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Um die Biodiversität steht es schlecht
Aus Echo der Zeit vom 15.09.2020.
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UNO-Bericht Armutszeugnis im Fach Biodiversität: Nachsitzen ist keine Lösung

Wäre der Bericht zur globalen Lage der biologischen Vielfalt ein Schulzeugnis, müsste die Menschheit ihre Klasse gleich mehrfach wiederholen. So schlecht steht es um die Artenvielfalt, um die Gesundheit der Ökosysteme, um die lebende Natur: «Die Biodiversität nimmt in beispiellosem Mass ab, und der dafür verantwortliche Druck wird stärker», heisst es im Bericht der Uno, kurz GBO5 genannt. Etwa Note 2.

Doch Sitzenbleiben ist keine Lösung. Im Gegenteil. Der Bericht zeigt auf, dass unerhörte Mengen an Fleiss, Spucke und Arbeit notwendig sind, um das Ruder herumzureissen: Soll es der biologischen Vielfalt im Jahr 2050 nur etwa gleich gut gehen wie heute – und heute ist ihr Zustand schon schwer angeschlagen – müssen wir in fünf sehr schweren Fächern von Note 2 auf vielleicht 5 kommen.

Das ist umweltfreundliche Landwirtschaft

Ein Fach heisst umweltfreundliche Landwirtschaft. Ein anderes, Reduktion des Konsums und der Abfälle. Ein drittes: Einhaltung der Ziele des Pariser Klima-Abkommens und so fort. Umweltfreundliche Landwirtschaft heisst unter anderem: Mehr Lebensmittel für eine steigende Zahl von Menschen produzieren und dabei weniger Dünger einsetzen, weniger Pestizide, weniger Wälder abholzen, weniger Monokulturen.

Jedes einzelne dieser Fächer treibt den willigen Schülern den Angstschweiss auf die Stirn, wenn sie ehrlich sind. Alle Fächer zusammen meistern – darüber will man gar nicht nachdenken.

Es gibt auch Hoffnung

Doch nicht alles ist schlecht, die Menschheit hat Fortschritte gemacht, steht im Zeugnis GBO5. Zum Beispiel wären in den letzten zehn Jahren zwei bis viermal mehr Säugetiere und Vögel ausgestorben, wenn nicht viele Länder deutlich mehr Schutzgebiete eingerichtet hätten.

Daraus schöpfen die Autoren des Berichts Hoffnung und machen uns Schülern Mut: Wo wir uns bereits angestrengt haben, passiert auch etwas. Zum Beispiel erholen sich Fischbestände, wenn Fangquoten gesetzt und eingehalten werden. Doch etwa ein Drittel aller genutzten Fischbestände im Meer wird übernutzt. Und diese Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen, nicht gesunken.

Dieses Muster zieht sich durch den Bericht: ist irgendwo ein Schritt nach vorne zu verzeichnen, geht es gleichzeitig zwei zurück. Das ist auch in anderen Bereichen der menschlichen Entwicklung so. Das Problem ist, dass die biologische Vielfalt dabei dauerhaften Schaden nehmen kann. Tiere und Pflanzen sterben aus. Ökosysteme werden unwiederbringlich geschädigt.

Es braucht alle

Darunter leidet nicht zuletzt der Mensch: Wenn der Schutzwald über dem Dorf krank wird, wenn das geschädigte Feuchtgebiet das Trinkwasser nicht mehr reinigt, wenn das überhitzte, übersauerte Meer zu wenig Fisch hergibt.

Ist das Zeugnis schlecht, muss man die Ärmel hochkrempeln und lernen. In der Schule bringt das die einzelnen Schülerinnen und Schüler weiter, sodass sie ihr Leben selbst gestalten können. Im Fall der biologischen Vielfalt bringt der Fleiss einzelner nur sehr begrenzten Fortschritt. Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht es alle.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biologie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF 4 News, 15.9.2020, 15:30 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Der grösste Insektenkiller ist der Flächenfrass. Die Ausbreitung von Siedlungen, Industrie und Verkehrsflächen ist ein entscheidender Grund für die Zerstörung von Lebensräumen. Der WWF nennt als Hauptursache das «Bevölkerungswachstum». So verschwinden jährlich fast zwei Millionen Bienen und mit ihnen viele andere Insektenarten. Das Bevölkerungswachstum, getrieben von der unbeschränkten Zuwanderung, ist verantwortlich für das grosse Sterben der Insekten und damit auch der Vögel.
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  • Kommentar von Eckhart Wildi  (Seagul)
    Es gibt den Begriff der „Ökosystemleistung“ und so qualvoll es erscheint den Wert der Natur nach ökonomischen Gesichtspunkten zu kalkulieren, notwendig wird es sein. Zunehmend in Zeiten, in denen die Menschen vom Erholungswert der Natur abhängig sind.
    Gesunde und vielfältige Natur gegen Lärm, Gestank, dreckiges Wasser, verseuchte Erde, staubige Luft. Das wird berechnet werden müssen und dann wird ein bescheuerter SUV oder eine lärmende Harley weniger Wert haben als ein kühlender Baum.
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  • Kommentar von Simone Schmidt  (Jaymina)
    Ich kaufe lokal und möglichst unverpackt ein wie im Unverpackt und auf dem Markt. Wenn ich unbedingt neue Kleidung kaufen muss (ich hasse Shopping), schaue ich, dass es aus recycelten Materialien besteht (Tchibo und Nikin bieten fantastische Sachen an). Share your Schrank ist auch eine tolle Aktion.
    Nach und nach rüste ich auf extrem langlebige Gegenstände um, welche man definitiv recyceln kann.
    Es lohnt sich, wenn man in kleinen Schritten anfängt... Hauptsache, man fängt an
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