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Es wird eng für das Covid-Zertifikat
Aus 10 vor 10 vom 01.06.2021.
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Bald freies Reisen? Covid-Zertifikat: Grosse Kantone im Nachteil

Die rasche Bereitstellung der Zertifikate noch vor den Sommerferien stellt eine grosse Herausforderung dar.

Das Covid-Zertifikat soll Geimpften, von Corona Genesenen und regelmässig Getesteten Zugang zu Grossveranstaltungen und Reisen in Europa ermöglichen. Der Bundesrat wird das Zertifikat am kommenden Freitag mittels Verordnung lancieren. Aber der Teufel liegt im Detail: Denn die rasche Bereitstellung solcher Zertifikate noch vor den Sommerferien stellt vor allem grosse Kanton vor ebenso grosse Herausforderungen.

Ich glaube, man hat es verschlafen. Vor allem beim Bund hat man die Probleme erst gesehen, als sie schon da waren.
Autor: Josef WidlerHausarzt Zürich

Der Zürcher Hausarzt Josef Widler spricht in klaren Worten, wenn es ums Thema Covid-Zertifikat geht. «Ich glaube, man hat es verschlafen. Vor allem beim Bund hat man die Probleme erst gesehen, als sie schon da waren», sagt der Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft.

«Wir von der Ärzteschaft haben immer wieder darauf hingewiesen: Denkt daran, was alles noch kommt. Dann hat man uns vertröstet und gesagt, man sei so unter Druck, man könne jetzt nicht mehr tun.» Widler ärgert sich über das horrende Tempo, welches die Kantone nun anschlagen müssen, um die technischen Vorgaben des Bundes zu erfüllen. Und die haben es in sich.

Komplex und kompliziert

Die Kantone müssen als Erstes sogenannte «Aussteller» benennen. Im besten Fall sind das Fachleute in den Impf- und Testcentern, den Spitälern, Arztpraxen und Apotheken.

Wer ein Zertifikat will, geht zu ihnen. Dort müssen von den kantonalen Servern die Impfdaten oder von den Servern des BAG die Daten eines allfälligen positiven Tests, die eine Genesung von Covid-19 belegen, in ein neues Dokument eingetragen werden, welches wiederum in einem neuen IT-System codiert wird, das das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation in Auftrag gegeben hat.

Wenn alle Daten sauber erfasst und an die Swiss Covid-App angepasst sind, erhält der «Aussteller» im Kanton das OK und kann das Zertifikat übergeben. Falls diese Vorgänge digital nicht effizient eingerichtet sind und pro Antragstellerin oder Antragsteller mehr als drei, vier Minuten dauern, werden vor den Sommerferien längst nicht alle ein Zertifikat in den Händen halten.

Ein neuer Kantons-Wettbewerb droht

Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, hat heute an der Medienkonferenz des BAG in Bern die Probleme der Kantone bestätigt.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein bevölkerungsreicher Kanton wesentlich mehr Aufwand betreiben muss, als ein kleiner Kanton.
Autor: Rudolf HauriPräsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte

«Ja, die Herausforderungen für die Kantone sind da, weil wir noch viele Details nicht kennen. Wir erfahren laufend neues in Zusammenhang mit der Technik.» Hauri sieht vor allem die grossen Kantone vor grossen Herausforderungen. «Es liegt in der Natur der Sache, dass ein bevölkerungsreicher Kanton wesentlich mehr Aufwand betreiben muss, organisatorischer Art, als ein kleiner Kanton. Das wissen die Kantone aber, und sie werden natürlich alles daran setzen, möglichst schnell zu sein. Aber wir können das nicht garantieren. Und wir hoffen nicht, dass man wieder einen Wettbewerb daraus macht», betont Hauri.

Keine Garantie

Eine Garantie, dass noch vor den Sommerferien alle, die wollen, ein Covid-Zertifikat in der Hand oder auf dem Handy haben, gibt es nicht. Die Geschichte dieser Pandemie hat die digitalen Defizite im Schweizer Gesundheitswesen, angeführt vom Bundesamt für Gesundheit, schonungslos bloss gelegt.

Und auch zum ambitionierten Fahrplan beim Covid-Zertifikat will Virginie Masserey vom BAG keine Garantie abgeben. «Wir können es nicht garantieren. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es unsere Absicht ist, die Abläufe so einfach wie möglich einzurichten, um die Zertifikate erstellen zu können», hat die Leiterin der Sektion Infektionskontrolle heute gesagt.

10vor10, 01.06.2021, 21.50 Uhr

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Julius Stern  (Stimme der Vernunft)
    Kam auch alles seeehr spontan, die Impfung und das Zertifikat. Da wusste vor 8 Monaten noch niemand was.
  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Und die Impfung muss ja sowieso immer wieder erneuert werden hat der Chef von BioNTech und Pfizer selber gesagt. Deshalb muss das Zertifikat zu 100% Fälschung sicher sein
  • Kommentar von Gian Sa  (Panno1)
    Kann mir jemand oder gerne auch @SRF die folgenden Fragen beantworten:

    1) Sind Personen, die vollständig geimpft sind, bei der Einreise in die Schweiz, z.B. Italien Urlaub, von der PCR Test-Pflicht befreit?

    2) Da Genesene nur eine Impfung erhalten, wird dies von den ausl. Behörden akzeptiert? Wird es im Impfzertifikat ersichtlich für die ausl. Behörden, dass eine Person nur einmal geimpft wurde?

    Ich kann leider nirgends eine Antworten finden.
    Vielen Dank.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Gian Sa Guten Tag, besten Dank für Ihre Fragen. Zur ersten Frage: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/empfehlungen-fuer-reisende/quarantaene-einreisende.html - Grafik: Coronavirus - Einreise in die Schweiz. Die zweite Frage haben wir intern weitergeleitet, danke für den Input. Liebe Grüsse, SRF News