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Automatisches ÖV-Handyticket Revolution mit Tücken

Reisende sollen einfacher zu ÖV-Tickets kommen – digital. Das Bedürfnis ist da, doch noch gibt es Schwachstellen.

Legende: Audio Automatisches ÖV-Handyticket – eine Revolution (noch) mit Tücken abspielen. Laufzeit 06:47 Minuten.
06:47 min, aus Espresso vom 16.10.2018.

Das Ticketsystem in der Schweiz soll harmonisiert und standardisiert werden. Darauf haben sich die Bahn-, Bus- und Schiffbetreiber geeinigt. Doch bei 250 Transportgesellschaften ist das gar nicht so einfach. Ein Teil des anfangs Jahr gestarteten Projekts «ÖV-Ticket 2020, Link öffnet in einem neuen Fenster» ist das sogenannte «automatische Ticketing».

Hinter diesem unspektakulären Begriff versteckt sich eine ziemliche Revolution: In Zukunft soll sich der Bahn- oder Buskunde gar nicht mehr um die Reiseplanung oder Ticketbeschaffung kümmern müssen. Das Smartphone zeichnet die Reise auf und verrechnet das Ticket. Bereits testet die ÖV-Branche verschiedene technische Lösungen.

«Der ÖV gibt Gas»

Christof Zogg ist Leiter der digitalen Entwicklung bei der SBB und Leiter des branchenübergreifenden Projekts «Vertriebslandschaft 2020»: «Schlussendlich werden alle Reisenden eine Bequemlichkeit auf GA-Niveau erhalten – ohne dafür ein Generalabonnement kaufen zu müssen.» Und es geht mit grossen Schritten vorwärts. Schon 2019 soll klar sein, welches der getesteten Systeme den Zuschlag erhält.

Für die Reisekunden ist die pure Vielzahl an Apps, auf denen automatische Ticket gekauft werden sollen, allerdings verwirrend: Fairtiq gibt es als eigenständige App. Die SBB haben das System seit kurzem in ihre Preview-App integriert, mit der 300'000 SBB-Kunden die Dinge der Zukunft ausprobieren können. Bei der SBB wird Fairtiq zu Easy Ride.

Schon etwas länger ist der Zürcher Verkehrsverbund ZVV mit ihren Check-in-Tickets unterwegs. Die BLS testet den Provider Lezzgo und die SOB probiert Abilio aus. Diese Lösung unterscheidet sich von den anderen, indem sie nicht auf den Ortungsdaten der Kunden-Smartphones basiert. Stattdessen wurden die Bahnwagen der Südostbahn mit Sensoren ausgerüstet, die erkennen, wo und wann die Kunden ein- und aussteigen.

Porträtbild von Christof Zogg.
Legende: Christof Zogg, Leiter Digitalgeschäft SBB und Projektleiter «Vertriebslandschaft 2020». zvg

Fehlerquelle Ein- und Auschecken

In einer ersten Testphase müssen die Kunden am Smartphone selbst ein- und auschecken. Christof Zogg: «Die wichtigste Fehlerquelle ist das vergessene Checkout, wo jemand nach der Busfahrt mit dem Privatwagen weiterfährt und das System den Wechsel nicht erkennt.» Es werde aber nicht mehr viele Jahre dauern, bis Applikationen ohne Checkout auf den Markt kämen, ist sich der Digitalticket-Experte Zogg sicher.

Den Kunden wird versprochen, dass das System immer den günstigsten Tarif verrechnet und höchstens den Preis einer Tageskarte. Sparbillette können die automatischen Ticketverkäufer aber noch nicht erkennen.

Wer sich auf automatisches Ticketing einlässt, profitiert von mehr Bequemlichkeit beim Reisen. Dafür muss er bereit sein, seine Reisespuren preiszugeben. Um Pannen und Missverständnisse mit einem kulanten Kundendienst auffangen zu können, werden die Daten anfangs gespeichert. In einer späteren Phase – wurde es mit den Datenschützern abgemacht – sollen die Fahrten anonymisiert werden.

Moderner auch bei analogen Kunden

Auch in Zukunft wird es möglich sein, anonym und ohne Smartphone den öffentlichen Verkehr zu nutzen, verspricht Christof Zogg. Dafür soll auch in die Modernisierung der Ticketautomaten auf den Bahnhöfen investiert werden. Die Panzerschränke von heute sollen ansprechenden und benutzerfreundlichen Bildschirmen weichen.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Caviezel (Angemeldet)
    Die Preiserhöhungen werden dann gar nicht mehr wahrgenommen. Das ist genau das, was ich an diesen Systemen beanstande. Man stelle sich mal vor, am Flughafen einfach in einen Flieger einzusteigen ohne zu wissen, was es kostet lediglich mit der Zusage, die Airline verrechne automatisch den günstigsten Preis. Absurd!
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    1. Antwort von Fabian Meier (FabianMeier)
      bei der sbb-version klappt dies, ich spare bei meinen zugreisen nun sehr oft 40 rappen pro fahrt. und weiter kann ich entscheiden ob ich für den gleichen preis noch eine kurze busfahrt hinzufüge oder am zielbahnhof noch einen kleinen fussmarsch einlege. ganz spontan, ohne einen aufpreis zu bezahlen. dieses system kann auch vorteile haben. die angst vor vertuschten preiserhöhungen sehe ich als nicht gewichtig im vergleich zur gewonnen flexibilität.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Ein Bedürfnis nach Digitalisierung war gar nie da, das ist eine Behauptung der Industrie! Kein Mensch hatte in den 70er Jahren ein Bedürfnis nach ständig online und erreichbar sein. Ich stelle eher ein Bedürfnis nach Entschleunigung und Leben ohne digitale Geräte fest. Es gibt keinen Gott, welcher uns die Digitalisierung vorschreibt, als ob es der nächste natürliche Evolutionschritt wäre. Es ist alles gesteuert von einer Industrie, welche unendlich viel Elektronikschrott produziert, that's all!
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    1. Antwort von martin blättler (bruggegumper)
      Ihr Kommentar lässt mich ein wenig ruhiger schlafen.Nun weiss ich,nicht der Einzige zu sein,der mit diesem Müll seine Lebensqualität eingeschränkt sieht. Mit viel Technik Probleme lösen,die ohne diesen Müll nicht existierten,kann nicht zielführend sein,ausser für die Hersteller dieser Geräte.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Es gibt -abgesehen von der zunehmenden Faul- und Dummheit der Leute- keinen Grund, die Digitalisierung im Ticketbereich auf eine Weise fortzuführen, bei der man erst im Nachhinein eine Preiskontrolle hat und die so viele Pferdefüsse beinhaltet. Aber wahrscheinlich geht es genau da drum: ist der Kunde erst einmal an das System gewöhnt, hat er die aktive Preiskontrolle verloren. Auch Preiserhöhungen werden dann vom MArkt recht einfach geschluckt.
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