Für viele Angehörige der Opfer von Crans-Montana sind diese Tage der Ungewissheit oder der Trauer eine ungeheure Belastung. Deshalb stehen Care Teams bereit, um die Familien der Betroffenen zu unterstützen – oder auch jene, die das tödliche Feuer überlebt haben.
Irmela Moser ist die Leiterin des Care Teams des Kantons Bern und Ansprechperson für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr Team arbeitet derzeit unter Extrembedingungen: «Das ist eine heftige Situation, die uns auch sehr stark emotional persönlich betrifft.» Acht Personen aus Mosers Team waren am Freitag in Crans-Montana und haben Angehörige psychologisch betreut.
Moser: «Empathie ist das Wichtigste»
An einem zentralen Ort im Dorf konnten sich Betroffene melden. Es waren Familien, die ihre Kinder vermissen. Es waren aber auch Betroffene, die den Brand in der Bar selbst erlebt haben. Das Wichtigste beim Gespräch mit ihnen sei die Empathie, sagt Moser: «Dass die Betroffenen ihre persönliche Situation schildern konnten, erzählen konnten, was sie erlebt haben, was ihnen durch den Kopf geht. Gerade die Überlebenden haben sich auch Vorwürfe gemacht. Im Sinne von: ‹Habe ich genug geholfen, hätte ich noch mehr retten können›.»
Es ist besser, die Situation zu erleben, als sie zuzudecken, weil die Emotionen dann später wiederkommen. Wenn dann vielleicht kein grosses Netz mehr da ist, das auffangen kann.
Wichtig sei auch immer wieder, den Zusammenhalt in den Familien zu stärken, so Moser, und darauf hinzuweisen: «Ihr habt einander. Oder welches ist dein persönliches Netz, das dich jetzt tragen kann?»
Keine Medikamente
Viele Familien haben immer noch keine Gewissheit. Dies auszuhalten, sei besonders schwierig. Etwas helfen würden Erklärungen, sagt Moser: «Dass sie verstehen, was gemacht wird, wieso es eine DNA‑Probe braucht zum Beispiel. Oder wie die Abläufe sind, damit die Betroffenen merken: ‹Aha, das hat einen Grund›, und sie das besser einordnen können. Das hilft für die Akzeptanz in dieser schwierigen Situation, weil es ja unerträglich ist, nicht zu wissen, was mit seinen Angehörigen, mit seinem Kind passiert ist.»
Moser sagt, man habe darüber diskutiert, ob die Betroffenen auch Medikamente erhalten sollen. Die Verantwortlichen, die für die psychologische Nothilfe zuständig sind, hätten jedoch empfohlen, keine Medikamente abzugeben. «Es ist besser, die Situation zu erleben, als sie zuzudecken, weil die Emotionen dann später wiederkommen. Wenn dann vielleicht kein grosses Netz mehr da ist, das auffangen kann.»
Die Emotionen, die kommen, seien verschieden, alle hätten unterschiedliche Bedürfnisse, sagt die Leiterin des Care Teams des Kantons Bern. Deshalb sei auch die psychologische Betreuung eine grosse Herausforderung.