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Demonstrationen gegen Rassismus in der Schweiz
Aus Tagesschau vom 13.06.2020.
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«Black Lives Matter» Grosser Aufmarsch an Demonstrationen in der Schweiz

  • Vielerorts haben sich in der Schweiz Demonstrierende versammelt, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren.
  • In Zürich haben sich nach Polizeiangaben über 10'000 Personen zur «Black Lives Matter»-Kundgebung versammelt. Kurz nach 16 Uhr kam es am Rande der Demonstration zu Ausschreitungen durch Linksautonome.
  • Auch in Bern hatten sich am Nachmittag nach inoffiziellen Informationen tausende Demonstrierende auf dem Bundesplatz versammelt.
  • In Luzern, Basel, St. Gallen und Lausanne wurden ebenfalls grössere Anti-Rassismus-Demonstrationen durchgeführt – sie blieben friedlich.

Gegen 14 Uhr befanden sich auf dem Bundesplatz in Bern bereits mehrere hundert Demonstrierende. Eine halbe Stunde später war der Platz bereits voll. Die Polizei hielt sich auffallend zurück.

Demo in Bern.
Legende: In Bern haben sich tausende Demonstrierende auf dem Bundesplatz versammelt, die Organisatoren sprechen von mittlerweile 10'000. SRF/Elisa Häni

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer befolgten den Aufruf der Organisatoren und erschiene schwarz gekleidet zur Kundgebung auf dem Bundesplatz. Immer wieder wurde «Black Lives Matter» skandiert, also «Auch das Leben von Schwarzen zählt», in Anspielung auf den Tod von George Floyd in den USA durch Polizeigewalt.

Es gibt nicht nur in den USA Rassismus, es gibt ihn auch hier. Er ist wohl weniger öffentlich – aber es ist nicht so, dass es hier kein Problem ist.
Autor: Demo-Teilnehmerin in Bern

Laut SRF-Reportern vor Ort handelte es sich beim überwiegenden Teil der Demonstrierenden in Bern um junge Leute. Die Stimmung sei sehr friedlich gewesen, auch wenn die Sprechchöre und Reden durchaus angriffig gewesen seien. Die meisten Jugendlichen trugen Schutzmasken.

Demo in Zürich.
Legende: Auch in Zürich sind die meisten Demonstrierenden in Schwarz gekleidet zur Demonstration erschienen. SRF

In Zürich versammelten sich schätzungsweise 10'000 Personen auf dem Sechseläuten-Platz. Nach 14:30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung, über die Quaibrücke zur Bahnhofstrasse.

Die Polizei forderte die Anwesenden mehrmals freundlich auf, auf die «Veranstaltung zu verzichten», da diese gemäss der Covid-Verordnung des Bundesrates verboten sei. Kurz nach 14 Uhr lenkte die Polizei in Zürich dann ein und erklärte, die Demonstration würde toleriert, sofern sie friedlich bleibe.

Kurz nach 16 Uhr meldete die Polizei, dass Polizistinnen und Polizisten mit Gegenständen beworfen worden seien. Die Angriffe wurden laut der Polizei von Linksautonomen verübt. Diese waren zunächst bei der Demonstration mitmarschiert und hatten nach deren Ende eine zweite Demonstration zu starten versucht. Es kam zu Verhaftungen.

Demo in Zürich.
Legende: Die Demonstrierenden bewegen sich über die Bahnhofstrasse in Richtung Hauptbahnhof. SRF/Matthias Rusch

Es ist in der Schweiz bereits die zweite Woche in Folge mit Kundgebungen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Gemäss den Vorgaben des Bundes wegen der Coronavirus-Pandemie sind nur Kundgebungen mit bis zu 300 Personen erlaubt.

In Luzern mussten sich Demonstrantinnen und Demonstranten deswegen mit persönlichen Daten und der Handynummer registrieren, für eine allfällige Nachverfolgung bei einer Coronavirus-Ansteckung. Laut SRF-Reporter Reto Holzgang versammelten sich auf dem Bahnhofplatz bedeutend mehr Demo-Teilnehmer.

