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Furrer: «Der Qualitätsnachweis ist noch nicht gegeben»
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Antikörpertest bei Corona «Der Qualitätsnachweis ist für uns noch nicht gegeben»

  • In mehreren Schweizer Labors werden Blutproben auf Antikörper gegen das neuartige Corona-Virus getestet.
  • Das Inselspital Bern verzichtet derzeit noch darauf, weil die Qualität der Resultate noch ungenügend untersucht sei, sagt der Direktor der Universitätsklinik für Infektiologie.
  • Das Problem sei, dass ein Nachweis von Antikörpern im Blut nicht zwingend bedeute, dass jemand auch immun sei.

Wird der menschliche Körper von einem Virus angegriffen, so beginnt normalerweise nach einigen Tagen die Abwehr: Es werden Antikörper gebildet, die die potenziell gefährlichen Eindringlinge bekämpfen sollen. Antikörper können mittels Bluttest nachgewiesen werden.

Anders der Test mit Nasen- und Rachenabstrichen (PCR-Test): mit diesem wird das Virus direkt nachgewiesen, was aber nur in der akuten Krankheitsphase möglich ist. PCR-Tests sind wichtig, um Covid-19 zu bestätigen.

Lieferengpass bei Nachschub aus Ausland

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Ein weiteres Problem in der Anwendung von Bluttests im Rahmen einer Exit-Strategie stellt sich bei der Kapazität: Es fehlt derzeit nämlich an Testmaterial in grossen Mengen. Das bestätigt das Labormedizinische Zentrum Dr. Risch, wo in den Labors in Buchs SG seit Kurzem erste Bluttests durchgeführt werden. Vorrang haben dort die Spitalbelegschaft, das Pflegepersonal sowie Ordnungskräfte, sagt Lorenz Risch, Verwaltungsratspräsident und Medizinischer Leiter gegenüber SRF. Theoretisch hätte man Kapazität für rund 1000Tests pro Tag, doch schaffe man derzeit in ein bis zwei Tagen nur rund hundert, weil die Lieferanten aus Deutschland und den USA nicht mehr der sogenannten Reagenzien liefern könnten.

Bluttests erfolgen später, da die Immunabwehr erst verzögert im Blut nachweisbar ist. Damit kann aber eruiert werden, wie viele Personen mit Sars-CoV-2 infiziert waren – auch wenn sie nicht oder nur mild erkrankt sind.

Fachleute wollen mit grossangelegten Bluttest-Studien deshalb die Durchseuchung herausfinden, also wie stark das Virus die Bevölkerung tatsächlich befallen hat – und wie hoch der Anteil jener ist, die nach einer Erkrankung Antikörper gebildet hat.

Grosses Potenzial, aber...

Die Dunkelziffer an Corona-positiven Personen ist entscheidend für die Planung einer möglichen Lockerung der bundesrätlichen Massnahmen. Mehrere Labors sind daran, Blutproben zu untersuchen, an mehreren Universitätsspitälern laufen Forschungsprogramme.

Nun werden Stimmen laut, die zur Vorsicht aufrufen. Dazu gehört auch der Chefarzt und Direktor der Klinik für Infektiologie am Berner Inselspital, Hansjakob Furrer. Im Interview mit «10vor10» sagt er, das Inselspital wende die Tests noch nicht an, denn «der Qualitätsnachweis ist für uns noch nicht gegeben.»

Furrer sieht durchaus grosses Potenzial. So könnte in erster Linie Spitalpersonal getestet werden, um nach einer Erkrankung wieder eingesetzt werden zu können. Auch für die Bevölkerung seien die Erkenntnisse wichtig, da so die Epidemie besser erfasst werden könne.

Immunisierung nicht nachgewiesen

Derzeit sei es aber verfrüht, sich einzig auf solche Tests abzustützen, denn entscheidende Fragen seien noch nicht geklärt. Dazu gehöre ein zentraler Wert, nämlich wie viele Antikörper es brauche, um wirklich geschützt zu sein. Diesen Schwellenwert kenne man noch nicht, sagt Furrer. Deshalb bedeute der reine Nachweis einer gewissen Menge Antikörper im Blut noch lange nicht, dass jemand als immun gelten könne.

