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Biologisch und synthetisch So gefährlich sind die beliebtesten Pestizide der Schweiz

Mit welchen Mitteln behandeln die Schweizer Bauern ihre Pflanzen? Und wie gefährlich sind sie? Die Antworten.

Gleich zwei Volksinitiativen richten aktuell die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Landwirtschaft und ihren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Die Pestizidinitiative wie auch die Trinkwasserinitiative wollen synthetische Mittel entweder ganz verbieten oder deren Gebrauch massiv einschränken.

Ein wichtiges Argument beider Initiativkomitees ist der Schutz der Schweizer Gewässer. Ein anderes, dass gewisse Pflanzenschutzmittel auch gefährlich für den Menschen sein können. Doch was sind das genau für Mittel, mit denen Schweizer Bauern ihre Pflanzen behandeln? Und wie gefährlich sind sie? Hier eine Zusammenstellung der fünf meistverkauften.

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Aus dem Archiv: Wenns teuer wird, nimmt der Pestizidverbrauch ab
Aus ECO vom 02.09.2019.
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  1. Schwefel
    In der Schweiz ist Schwefel das mit Abstand gebräuchlichste Pflanzenschutzmittel. Im Jahr 2017 wurden knapp 380 Tonnen davon verkauft. Schwefel schützt vor Pilzbefall und kommt etwa gegen Mehltau im Weinbau und bei Früchten und Beeren zum Einsatz. Verwendet wird es sowohl in der biologischen als auch in der konventionellen Landwirtschaft. Schwefel gilt grundsätzlich als ungefährliches Pflanzenschutzmittel, es gibt jedoch eine Studie aus den USA, die Schwefelgebrauch in der Landwirtschaft mit verminderter Lungenfunktion bei Kindern in Verbindung bringt.
  2. Paraffinöl
    Auch Paraffinöl kommt in der konventionellen und biologischen Landwirtschaft vor. Hergestellt wird es aus Erdöl. Beim Spritzen des Mittels werden Schädlinge mit einer dünnen Ölschicht überzogen, was sie ersticken lässt. Für den Menschen ist es ungefährlich.
  3. Glyphosat
    An dritter Stelle kommt das erste richtig umstrittene Pflanzenschutzmittel – der chemische Unkrautvernichter Glyphosat. Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz rund 186 Tonnen davon verkauft. Die Zahlen sind rückläufig. Verschiedene Studien kommen zum Schluss, dass Glyphosat karzinogen ist – die Weltgesundheitsorganisation stuft es als «wahrscheinlich krebserregend» ein.

    Ein wissenschaftlicher Konsens darüber herrscht jedoch nicht, laut der Europäischen Lebensmittelbehörde (Efsa) ist der Wirkstoff nicht krebserregend. An diesem Entscheid gibt es jedoch Kritik, weil die Efsa für ihren Entscheid auch Studien beigezogen hatte, die von Herstellern des Unkrautvernichters finanziert wurden.

    «Für die Gewässer ist Glyphosat im Vergleich mit anderen Mitteln relativ harmlos», meint Marion Junghans, die beim Schweizerischen Oekotoxzentrum forscht. Sie untersucht, wie schädlich die einzelnen Pestizide für Tiere und Pflanzen im Wasser sind.

  4. Folpet
    Das chemische Fungizid Folpet kommt vorwiegend im Weinbau zum Einsatz. Etwas über 100 Tonnen wurden 2017 in der Schweiz verkauft. «Bei Folpet wie auch bei Glyphosat schützt der gesetzliche Grenzwert die Pflanzen und Tiere in Schweizer Gewässer genügend», sagt Junghans. Der allgemeine Grenzwert für Pestizidrückstände in Schweizer Gewässern liegt bei 0.1 Mikrogramm pro Liter.
  5. Kupfer
    Auf Platz fünf folgt ein weiteres Mittel, das sowohl in der biologischen Landwirtschaft wie auch der konventionellen zum Einsatz kommt. Auch mit Kupfer bekämpfen die Landwirte diversen Pilzbefall bei Reben, Apfelbäumen oder Kartoffeln. Obschon ein biologisches Mittel, gibt es auch Kritik am Kupfer. Das Problem ist, dass sich das Metall im Boden kaum abbaut und so das Bodenleben beeinträchtigt. Wie stark er das tut, ist umstritten. Die Schweizer Gewässer seien durch die geltenden Grenzwerte auch vor den Kupferrückständen genügend geschützt, sagt Junghans.

Die wirklich gefährlichen Mittel

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Auf den nächsten Rängen folgen noch weitere umstrittene Mittel, wie etwa die Fungizide Mancozeb und Chlorothalonil. Letzteres hätte in der Schweiz bis im vergangenen Oktober verboten werden sollen, weil «Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung bestehen», wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen schreibt. Da die Hersteller jedoch Einsprache erhoben, verschiebt sich das Verbot weiter nach hinten. Bis das Mittel tatsächlich verboten wird, kann es noch Monate dauern.

Weit hinten auf der Liste, doch für die Gewässer um einiges gefährlicher als die Top 5, sind die Pyrethroide – eine Gruppe von Insektenbekämpfungsmitteln. «Sie sind hochtoxisch», sagt die Toxikologin Marion Junghans. In einer Studie des Wasserforschungsinstitut Eawag seien die tolerierbaren Grenzwerte bei den Pyrethroide zum Teil deutlich überschritten worden. Sie bedrohen da etwa verschiedene Krebsarten. Das Problem liege unter anderem daran, dass der gesetzliche allgemeine Grenzwert von 0.1 Mikrogramm pro Liter für diese Mittel viel zu hoch angesetzt sei. «Der Bund arbeitet dran», meint Junghans, «vor eineinhalb Jahren hatte er entsprechende neue Grenzwerte in die Vernehmlassung gegeben».

Sendebezug: SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03/17:30 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    wie gut informiert man offenbar bzg. der schädlichkeit einzelner pestizide ist. ich frag mich nur, wieso man die dann immer noch verwenden darf. und da es offenbar weniger schädliche bzw. unbedenkliche alternativen gibt, verstehe ich nicht, wieso man nicht auf diese ausweicht? weil das genmanipulierte saatgut extra so designed ist, dass man es mit dem entsprechenden pestizid der gleichen firma verwenden muss? alleine schon wegen dieser miesen manipulation würde ich gegen diese firma entscheiden.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Weitere Auslöser für Allergien sind Aussagen wie diese: "Für den Menschen ist es ungefährlich", "Das Verbot verschiebt sich wegen Einsprache der Hersteller", "Beigezogene Studien wurden von Herstellern des Unkrautvernichters finanziert", "Für die Gewässer ist Glyphosat im Vergleich mit anderen Mitteln relativ harmlos", "vor eineinhalb Jahren wurden entsprechende neue Grenzwerte in die Vernehmlassung gegeben". Die Liste könnte beliebig ergänzt werden und man steht dem allem machtlos vis-à-vis.
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  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Sie haben die 300t Pestizide vergessen die für die Gebäudedämmung benötigt werden! Durch das Dämmen entsteht ein Taupunkt der zu Pilzbefall führt. Man versucht dies mit Pestiziden in der Farbe zu verhindern, aber diese Pestizide sind in ca 5 Jahren durch den Regen ausgewaschen und gelangen ungefiltert in das Erdreich.
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