Zum Inhalt springen

Header

Video
Corona-Krise: Tempo bei Booster-Impfungen gefordert
Aus Tagesschau vom 12.11.2021.
abspielen
Inhalt

Booster für alle, 2G, Lockdown Wie das Coronavirus jetzt eingedämmt werden kann

2216, 2986, 4150, 3886, 3922: Die täglichen Fallzahlen in der Schweiz steigen in den vergangenen Tagen stark an. Die Situation ist ungemütlich: Die Impfbereitschaft in der Schweiz lässt zu wünschen übrig, der Impfschutz hält weniger lang als erhofft und auch Geimpfte können das Virus weitergeben.

Wie geht es jetzt weiter? Kommt die Schweiz mit den geltenden Massnahmen durch den Corona-Winter oder braucht es mehr? In verschiedenen Ländern wird die Schraube bereits wieder angezogen.

Diese 10 Verschärfungen werden derzeit in Politik und Öffentlichkeit diskutiert:

Booster-Impfung für alle: Personen ab 65 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten vollständig geimpft sind, können sich in der Schweiz seit wenigen Tagen zum dritten Mal impfen lassen. Daten der wissenschaftlichen Taskforce zeigen, dass der Impfschutz vor allem bei Älteren nachlässt.

In Israel steht die Auffrischimpfung seit Ende August der gesamten Bevölkerung offen. Auch in Deutschland oder Österreich werden mittlerweile alle Impfwilligen geboostert. Ab 1. Dezember dürfen sich in Frankreich alle über 50-Jährigen boostern, in Italien alle über 40. Klar ist: die Boosterimpfung vermindert Spitaleintritte und Todesfälle um ein Vielfaches.

Ausweitung der Maskenpflicht für alle: Maskenpflicht im Büro, Maskenpflicht an allen öffentlichen Veranstaltungen, Maskenpflicht, wie wir sie im Frühjahr kannten: Das wird momentan wieder diskutiert – trotz Zertifikat. Weil die Impfwirkung nachweislich nachlässt, kam es in den vergangenen Wochen vermehrt zu Impfdurchbrüchen. Mit der Ausweitung der Maskenpflicht wären also alle besser geschützt: Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte.

Das Robert Koch-Institut hat seine Empfehlungen aufgrund der hohen Fallzahlen bereits angepasst. So sollen in Deutschland auch Geimpfte und Genesene Masken tragen und Abstand halten. Räume, in denen mehrere Menschen sind, sollten regelmässig gelüftet werden – Impfstatus der Menschen hin oder her.

Absage von Grossveranstaltungen: Dass sich das Virus bei Grossveranstaltungen am leichtesten verbreitet, liegt auf der Hand. Vor allem, weil mit Zertifikat keine Maskenpflicht mehr gilt und es Impfdurchbrüche gibt.

In Deutschland rät das Robert Koch-Institut deshalb, grössere Veranstaltungen abzusagen. «Sofern Grossveranstaltungen nicht gemieden werden können, sollte man unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus vorher einen Test machen und die Corona-Warn-App nutzen.»

Kostenlose Tests für alle: SVP und Grüne fordern wieder Gratistests für alle. Auch die Wirtschaftskommission des Nationalrats sprach sich knapp dafür aus. Laut den Befürwortern sind Gratistests ein gutes Mittel, um die Pandemie einzudämmen.

Das letzte Wort hat der National- und Ständerat. Voraussichtlich wird in der Wintersession entschieden, ob die Tests wieder kostenlos werden sollen. Das BAG bekräftigte diese Woche, dass es aus seiner Sicht nicht Aufgabe der Allgemeinheit sei, für die Testkosten jener aufzukommen, die sich nicht impfen lassen wollten. In Deutschland haben ab Samstag wieder alle Bürger Zugang zu kostenlosen Tests.

3G-Regel am Arbeitsplatz: Nur wer geimpft, genesen oder getestet ist, darf an den Arbeitsplatz. Diese Regelung kennen bereits unsere Nachbarländer Italien und Österreich.

Die deutliche Verschärfung der Regeln für Ungeimpfte hat in Österreich die Zahl der Corona-Impfungen spürbar nach oben klettern lassen. In den ersten zehn Tagen nach Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz am 1. November wurden insgesamt mehr als 420'000 Stiche verzeichnet. In den zehn Tagen davor waren es rund 157'000.

