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Wie Genf Jugendliche und Betriebe von den Vorteilen einer Berufslehre überzeugen möchte
Aus Info 3 vom 13.04.2021.
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Berufsausbildung in Genf Mit Schnupperlehre einfacher in die Arbeitswelt einsteigen

In Genf beginnen nur drei Prozent aller Jugendlichen direkt nach der Schule eine Lehre. Die Möglichkeit einer Schnupperlehre soll helfen, dies zu ändern.

Der Kanton Genf hat vor zweieinhalb Jahren die obligatorische Ausbildung bis zum 18. Altersjahr eingeführt, wie es die neue Verfassung vorsieht. Zuvor waren bis zu 500 Jugendliche nach der obligatorischen Schulzeit durch die Maschen gefallen und gingen weder weiter zur Schule noch machten sie eine Berufslehre.

Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. Das Ausbildungsprogramm wird nun mit der neuen Möglichkeit einer Schnupperlehre ergänzt.

Geringe Bereitschaft der Betriebe

In Deutschschweizer Ohren tönt eine Schnupperlehre selbstverständlich, nämlich ein paar Tage oder Wochen Einblick in einen Betrieb zu bekommen, um herauszufinden, welcher Beruf einem gefallen könnte.

In Genf war das für diejenigen Jugendlichen, die vom Kanton bei der Suche nach einer Ausbildung unterstützt werden, nicht selbstverständlich. Die Bereitschaft der Betriebe, Jugendliche aufzunehmen, ist gering – und schon gar nicht Jugendliche, die schlechte Noten oder viele Absenzen in ihren Schulzeugnissen aufweisen.

Gerade für diese Jugendlichen sei es jedoch enorm wichtig, Erfahrungen sammeln zu können, sagt Stéphanie Aubert Gillet, Direktorin des obligatorischen Ausbildungsprogramms bis 18. Sie sieht in den Schnupperlehren eine wichtige neue Möglichkeit für Jugendliche, den Einstieg in die Berufswelt zu finden: «Mit der Schnupperlehre können sie sich einem Betrieb auch empfehlen und so vielleicht später ein Praktikum oder eine Lehrstelle ergattern.»

Elf Betriebe sind beim Projekt von Anfang an dabei und nehmen zwei Schnupperlehrlinge auf. Die Schnupperlehre dauert bis zu zehn Monate und wird ab drei Monaten auch gering entlöhnt. Möglich wurden diese Schnupperlehren, weil das Erziehungsdepartement mit dem Genfer Unternehmerverband zusammenarbeitet. Dessen Ausbildungsverantwortlicher Frank Sobczak hofft, dass sich weitere Unternehmen sozial engagieren werden.

Weniger Lehrstellen im internationalen Genf

Doch dies ist einfacher gesagt als getan. Denn Lehrstellen sind im Kanton Genf rarer als anderswo. Das liege an der Wirtschaftsstruktur in Genf mit vielen internationalen Organisationen, sagt Frank Sobczak. Dazu komme, dass die Lehre auch weniger Tradition habe als in der Deutschschweiz und viele eine vollzeitschulische Berufsausbildung bevorzugten.

In keinem anderen Kanton in der Schweiz absolvieren so wenige junge Menschen eine klassische Berufslehre – also in einem Betrieb arbeiten und an einem oder zwei Tagen in die Berufsschule gehen.

Die Genfer Erziehungsdirektorin Anne-Emery Torracinta erhofft sich, mit der Schnupperlehre auch die Berufslehre aufzuwerten. Immer mit dem Ziel, dass in Genf mehr junge Erwachsene mit 25 Jahren eine Ausbildung abgeschlossen haben.

Info3, 13.04.2021, 17:00 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von hans flückiger  (hflueh)
    Frau Colpi sie stiften Verwirrung mit dem Begriff Schnupperlehre. Mindestens in einigen Deutschschweizerkantonen dauert die Schupperlehre 2 bis max. 10 Tage. Sich gegenseitig "beschnuppern", in den Betrieb "reinschnuppern". Was sie beschreiben ist bei uns ein Praktikum.
  • Kommentar von Beat Stocker  (BeaSt)
    Super! Ein weiteres 'Vehikel', um Gratisarbeitskräfte zu finden. Probearbeit, Praktikum, Schnupperlehre, ...: kostet den AG nichts und bringt dem AN weder Lohn (zu Deckung der Lebenskosten) noch Sozialrücklagen.
    Hauptsache der Inhaber verdient sich eine goldene Nase und 'die Kohle fliesst nach oben'.
    1. Antwort von Peter Sprecher  (b8ilys)
      Nein! Die Schnupperlehre ist schon ein altes Ding. Man bekommt auch ein Entgeld, obwohl der Aufsichtsaufwand manchmal höher ist.
      Durfte schon früh in den Ferien arbeiten/schnuppern gehen, was mir mehr als Berufsberatung geholfen hat. Leider heisst es jetzt schon viel zu früh Kinderarbeit!
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Fortsetzung: Auch sogenannt "Schwächeren" sollten wir als Gesellschaft eine Chance geben. Wie schon gesagt: Die Erwartungen aneinander senken (Dienstleister/Kunden mit positiver oder negativer Wechselwirkung).Weniger Perfektionismus und Egoismus. Mehr innere Lebensqualitäten als Materialismus.Und:Ich habe schon ab und an junge Leute mit schlechten Schulnoten angetroffen, wurden aber hervorragende, zuverlässige Handwerker, auch weil der Chef diese wertschätzten, aufbauten.Wunderbare Lehrmeister!
    1. Antwort von Patrik Gjokaj  (Spaceship_Earth_Passenger)
      Treffend formuliert und schön gesagt! Vertrauen ist das Schlagwort. Ineinander und in sich selbst. Dieses aufzubauen erfordert Arbeit, doch diese zahlt sich stets auf sozialer wie betriebswirtschaftliche Ebene aus.