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Bauen wir Strassen oder ernten wir Verkehr, Jürg Röthlisberger?
Aus Samstagsrundschau vom 30.03.2024. Bild: Keystone/Anthony Anex
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Autobahnausbau Astra-Direktor: «Nur mit Tempo 80 lassen sich keine Staus lösen»

Jürg Röthlisberger ist seit 2015 Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra). In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF stellt er sich der Kritik zum geplanten Ausbau von sechs Autobahnabschnitten.

Jürg Röthlisberger

Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra)

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Jürg Röthlisberger ist seit 2015 Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra). Seit 1997 ist er fürs Astra tätig.

SRF News: Der Ausbau kostet über fünf Milliarden Franken. Enorm viel Geld für – zugespitzt gesagt – ein paar Stauminuten weniger. Macht das Sinn?

Jürg Röthlisberger: Eine enorme Summe, ja, aber sie ist zu 100 Prozent benutzerfinanziert. Zudem geht es nicht darum, dass wir in Zukunft mit 120 Kilometer pro Stunde durch die Schweiz brettern können. Es geht darum, dass die Autobahnen wieder als Entlastungssystem für Städte, Agglomerationen und Gemeinden funktionieren. Das ist heute nicht mehr der Fall, es kommt zu enormem Ausweichverkehr.

Ob der Ausbau von Autobahnen die gewünschte Wirkung hat, ist aber unklar – es gibt zahlreiche Studien, die aufzeigen, dass mehr Strassen auch mehr Verkehr bedeuten, was wiederum zu Staus führt.

Erstens wird dieser Spruch interessanterweise immer nur bei Strassen verwendet, nie bei der Bahn. Und zweitens stammt dieser Spruch aus den 1970er Jahren.

Jetzt bauen wir keinen Meter neue Autobahn.

Damals haben wir neue Strassen gebaut und das Autobahnnetz erweitert. Jetzt bauen wir keinen Meter neue Autobahn. Es geht nur darum, dass wir die bestehenden Strassen funktionsfähig halten.

Kritiker sagen, Sie könnten mit intelligenteren Massnahmen den Staus begegnen und müssten nicht Milliarden dafür ausgeben. Zum Beispiel, indem Sie häufiger Tempo 80 auf Autobahnen einführen.

Das eine tun und das andere nicht lassen. Es ist ein Irrglaube, zu meinen, man könne nur mit Tempo 80 die Stausituationen lösen. Wir greifen heute schon systematisch auf die Massnahme der Temporeduktion zurück, mit viel Erfolg.

In einem Interview sagten Sie, dass Sie vor zehn Jahren für diese Massnahme «gefressen» worden wären. Ist das heute anders?

(lacht) Auch heute gibt es ungehaltene Reaktionen darauf, aber nur, weil manche denken, wir würden nur so auf Staus reagieren. Aber das machen wir nicht. Wir müssen verschiedene Möglichkeiten ausschöpfen, dazu gehört auch der punktuelle Ausbau von Autobahnen.

Ein zweiter grosser Kritikpunkt zielt auf das Klima. Mehr Strassen bedeuten mehr CO₂-Emissionen. Das steht im Widerspruch zum neuen Klimagesetz.

Diese Bemerkung stimmt künftig nicht mehr. Wir werden voll auf Elektromobilität setzen.

Die Strassen, die wir heute ausbauen, werden in Zukunft von klimaverträglichen Fahrzeugen befahren.

Das ist ein absolutes «must», den Willen zu diesem Wandel haben Politik und Bevölkerung auch mehrfach unterstrichen. Die Strassen, die wir heute ausbauen, werden in Zukunft von klimaverträglichen Fahrzeugen befahren.

Das sieht der Bundesrat weniger positiv. In seiner Botschaft zu den Ausbauprojekten schreibt er von «negativen Auswirkungen für die Umwelt». Das ist laut Bundesrat der Preis, den wir zahlen.

Damit sind nicht nur Emissionen gemeint, sondern auch der Flächenbedarf. Wir brauchen für die sechs Autobahnprojekte acht Hektar zusätzliches Land. Das sind elf Fussballfelder. Es sind vielleicht elf Fussballfelder zu viel, aber im Vergleich zum Nutzen vertretbar.

Das Gespräch führte Eliane Leiser.

Samstagsrundschau, 30.3.2024, 11:30 Uhr ; 

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