagt SRF-Energiespezialist Klaus Ammann:

Dazu sagt SRF-Energiespezialist Klaus Ammann:

Die Forscher der ETH und das Bundesamt für Energie (BFE) gehen von den gleichen Zahlen aus, interpretieren sie aber anders als die Elcom. ETH und BFE sehen weniger grosse Risiken darin, dass die Schweiz dereinst weniger Strom wird importieren können. Ausserdem gehen sie davon aus, dass der nötige Zubau von Sonnenstrom bis in 15 Jahren auch ohne Massnahmen gelingen kann, auch wenn der Ausbau derzeit noch harzt. Dass das nicht völlig ausgeschlossen ist, zeigt zumindest der Blick auf andere Länder.

Es ist richtig, dass die Elcom vor möglichen Engpässen warnt, auch wenn diese nicht sehr wahrscheinlich sind – es ist ihre Aufgabe, auf Risiken aufmerksam zu machen. Damit steht sie zwar quasi automatisch auf der Seite der Stromproduzenten, die ihre AKWs so lange wie möglich weiter laufen lassen wollen. Zugleich betont die Elcom, dass eben gerade am Ersatz für den Atomstrom gearbeitet werden müsse – durch den Zubau von erneuerbaren Energien.

Stromabkommen mit der EU wäre wichtig

Mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Stromwirtschaft ist für die Elcom «ein Stromabkommen mit der EU nach wie vor anzustreben», wie es an der Medienkonferenz weiter hiess. Auf der Netzseite erwartet die Behörde für die nächsten Jahre Unwägbarkeiten, was den Stromaustausch mit dem Ausland betrifft. Sie begründet dies mit der geografischen Ausdehnung des Strommarktes in Kombination mit einem erhöhten grenzüberschreitenden Stromfluss bis zum Jahr 2025.

Im letzten Jahr allerdings war die Versorgungssicherheit mit Strom in der Schweiz so gut wie noch nie: Nur gerade 19 Minuten musste der Durchschnittsverbraucher in der Schweiz 2019 ohne Strom auskommen. Das ist der beste Wert aller Länder in Europa.

Corona: Weniger Strom verbraucht

Wegen der Coronakrise ging der Stromverbrauch in der Schweiz an Werktagen seit Mitte März um rund zehn Prozent zurück, wie es von der Elcom weiter hiess. Dies sei einhergegangen mit tieferen Strompreisen – wovon die privaten Stromkonsumenten aber kaum profitieren dürften, weil die Strompreise von den Lieferanten langfristig fixiert sind.

SRF 4 News, Rendez-.vous vom 4.6.2020, 12.30 Uhr;

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    Merkwürdig, vor dem Aufkommen von neuen erneuerbaren Energien, hat niemand verlangt, dass ein Gebäude strom- bzw. energieautark sein soll. Auch hat niemand von einem Kraftwerksbetreiber erwartet, dass er noch einen Speicher installiert um Ausfälle überbrücken. Übrigens, die Schweiz importiert nicht nur 100% Öl, Gas und Uran, sondern ist seit 60 Jahren auch nicht mehr stromautark. Beispiel: 2012 hat die Schweiz z.B. 59 TWh verbraucht, aber ganze 89 TWh exportiert und 86.8 TWh importiert (BFE).
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  • Kommentar von Werner Aeschlimann  (wernz)
    Guten Morgen NZ, ich bin in der Energiebranche tätig, aber gut wenn Sie nachfragen bezgl. der Stromautarkie. Für uns ist ohne Anschluss zu leben auch ein Familienprojekt, sehr spannend aber nicht der Allgemeinheit zu empfehlen, darum geht es auch nicht. Die Erkenntnisse sind einfach extrem interessant, weil auf einmal glasklar erkennbar wird was möglich ist und was nicht, übrigens auch im technischen Bereich. Da haben wir einen Lernprozess hinter uns den sonst kaum jemand hat, echtes Know How.
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  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    Was bei dieser Diskussion leider immer wieder vergessen geht: Ölscheiche und Gasoligarchen werden so oder so nicht ewig liefern können und die Europäischen Uranminen sind zudem längstens versiegt. Es ist vorteilhaft, wenn wir unser hartverdientes Geld zukünftig den Schweizer Elektrikern (welche z.B. Wärmepumpen und PV-Anlagen installieren) anstatt den Ölscheichen geben (welche nicht zuletzt leider auch durch die Finanzierung von Hasspredigern/Kriegen, Flüchtlingswellen anheizen).
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    1. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      Die Wärmepumpen und PV-Panels kommen aber meistens aus China. Diese Abhängigkeit ist auch nicht besser. Zudem, Öl und Gas wird es in alle Ewigkeit brauchen, nicht unbedingt zum Verfeuern, aber sonst.
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    2. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Wenn Öl angeblich bis in alle Ewigkeit gebraucht wird, wäre das nicht erst recht ein Grund, weshalb man es nicht sinnlos in Ölheizungen verfeuern soll. Finden Sie nicht Herr Rechsteiner?
      Wärmepumpen werden vorwiegend in Europa produziert. Und Solarmodule müssen im Gegensatz zu Ölheizungen nicht mit einem 100% importierten Brennstoff regelmässig nachgetankt werden - sondern einmal installiert, produzieren sie jahrzehntelang unabhängige Energie.
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    3. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      @Schmid, wer lesen kann hat Vorteile, ich habe ja gesagt nicht zum Verfeuern. Und von wegen ‚....einmal installiert und Jahrzehnte lang produzieren‘ glauben Sie doch selber nicht. Lebensdauergarantie höchstens 20 - 25 Jahre, zudem müssen die Panels, je nach Standort, mehr oder weniger häufig gereinigt werden was auch nicht gerade billig ist.
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    4. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Herr Rechsteiner.
      Inzwischen bieten eigentlich alle Solarmodulhersteller eine Leistungsgarantie von 25 Jahren an. Die High-end Hersteller (z.B. LG) garantieren sogar >90% Leistung nach 25 Jahren Betriebsdauer. D.h. solche Solarmodule werden auch noch nach über 50 Jahren Betriebsdauer unabhängigen Strom produzieren. Auf dem Jungfrauhoch hat es eine 26 Jahre alte Solaranlage und der geht es immer noch blendend, trotz den harten Witterungsbedingungen. Der Regen reinigt die Module.
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