Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schweiz hat Ziel der UNO-Biodiversitätskonvention nicht erreicht
Aus Echo der Zeit vom 19.05.2021.
abspielen. Laufzeit 03:01 Minuten.
Inhalt

Biodiversitätskonvention UNO-Bericht: Schweiz hinkt beim Naturschutz hinterher

Laut der UNO wurde weltweit mehr Natur unter Schutz gestellt – zumindest flächenmässig. Doch nicht alle sind Musterschüler.

Mit der natürlichen Vielfalt geht es abwärts, das zeigt ein Bericht nach dem anderen: Tier- und Pflanzenarten sterben aus, Lebensräume verschwinden. Dem sollte die Biodiversitätskonvention, Link öffnet in einem neuen Fenster der UNO entgegensteuern. Vor zehn Jahren gab sie allen UNO-Mitgliedsländern das Ziel vor, bis 2020 mehr Naturräume unter Schutz zu stellen – was diese auch getan haben.

In den letzten zehn Jahren wurden tatsächlich zahlreiche neue Gebiete unter Schutz gestellt. Rein flächenmässig ist die Welt gut unterwegs. Alles zusammengerechnet kommt eine Fläche zusammen, die deutlich grösser ist als Russland. Dieser eindrückliche Zuwachs reicht knapp, um das Ziel der UNO-Biodiversitätskonvention zu erreichen, 17 Prozent der globalen Landfläche zu schützen. Für die Meere sollen es 10 Prozent sein.

Dieses Ziel wurde mit zirka 8 Prozent knapp verfehlt. Doch wie steht es um die Qualität dieser Schutzgebiete? Hier fällt die Bilanz durchzogen aus.

Qualitätskriterium 1: Hier geht es um die Frage, werden alle Naturräume und Ökosysteme geschützt? Über 1000 solche Ökoregionen sind in der Biologie bekannt, darunter Hochmoore, Bergregenwälder oder Kaltwasserkorallen. Rund ein Zehntel davon wird noch nirgendwo auf dem Globus geschützt.

Qualitätskriterium 2: Wie gut erfüllen die Schutzgebiete ihre Funktion? Wie gut schützen sie Flora und Fauna, etwa Trockenwiesen, oder Elefanten und Giraffen? Die ernüchternde Antwort: Meistens kann man das gar nicht beurteilen, weil es nur selten geprüft wird. Und die Autoren des UNO-Berichts warnen, es seien viele Beispiele bekannt, bei denen ein Nationalpark nur auf dem Papier existiert, kein Ranger patrouilliert und Wilderer freie Bahn haben.

Qualitätskriterium 3: Wie gut wird die lokale Bevölkerung einbezogen? Der Punkt ist sehr wichtig, weil an vielen Orten die dort ansässigen Menschen ihre Natur sehr gut schützen, etwa im Regenwald. Sie werden aber vom Staat kaum berücksichtigt, wenn er dort ein Schutzgebiet einrichtet. Immer wieder kommt es vor, dass Dörfer wegen eines Naturparks sogar umgesiedelt werden sollen. Der Bericht hält fest: Die Schutzleistung lokaler Gemeinschaften muss anerkannt und ihre Rechte besser geschützt werden.

Und wo steht die Schweiz?

Die Schweiz hinkt hinterher. Mit einer geschützten Fläche von 13.4 Prozent hat sie das Ziel der Konvention im Gegensatz zu fast allen Ländern Westeuropas verfehlt. Auch die Qualität unserer geschützten Regionen lässt oft zu wünschen übrig. So trocknen zum Beispiel viele Moore aus und verbuschen, obwohl sie geschützt sind. Es gibt also viel zu tun, zumal im Rahmen der Biodiversitätskonvention neue Ziele angepeilt werden.

Bis 2030 sollen 30 Prozent der globalen Land- und Meeresfläche unter Schutz gestellt werden. Der Beschluss soll an einer UNO-Konferenz im kommenden Oktober gefasst werden. Die Schweiz hat ihre Unterstützung signalisiert. Aber zuerst muss sie noch ihre Aufgaben fürs alte Ziel erledigen.

Echo der Zeit, 19.05.2021, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

63 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Umweltschutz - Naturschutz...Schweiz und ua deren fehlgeleiteten, verantwortungslosen jahrzehntelangen AGRAR-Politk und industrialsierte CHEMIE-LW!
    Und da wundert man sich, dass die NATUR vergiftet, zerstört wird.....und damut auch die Bevölkerung!
  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Etliche Kommentatoren sind der Meinung, dass die Zuwanderung Schuld an der Umweltverschmutzung sei und dass stimmt natürlich nur bedingt! Es stimmt natürlich, dass mehr Menschen mehr Ressourcen verbrauchen und somit auch mehr Verschmutzung entsteht. Aber diese Menschen zahlen auch Steuern und somit hätte der Staat auch Kapital, um dieser Verschmutzung entgegen zu wirken. Wenn man aber ständig die Steuern senkt, hat man am Schluss auch weniger Investitionskapital, Punkt. Mit freundlichen Grüßen
    1. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      Am Schluss wäre die Bilanz wohl besser, wenn weniger Leute kämen, weniger Steuereinnahmen generiert würden, weniger Ressourcen bereitgestellt werden müssten, und das verbleibende Geld nicht für Minderheitsinteressen verwendet würden.
  • Kommentar von Marcel Meier  (Cello)
    Wir schaffen es nicht einmal den Fluss Spöl unseres Nationalparks, 2016 mit BDP versaut, zu reinigen. Seit fünf! Jahren. Es ist nicht der Bündner Park, sondern der Schweizer Nationalpark. Warum muss der Kanton Graubünden dies alleine stemmen?