Demo in Luzern.
Legende: In Luzern mussten sich die Demonstrationsteilnehmer registrieren. Nach 14:30 Uhr setzte sich die Demo dann in Bewegung. SRF/Reto Holzgang

Viele liessen sich laut Reto Holzgang jedoch nicht registrieren, blieben ausserhalb der Absperrung und marschierten dann beim Abmarsch durch die Luzerner Neustadt einfach mit. Insgesamt nahmen geschätzt 500 bis 600 Leute teil, darunter wie in den anderen Städten auch viele junge Personen und viele Schwarze – aber auch Familien wurden gesichtet.

Je 1000 Demonstrierende auch in Lausanne und St. Gallen

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In Lausanne haben am späten Nachmittag rund 1000 Menschen gegen Rassismus demonstriert. Dazu aufgerufen hatte ein Kollektiv von Vereinigungen von Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Sie versammelten sich auf der Place de la Riponne, wo die Teilnehmenden der bewilligten Kundgebung die Hände desinfizieren und Masken entgegennehmen konnten.

Über 1000 Menschen haben auch in St. Gallen gegen Gewalt und Rassismus gegenüber Schwarzen demonstriert. Parallel dazu machten rund 300 Frauen lautstark Druck für ihre Anliegen. Beide Kundgebungen verliefen friedlich.

Die Stimmung sei friedlich und gesittet gewesen, auch in Luzern hielt sich die Polizei zurück.

Rassismus-Expertin: Die Entwicklung war absehbar

Christina Spälti von der Universität Freiburg sagte im Interview mit SRF News, die steigende Teilnehmerzahl in der Schweiz habe sie nicht überrascht. «Die Schweiz ist in den letzten Jahren viel diverser geworden. Viele Leute sind hier aufgewachsen und haben das Gefühl, dass sie eigentlich dazugehören müssten. Es zeigt sich dann jedoch oft, dass sie doch nicht dazugehören.»

Wahrscheinlich sei nun einfach der richtige Zeitpunkt, so Spälti weiter. Auch in den USA hätte die Bewegung mittlerweile auch kleinere Städte erfasst, das sei ähnlich wie in der Schweiz. Teilweise sei dies nun sicher ein Hype, doch es sei auch zu hoffen, dass es der Beginn einer Debatte in der Schweiz sei – eine wirkliche Debatte habe es hier bisher nicht gegeben.

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Christina Späti: «Der Aufmarsch war eine absehbare Entwicklung»
Aus Tagesschau vom 13.06.2020.
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Trotz Corona-Beschränkungen sind in vielen europäischen Städten in den vergangenen Tagen tausende Menschen auf die Strasse gegangen. Auslöser ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in den USA.

SRF4 News, 13.06.2020, 15:00 Uhr;

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172 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Foletti  (Walter Foletti)
    Sie demonstrieren gegen Rassismus hier in der CH. Das sie dies verbotenerweise tun ist denen anscheinend „scheissegal“ !
    Damit schüren sie noch mehr Hass und gehen das Risiko ein, sich selbst und noch schlimmer, andere mit dem Coronavirus anzustecken.
    Was die Schweizer Polizei täglich gutes für unser Land tut, wird von diversen Kreisen bewusst ausgeblendet, brauchen sie aber Hilfe, sind dieselben die ersten die nach der Polizei rufen!
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  • Kommentar von Michael Geissbühler  (Socrates)
    Die Demonstranten haben natürlich bereits alle demokratischen Möglichkeiten ausgeschöpft und greifen jetzt zum letzten verbleibenden Mittel „Demo“. Zur Erinnerung: In unser direkten Demokratie kann man wählen, mit gewählten Parlamentariern sprechen, ein Referendum anregen und unterstützen, sich für eine Initiative stark machen ... aber eine (möglichst unbewilligte) Demo und speziell jetzt, während einer Pandemiephase, ist natürlich ungleich cooler!
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Seit Tagen dreht sich alles um diesen tragischen Vorfall, u.nur um Schwarze, um Vergangenheit u.Sklaverei, die angeblich nachwirke. Die Geschichte der Sklaverei begann in den ersten Hochkulturen des Altertums. Nordafrika, Orient, im antiken GR und Röm.Reich über Mittelalter u.Neuzeit in islam.Ländern, Europa, Nord-+Südamerika, Asien... bis heute. Laut Humanrights sollen laut akt.Schätzungen zurzeit 40Mio in Sklaverei u.Zwangsarbeit leben. Fern weltweiter Wahrnehmung u.Demos u.nicht nur Schwarze.
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