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Der Ausbruch in Wuhan hat noch keine Auswirkungen in der Schweiz
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.01.2020.
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BAG zu Corona-Virus «Die Dynamik des Ausbruchs ist eher beunruhigend»

Die weitere Ausbreitung des Corona-Virus in China und ausserhalb beschäftigt auch die Schweizer Behörden. Man sei hierzulande auf alle Szenarien vorbereitet, sagt Patrick Mathys von der Sektion Krisenbewältigung beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Patrick Mathys

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Patrick Mathys ist im Bundesamt für Gesundheit (BAG) Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit.

SRF News: Wie schätzt das Bundesamt für Gesundheit derzeit das Risiko für die Bevölkerung in der Schweiz ein?

Patrick Mathys: Derzeit besteht für die Schweiz keine Bedrohung durch das Coronavirus. Allerdings ist die Dynamik des Ausbruchs in China eher beunruhigend, weil die Infektionszahlen rasch steigen. Wir sind deshalb darauf vorbereitet, Massnahmen zu ergreifen.

Gibt es einen Aktionsplan?

Es gibt keinen speziellen Plan gegen dieses neue Virus. Aber wir verfügen über diverse Konzepte und Pläne – etwa den Pandemieplan. Diese könnten wir rasch zur Anwendung bringen.

Entwicklung von Impfstoff dauert noch lange

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Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Corona-Virus wird laut der globalen Impfallianz Gavi mindestens ein Jahr dauern.

Noch seien die Gefahren durch das Corona-Virus schwer abzuschätzen, sagte Gavi-Geschäftsführer und Epidemiologe Seth Berkley der Nachrichtenagentur DPA. «Die gute Nachricht ist, dass Forscher das Genom des Virus bereits sequenziert und veröffentlicht haben. Das hat es mehreren Organisationen rund um die Welt möglich gemacht, mit der Arbeit an einem Impfstoff zu beginnen», sagte er.

Impfstoffe, die gegen Corona-Viren schützen, seien weitaus leichter zu entwickeln als Vakzine gegen Krankheiten wie Malaria oder HIV. «Trotzdem wird es bis zu ersten klinischen Versuchen Monate dauern und mindestens ein Jahr, bevor ein Impfstoff zur Anwendung verfügbar ist», sagte Berkley.

Die globale Impfallianz Gavi ist weltweit engagiert, um den Impfschutz gegen Krankheiten zu verstärken und Staaten im Gesundheitswesen zu beraten.

Die WHO will erst heute entscheiden, ob der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen werden soll. Welche Auswirkungen hätte das auf die Situation in der Schweiz?

Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands hat keine unmittelbaren Folgen für die Schweiz. Es wäre vor allem eine Signalwirkung: Damit würde die Weltgemeinschaft dazu aufgefordert, den Krankheitsausbruch ernst zu nehmen, entsprechende Vorbereitungen zu treffen und koordiniert dazu beizutragen, den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.

Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands hat vor allem eine Signalwirkung.

Unklar ist derzeit auch, ob die WHO mit der Ausrufung des Notstands allenfalls weitere Empfehlungen herausgeben würde. Diese würden selbstverständlich auch in unsere Überlegungen und Empfehlungen einfliessen.

An den Flughäfen von Rom und London werden bereits gewisse Passagiere kontrolliert. Zieht die Schweiz nach?

In Rom und London landen Direktflüge aus Wuhan, der chinesischen Metropole, in der das Virus ausgebrochen ist. Deshalb wurden die Kontrollen eingeführt. Auch in der Schweiz sind wir auf solche Massnahmen vorbereitet und würden sie ergreifen, falls das nötig wird.

Wie lauten die Empfehlungen des BAG für Reisen nach China?

Reisen nach Wuhan sind derzeit sicher nicht sinnvoll, die Stadt ist von den Behörden praktisch unter Quarantäne gestellt worden. Grundsätzlich aber raten wird derzeit nicht von Reisen nach China ab. Wir empfehlen aber dringend, die üblichen Hygienemassnahmen wie Hände öfters waschen oder desinfizieren.

Wer mit Krankheitssymptomen aus China zurückkommt, sollte einen Arzt aufsuchen.

In China sollten Märkte, auf denen Tiere gehalten werden, gemieden werden, ebenso den Kontakt zu kranken Menschen. Rückreisende aus China mit Atembeschwerden oder Krankheitssymptomen sollten einen Arzt aufsuchen und dabei auf die Chinareise hinweisen.

Es spricht einiges dafür, dass der Ausbruch nicht unter Kontrolle ist.

In Wuhan ist eine Atemmaske im öffentlichen Raum inzwischen Pflicht. Und auch in Shanghai sind viele Menschen damit unterwegs. Bringt das etwas?

Das ist umstritten. Wichtig ist, dass die Gesichtsmasken korrekt getragen werden – dann lässt sich die Übertragung des Virus sicher eindämmen. Allerdings ist die Weiterverbreitung allein mit solchen Masken nicht zu vermeiden.

Muss man also davon ausgehen, dass sich das Virus weiter ausbreitet?

Das ist derzeit sehr schwierig zu sagen. Es spricht allerdings einiges dafür, dass der Ausbruch nicht unter Kontrolle ist und eine weitere Ausbreitung durchaus möglich ist.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Die Viren werden sich weiterentwickeln. Ob die Forschung da mithalten kann wird sich zeigen.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Eigenart, da werden Vergleich einfach so mit der spanischen Grippe gemacht ... Dabei wird vergessen, auf welchem Boden solche virale Epidemien damals dermassen katastophal sich ausbreiten konnten, der WWI. Vergessen diese Schlachterei, die Gräben, die Lebensbedingungen der damaligen Menschen. Kohärenz im Denken, wenn es Viren und Panikmache geht, scheint da völlig abhanden zu kommen.... Der gesunde Menschenverstand geht flöten, wenn das auch nur ein Hauch von Impfmöglichkeiten im Raume stehen.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Das ewige herum reisen hat eben auch seine Schattenseiten und es werden "Viren und allerhand Tierchen" eingeschleppt!
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