2G-Regel: Bei der 2G-Regel erhalten nur noch Geimpfte und Genesene ein Zertifikat. Den Ungeimpften wird der Zugang zum gesellschaftlichen Leben verwehrt. In Österreich wurde die 2G-Regel vor wenigen Tagen eingeführt, in Deutschland kennen einige Bundesländer diese verschärfte Regelung. Das grenzüberschreitende Skigebiet Samnaun/Ischgl hat als erstes Skigebiet in der Schweiz bereits entschieden, die 2G-Zertifikatspflicht einzuführen.

In der Schweiz nannte die wissenschaftliche Taskforce schon vor Wochen 2G eine Option, falls die Fallzahlen steigen. Doch die Regelung könnte hierzulande nicht einfach flächendeckend einführt werden, dazu bräuchte es eine Gesetzesänderung. In Bundesbern scheint 2G zurzeit nicht salonfähig zu sein. Am Donnerstag sagte Gesundheitsminister Alain Berset bei «20 Minuten»: «Ich glaube nicht, dass wir 2G nötig haben.» Heute mahnt der Weltärzteverband-Präsident: Die Schweiz muss über die 2G-Regel diskutieren.

2G-plus-Regel: Bei 2G plus wird für Geimpfte und Genesene zusätzlich eine Testpflicht eingeführt. Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen ist also nur für Geimpfte und Genesene mit Test möglich. Ungeimpfte haben keinen Zutritt mehr. Die 2G-plus-Regel soll eine zusätzliche Sicherheit bieten.

Bisher hat sich 2G plus noch nicht durchgesetzt. Aber gerade in Altersheimen könnte das Modell Schule machen. Es brauche dringend eine Testpflicht für Personal und Besucher in Pflegeheimen, sagte heute der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. «Wenn wir die Pandemie brechen wollen, müssen wir entschlossener handeln.» Dazu gehöre das Testen, auch für Geimpfte und Genesene, die auch ein Teil der Infektionsentwicklung seien, so Spahn. 

Kontaktbeschränkungen: Private Treffen mit stark eingeschränkter Personenzahl, Fussballspiele vor (halb)leeren Rängen: Alles Massnahmen, die wir alle eigentlich hofften, hinter uns zu haben. Doch nun werden sie wieder diskutiert.

In den Niederlanden hat die Regierung einen mindestens dreiwöchigen Teil-Shutdown verhängt. Es ist das erste westeuropäische Land seit dem Sommer, das diesen Schritt macht. Ab Samstag müssen Restaurants und Supermärkte um 20 Uhr schliessen, andere Geschäfte bereits um 18 Uhr. Die 1.5-Meter-Abstandsregel wird wieder eingeführt. Sportveranstaltungen müssen ohne Publikum stattfinden. «Wir müssen jetzt die Infektionstätigkeit durch Kontaktmassnahmen wahrscheinlich wieder kontrollieren – nicht wahrscheinlich, sondern sicher», sagte zuletzt auch der deutsche Virologe Christian Drosten. Er schränkte allerdings ein, dass es juristisch schwer sein könnte, aufgrund der Impfung breite allgemeine Kontaktmassnahmen durchzusetzen.

Lockdown für Ungeimpfte: Österreich steht kurz davor, einen Lockdown für Ungeimpfte einzuführen. Die entsprechenden Entscheidungen würden am Sonntag gefällt, kündigte Kanzler Alexander Schallenberg an.

Ungeimpften wäre bei einem Lockdown das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch in Ausnahmefällen gestattet. Es werde «Ausgangsbeschränkungen» für Ungeimpfte geben, heisst es. Erlaubt wäre noch die Grundversorgung (wie Einkäufe) oder der Weg zur Arbeit. Die Details müssen noch ausgearbeitet werden. Ein Lockdown für Ungeimpfte in Österreich soll aber offenbar weiter als die bestehende 2G-Regelung gehen. Der Lockdown soll laut Schallenberg mit Stichproben kontrolliert werden.

Rumänien ist momentan das einzige EU-Land mit einem Lockdown nur für Ungeimpfte. Der gilt allerdings nur in der Nacht. 

Shut- oder Lockdown für alle: Ultima ratio wäre ein neuerlicher Shut- oder gar Lockdown für die Gesamtbevölkerung. Schweizer Politiker aus allen Parteien wollen momentan einen solchen Shutdown – auch für Geimpfte – um jeden Preis verhindern. Für eine Gruppe von renommierten Corona-Wissenschaftlern aus Deutschland ist ein Lockdown in diesem Winter jedoch kein Tabu mehr.

