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Bewegungs-Monitoring Zweiter Shutdown lässt Mobilität deutlich weniger sinken

  • Beim ersten Shutdown Mitte März 2020 nahm die Mobilität der Bevölkerung massiv ab.
  • Nun zeigt sich ein anderes Bild: Die Schweizerinnen und Schweizer sind noch immer viel unterwegs.
  • Die zurückgelegte Tagesdistanz beträgt im Mittelwert 30 Kilometer und hat sich seit dem neuerlichen Shutdown kaum verändert.
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Aus dem Archiv: Sorglose Mobilität trotz Coronakrise
Aus Tagesschau vom 27.10.2020.
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Seit dem 18. Januar gelten in der Schweiz verschärfte Corona-Massnahmen; das öffentliche Leben wurde erneut heruntergefahren. Damit soll die Mobilität gesenkt werden, was wiederum Kontakte reduziert und damit die Ansteckungen mit dem Coronavirus senken soll. Doch der Effekt auf die Mobilität ist geringer als erhofft, wie das «Mobilitäts-Monitoring Covid-19» der Intervista AG zeigt. Sie untersucht im Auftrag der Corona-Taskforce des Bundes das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung.

Die Methodik der Mobilitätserfassung

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Das sogenannte «Mobilitäts-Monitoring Covid-19», Link öffnet in einem neuen Fenster wird von der Firma Intervista AG im Auftrag der Swiss National COVID-19 Science Taskforce, der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und des Statistischen Amtes des Kantons Zürich durchgeführt.

Das Monitoring stützt sich auf die Handy-Bewegungsdaten von mehr als 2500 Freiwilligen im Alter von 15 bis 79 Jahren. Die Bewegungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gemäss Bundesamt für Statistik im Rahmen eines Panels kontinuierlich erhoben, anonymisiert und anschliessend analysiert.

Das Monitoring wird aktuell wöchentlich aktualisiert, immer am Dienstag. Die Ergebnisse liefern laut BFS Tendenzen zum Verkehrsverhalten der Schweizer Bevölkerung, sie entsprechen jedoch hinsichtlich ihrer Präzision nicht den sonst üblichen Standards der Statistiker des Bundes.

Im ersten Shutdown im vergangenen Frühling bewegte sich die Bevölkerung demnach deutlich weniger als gewöhnlich: Die zurückgelegte Tagesdistanz halbierte sich im Mittelwert von 40 auf rund 20 Kilometer pro Person. Besonders der öffentliche Verkehr und das Auto wurden viel weniger genutzt.

Das sieht jetzt anders aus: So hat sich die Distanz, die Personen in der Schweiz täglich zurücklegen, seit dem neuerlichen Shutdown kaum verändert, wie das Mobilitäts-Monitoring, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigt. In der Woche vom 18. bis 24. Januar legte eine Person im Durchschnitt pro Tag rund 30 Kilometer zurück. Das ist praktisch gleich viel wie in den ersten beiden Januarwochen, als die verschärften Massnahmen noch nicht galten.

Wieso wirkt sich der zweite Shutdown bislang deutlich weniger auf die Mobilität der Bevölkerung aus als der erste? Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich, der einer der Auftraggeber des Covid-19-Monitorings ist, führt mehrere Gründe ins Feld: «Im Frühling 2020 waren die Massnahmen des Bundes strikter. Es waren mehr Geschäfte geschlossen, die Schulen unterrichteten im Fernunterricht, Dienstleistungsbetriebe wie Coiffeure durften nicht arbeiten und die Skigebiete waren zu.»

Zweitens hätten viele Menschen die Corona-Pandemie während des ersten Shutdowns als bedrohlicher wahrgenommen, etwa wegen den überlasteten Spitälern. «Entsprechend ernst nahm die Bevölkerung die Massnahmen des Bundes – auch weil die Fallzahlen damals stark anstiegen. Das ist nun nicht so: Wir befinden uns in einem Shutdown, doch die Fallzahlen sinken. Das leuchtet nicht jedem ein», erklärt Moser.

Drittens mache sich bei vielen Einwohnerinnen und Einwohnern eine gewisse Pandemie-Müdigkeit bemerkbar. Nach fast einem Jahr Corona will man sich nicht mehr so stark einschränken.

Homeoffice-Pflicht zeigt Wirkung

Das zeigt sich auch in Bezug auf den Mobilitätszweck. So ist der Freizeitverkehr in der ersten Shutdown-Woche nämlich sogar gestiegen. Das prächtige Winterwetter am vergangenen Wochenende habe viele Menschen nach draussen gelockt, so der Statistik-Experte. Dies habe zum Anstieg der Tagesdistanz im Freizeitverkehr geführt.

Demgegenüber ist der Einkaufs- und Berufsverkehr im Vergleich zu vor dem Shutdown wahrnehmbar gesunken. Das deutet darauf hin, dass die Homeoffice-Pflicht sowie die geschlossenen Läden und Restaurants eine Wirkung auf die Mobilität haben.

«Die Zunahme beim Freizeitverkehr führt unter dem Strich dazu, dass sich die Mobilität insgesamt in der letzten Woche kaum verringert hat. Die geringfügigen Veränderungen sind zudem mit Vorsicht zu interpretieren», betont Moser. Wie sich der zweite Schweizer Shutdown somit konkret auswirkt, wird sich erst in rund zwei Wochen zeigen.

Echo der Zeit, 26.01.2021, 19:00 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Jvo Berglas  (Berglas)
    Hört endlich auf von einem 2. Lockdown zu sprechen. Wir haben keinen Lockdown nur weil die Restaurants und ein Teil des Detailhandels abgestraft wurden.
    Grenzen, Flughäfen, Skivermietungen Coiffeure, 40% des Detailhandels und v7eles mwhr ist alkes offen.
  • Kommentar von Jugo Perren  (PJ)
    Im 1. Shutdown wurden noch keine Masken getragen. Nun sind diese im 2. Shutdown und die Leute fühlen sich nicht mehr so hilflos
  • Kommentar von Thomi Furrer  (Thömi)
    Es ist logisch, dass die Mobilität ungenügend abnimmt. Es gibt zuviele Leute, die sich wahnsinnig eingeschränkt fühlen. Und je mehr Experten über einzelne Einwohnersegmente berichten, desto schlohweisser seiner. Im Moment werden Vulnerale gegenüber den so leidenden Jugendlichen ausgespielt. Und beide Gruppen nehmen die Berichte auf und blasen in das gleiche Horn.