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Autobahn als Stromlieferant Walliser Solarprojekt in den Startlöchern

Autobahnen zur Stromgewinnung mit Sonnenzellen überdachen – was gut tönt, hat auch Schattenseiten.

Legende: Audio Solarpanels auf Autobahndächern abspielen. Laufzeit 03:13 Minuten.
03:13 min, aus Rendez-vous vom 11.09.2018.

Auf einem anderthalb Kilometer langen Abschnitt der Autobahn A9 im Wallis könnte eine lange gewälzte Idee Realität werden: Die Fahrspuren sollen überdacht werden, darauf sollen Solarzellen Strom produzieren.

Strom für 20'000 Personen

Die Dimensionen des geplanten Solardachs bei Fully sind einmalig: 37'000 Solarpanels sollen über den Fahrspuren montiert werden. Das würde den jährlichen Stromverbrauch von 20'000 Personen decken.

Für Initiant Laurent Jospin und sein Unternehmen geht es aber um mehr. Denn laut seiner Aussage liessen sich 40 Prozent des Schweizer Autobahnnetzes so überdachen. Das sind 750 Kilometer Autobahn, wie Jospin im Westschweizer Radio rts sagte.

Kein Geld vom Bund

Für die ersten anderthalb Kilometer Überdachung im Wallis ist der erste Schritt jetzt getan. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will dem Projekt grundsätzlich keine Steine in den Weg legen und hat eine Vereinbarung mit dem Initianten unterzeichnet.

Damit werden die Flächen neben der Autobahn A9 bei Fully reserviert, damit der Bau eines Dachs grundsätzlich möglich würde. Die Bewilligung für ein solches Projekt wiederum muss der Kanton Wallis erteilen.

Geld von Pensionskassen?

Sicher ist allerdings schon jetzt, dass es vom Bund keine Subventionen für das Projekt gibt. «Ein finanzieller Zustupf ist nicht möglich – der Investor muss sein Projekt ohne Gelder des Astra finanzieren können», sagt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen. Allerdings werde man bei der Projektierung der Konstruktion mithelfen, damit der Verkehr auf der Autobahn weiterhin sicher gewährleistet sei.

Retouchiertes Foto des Wallis' mit überdachter Autobahn.
Legende: Bei Fully soll die Autobahn überdacht und mit Solarzellen bestückt werden (Blick in Richtung Martigny). energypier

Das Projekt steht erst am Anfang. Jetzt hoffen die Initianten auf Geld von Investoren, etwa von Pensionskassen. Die anderthalb Kilometer Überdachung bei Fully und die Bestückung mit Solarzellen soll rund 50 Millionen Franken kosten.

Bei Swissolar ist man skeptisch

Auch der Fachverband Swissolar sieht ein Potenzial zur Gewinnung von Sonnenenergie im Zusammenhang mit Autobahnen. Doch Geschäftsführer David Stickelberger sieht Realisierungschancen vor allem für Panels an Lärmschutzwänden oder Böschungen entlang der Nationalstrassen.

Denn eine Überdachung sei kompliziert und entsprechend teuer. «Ich bin nicht gegen den Versuch – wir müssen alle Potenziale nutzen», betont er. Trotzdem glaube er nicht, dass überdachte und mit Solarzellen bestückte Autobahnen eine grosse Zukunft hätten.

Noch ist offen, ob das Projekt im Wallis Realität wird. Alles hängt davon ab, ob dafür genügend Geldgeber gefunden werden.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Allen, die hier jetzt mit wilden Rechnereien aufzeigen wollen, dass dieses Projekt eh nie rentiert sei die Frage gestellt: Hat Atomstrom jemals rentiert?
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  • Kommentar von Chris Portmaier (ChrisPortmaier)
    Mir gefällt der Mut zu neuen Denkansätzen. Muss ja nicht gleich in die Verfassung. Eisenbahn-Strecken überdachen könnte auch eine Variante sein, denn die SBB benötigt Strom auch am Tag, und zwar gleich vor Ort. Zudem wäre es nicht immer so heiss im Zug.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    L.Tschirren: 5.6Rp/kWh decken nur Amortisation, Zins bekommt damit noch niemand. Bei 4% Zins und lin. Amortisation kommen 3 Rp/kWh dazu, also liegt Solarstrom 11-12Rp/kWh. Das ist rund 3-Faches des Wasserstroms im Wallis. Wasserstrom ist aber voll regelbar, Solarstrom gar nicht. Rechnet man Speicherung von 50% des Solarstrom für bedarfsgerechten Ausgleich dazu, fallen selbst mit besten Pumpspeichern nochmals 3Rp/kWh an, ist man also bei 15 Rp/kWh, mit Batteriespeichern gar jenseits von 30Rp/kWh.
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    1. Antwort von Lukas Tschirren (Lukas Tschirren)
      Danke für die Präzisierung, Herr Buesser. Wie gesagt eine Abschätzung ganz ohne finanztechnisches Knowhow meinerseits. Finanziell spannend würde das Projekt wohl erst, wenn ein Grossverbraucher (z.B. Lonza) das Solarkraftwerk betreiben und damit Netzstrom 1:1 substituieren kann. Ein solcher Verbraucher braucht dann auch keine allfälligen Speicherüberlegungen anzustellen, da er Netzanschluss hat. Nicht sozial, aber ev. rentabel..?
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