Für den Fall, dass alle Massnahmen ausgeschöpft sind, regt die Gruppe in ihrem Strategie-Papier einen kurzen Lockdown an, den sie «Notschutzschalter» nennt. Dieser könne beispielsweise zwei Wochen dauern und müsse langfristig vorbereitet werden, um die Folgen abzufedern. Ein solcher Lockdown könne aus ​​Homeoffice und einer Testpflicht am Arbeitsplatz, kleineren Kindergartengruppen und Schulklassen, der Schliessung von Restaurants und Geschäften sowie Kontaktbeschränkungen bestehen.

Tagesschau am Mittag, 12.11.2021, 12.45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

332 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Tag liebe Community. Wir schliessen diese Kommentarspalte nun und danken Ihnen für die zahlreichen Kommentare. Wenn Sie möchten, können Sie im Folgeartikel weiterdiskutieren, dieser ist untenstehend verlinkt. Liebe Grüsse, SRF News

    www.srf.ch/news/schweiz/ausweitung-corona-massnahmen-srf-community-fordert-booster-impfung-anstatt-weitere-shutdowns
  • Kommentar von Nicolas Sandmeier  (Nicusa)
    Wir CH impfen uns, wir CH tragen Masken, wir CH waschen uns die Hände usw. aber schon mal überlegt dass das Virus vieleicht über die Grenze getragen wird wo keine solchen strengen Regeln gelten? Und ich spreche hier nicht von den direkten Nachbarländer! Wiso nicht in betracht ziehen die Grenzen für den Tourismus zu schliessen?
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Impfpflicht? Natürlich geht das nur über die demokratisch rechtlichen Wege, weiß ich trotz Fensterplatz in der Staatskunde. Ich wage die Vermutung, dass eine entsprechende Volksabstimmung auch bald mal gewonnen werden könnte. Sanktionen? Durch die Impfpflicht bekommen die KK die Möglichkeit, finanzielle Leistungen bei fahrlässiger Pflichtverletzung zu kürzen. (Siehe Gurtenpflicht). Eine sachliche Diskussion ist nicht unmöglich.
    1. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Herr Gerber

      Gut möglich, dass eine Impfpflicht auf demokratischem Wege erreichbar wäre.

      Ich gehe davon aus, dass sich einige gegen ihre Überzeugung impfen liessen, andere aber den Impfdruck als zu gross empfinden und entsprechende Reaktionen zeigten. Soziale Unruhen liessen sich nicht ausschliessen.

      Ob es überhaupt zu Unruhen kommt und wie gross deren Ausmass wäre, müssten aber gegen den möglichen Nutzen der erhöhten Impfbereitschaft aufgewogen werden.

      Wie sehen Sie das?
    2. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      @Kronig, nach meinem demokratischen Verständnis muss sich die in einer Volksabstimmung unterlegene Seite dem Votum fügen. Soziale Unruhen? Die müssten in dem Fall von der Staatsgewalt unterbunden werden. Wir werden auch bei den anstehenden Maßnahmen gegen den Klimanotstand weitere Prüfungen durchstehen müssen. Die unruhigen Zeiten sind schon da.
    3. Antwort von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
      Jeder, der die Wehrpflicht befürwortet, muss konsequenterweise auch für eine Impfpflicht sein. Die Wehrpflicht zwingt alle Schweizer Männer dazu, sich auf den theoretischen Angriff eines theoretischen Feindes vorzubereiten. Und beim Angriff eines tatsächlichen Feindes, der 11 00 Menschen in der Schweiz getötet hat, soll dann alles freiwillig sein? Kampf gegen den eingebildeten Feind obligatorisch, aber im Ernstfall soll bitte alles freiwillig sein, Tote und Long Covid hin oder her? Absurdistan.
    4. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Herr Gerber, unsere Verständnisse von Demokratie decken sich.

      Ich kann das aktuelle Potenzial solcher Unruhen nicht abschätzen. Dieses zeigt sich erst im Wahlkampf. Ich stelle mir jedoch den Weg bis zur Einführung einer Impfpflicht lange vor, die Immunisierung der heute noch Immunnaiven könnte bis dahin über Infektion erfolgt sein.

      Wäre das der Fall, hätte man betr. der aktuellen Pandemie nichts gewonnen, nur für die nächste. Ich bevorzuge daher den entspannten Diskurs nach der Pandemie.
    5. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ich bezweifle dass es mehrheitsfähig wäre. Trotzdem ich z.B. überzeugter Impfbefürworter bin, würde ich nein stimmen.