Was der Infektiologe zuallererst geklärt haben will: Ist die Anwesenheit von Antikörpern überhaupt mit einer Immunisierung gleichzusetzen? Furrer sagt, die Hinweise darauf seien durchaus vorhanden, nur mit Sicherheit könne man das noch nicht sagen. Eine Einschätzung, die andere Fachleute teilen, etwa Adriano Aguzzi von vom Unispital Zürich, der eine Studie zur Durchseuchung der Bevölkerung führt.

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Furrer: «Was wir wissen und nicht wissen»
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«Was wir wissen ist, dass wenn Menschen die Erkrankung durchgemacht haben, sie sich dann nicht wieder anstecken und krank werden innerhalb von wenigen Wochen», doch für wie lange dies anhalte, wisse man nicht. «Und was wir auch nicht wissen: Wenn die Antikörper da sind und die Menschen nicht krank waren, also wie wir sagen, eine asymptomatische Infektion da war, ob dann dieser Schutz auch gegeben ist.»

Heute Abend in «10vor10»

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Heute Abend in «10vor10»

Mehr zum Thema in «10vor10», um 21.50 Uhr auf SRF 1.

10v10 vom 3.4.2020

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Müller  (Nonaeol)
    In diesem Artikel hier: doi:10.1001/jama.2020.3204 sieht man in den Supplement materials gut, dass ein positives Testresultat auf SARS-CoV-2 über eine maximale Zyklen-Zahl definiert wird, bis zu welcher das multiplizierte RNA-Stück nachweisbar sein muss. Ist es erst nach mehr als der definierten Zyklen-Zahl nachweisbar, erhält die Person ein negatives Testresultat. In obiger Studie sieht man, dass auch besonders schwere Fälle an einem Tag positiv, am anderen Tag negativ etc. getestet wurden.
    1. Antwort von Paul Molitor  (Paul Molitor)
      Guter Artikel Hr. Müller, etwas mühsam zu lesen aber solide Daten. Guter Punkt was den Threshold angeht, vergessen Sie aber bitte nicht, dass Kontrollen in allen Test äusserst wichtig sind. Viele Hersteller von Primern (Oligos) und Sonden haben vom Hören und Sagen Probleme mit Kontaminationen bei der Synthese (Herstellung) der Kontrollen, darum gibt es leider auch in der Diagnostik “false positives” zur Zeit. Und die Verifizierung (run-them-again) der Test ist auch äusserst wichtig.
  • Kommentar von Paul Molitor  (Paul Molitor)
    @saskilde Guter Punkt Fr. Ackermann, nun klar, die Zielsequenzen sind zertifiziert für SARS-CoV-2. Das der Test auch bei SARS-CoV und MERS-CoV anschlagen kann, interessant. Sie sollten sich allerdings nie aussuchen, an welchem Coronavirus sie erkranken. Betreffend Infektion/infektiös sein, da sollte man nicht locker bleiben. Unsere Gesellschaft kennt die 2019-Corona Version noch nicht. Positiver PCR-Test und sie sind infektiös. Event. noch nicht heute, aber wohl morgen oder in 5 Tagen.
  • Kommentar von Peter Fischer  (Peter Fischer)
    Frage an Herr Furrer: Wieso sind sie beim PCR Test nicht so kritisch? Der wurde auch nie wissenschaftlich validiert. Als diese neue Krankheit in China ausbrach nahm man einen alten SARS Test von 2002 und fand, dass dieser bei etwas über der Hälfte der Patienten positiv anzeigte. Es ist in dem Fall nicht gegeben, dass nur das neue Virus gemessen wird. Kurzzeitig gab es auch eine chinesische Studie, welche 47% zu positive Werte auswies, diese wurde jedoch aus nicht bekannten Gründen zurückgezogen.
    1. Antwort von Hansjakob Furrer  (hjfurrer)
      Wir waren und sind auch gegenüber PCR Tests kritisch und wenden sie erst an, seit sie von unserem Partnerlabor evaluiert wurden. Während die Spezifität sehr gut (wenn auch nicht 100%) ist, wir also sehr selten falsch positive Resultate finden, ist die Sensitivität geringer: Wir finden das genetische Material des Virus nicht immer im ersten Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum, auch wenn eine COVID-19 |nfektion der Lungen vorliegt. Hier werden uns die neuen Antikörpertests hoffentlich helfen.