- Jessica Moretti, die zusammen mit ihrem Mann Jacques Moretti die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana führte, wurde zu einer zweiten Anhörung in Sitten geladen.
- Beim Eintreffen der Morettis kommt es zu einer Auseinandersetzung mit mehreren Angehörigen der Opfer der Brandkatastrophe.
- Einige von ihnen haben sich vor dem Campus Energypolis, wo die Anhörung stattfindet, versammelt und beschimpfen das Ehepaar.
Jessica Moretti, die für 9 Uhr vorgeladen war, trifft gegen 8.50 Uhr mit ihrem Ehemann ein. Neben einer Schar von Medienschaffenden wird die Vierzigjährige auch von Angehörigen der Opfer erwartet. In der Bar «Le Constellation» kamen in der Silvesternacht 41 Personen bei einem Brand ums Leben, Dutzende wurden schwer verletzt,
Als Jessica und Jacques Moretti das Haupttor des Campus Energypolis in Sitten betreten, werden sie heftig beschimpft. Beide werden mehrfach als «Mörder» bezeichnet. «Ihr habt meinen Sohn getötet. Ihr habt meinen Bruder getötet. Wo ist mein Sohn? Ihr seid Monster. Wie könnt ihr essen und schlafen?», ist in einer besonders angespannten Szene zu hören.
Jacques Moretti fühlt sich angegriffen und reagiert spontan: «Wenn wir zahlen müssen, werden wir zahlen. Wir sind keine Mafia, wir sind Arbeiter. Wir werden unsere Verantwortung übernehmen, wir werden uns der Sache annehmen, das versprechen wir Ihnen, wir sind hier, um Gerechtigkeit zu erlangen.»
Polizei verstärkt Sicherheitsvorkehrungen
Nach diesen Tumulten reagiert die Walliser Kantonspolizei umgehend. Sie werde «ihre Vorkehrungen ab Donnerstagabend anpassen», teilt sie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage mit. Bis jetzt war die Ankunft des Ehepaars und deren Anwälte jeweils von zwei Beamten begleitet worden, ohne dass es zu Ausschreitungen kam.
Jessica Moretti, die am 21. Januar bereits von den mit dem Fall betrauten Staatsanwältinnen befragt worden war, muss am Donnerstag zahlreiche Fragen der Zivilparteien beantworten. Am Vortag war ihr Ehemann in gleicher Weise befragt worden.
In einer anderen Atmosphäre
Die Stimmung war am Mittwoch jedoch ganz anders. Das Ehepaar Moretti unterhielt sich 20 Minuten lang, abgeschirmt von neugierigen Blicken, mit einer Mutter von zwei verletzten jungen Frauen, die bei der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in der Silvesternacht Verbrennungen erlitten hatten.
Die Anwesenheit von Angehörigen möge legitim sein, sie dürfe aber nicht von den rechtlichen Fragen ablenken, um diesen Fall vollständig aufzuklären, sagt Didier Elsig, einer der Anwälte der Zivilparteien. Wenn Familien das Bedürfnis hätten, zu sprechen, stehe es ihnen frei. Andere seien jedoch überhaupt nicht in dieser Stimmung.