Worum geht es? Jacques und Jessica Moretti sind am Freitag im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana für eine sogenannte Konfrontationsbefragung vor Gericht erschienen. Es ist das erste Mal, dass die Mitinhaber der Bar «Le Constellation» gemeinsam vom zuständigen Staatsanwältinnen-Team befragt werden. An der Anhörung nehmen zudem die Anwälte der verschiedenen Parteien teil, die ebenfalls Fragen an das Ehepaar richten können.
Die Situation vor Ort: Das Paar kam gegen 8 Uhr im gleichen Auto auf dem Energypolis-Campus in Sitten an. Absperrungen und Sichtschutzbanner der Walliser Kantonspolizei schirmten den Zugang zum Anhörungsraum ab. Vor Beginn der Sitzung waren mehr als ein Dutzend Polizistinnen und Polizisten rund um das Gebäude im Einsatz. Zudem verfolgten zahlreiche Medienschaffende mit Kameras das Geschehen. Mehrere Anwälte bedauerten die späte Durchführung einer solchen Anhörung und wiesen auf die Gefahr von Absprachen hin.
Wie läuft eine Konfrontationseinvernahme ab? Laut Staatsanwaltschaft können die Einvernahmen in unterschiedlichen Formen geführt werden. Die Ermittlerinnen können Jacques Moretti eine Frage stellen und dann dieselbe Frage an Jessica Moretti richten; sie können einem der beiden Angeklagten verschiedene Fragen zu einem bestimmten Thema stellen und dann den anderen Angeklagten zum selben Thema befragen – oder sie können sich für den Ping-Pong-Modus mit direkten Reaktionen entscheiden.
Wie kommt es dazu? Die Gegenüberstellung kommt überraschend. Zunächst hatten die Staatsanwältinnen nur Jacques Moretti vorgeladen. Der Franzose sollte am 7. April befragt werden, legte jedoch ein ärztliches Attest vor. Seine Anhörung wurde daraufhin verschoben, ohne dass ein neuer Termin festgelegt wurde. Erst in einem zweiten Schritt beschlossen die Staatsanwältinnen, auch Jessica Moretti vorzuladen und so eine Gegenüberstellung durchzuführen. Die verschiedenen Versionen ihrer Aussagen dürften der Grund für die Befragung sein. Viermal sind die beiden bisher jeweils einzeln befragt worden. Dabei haben sie sich in ihren Aussagen oft widersprochen.
Beschimpfungen bei früheren Anhörungen: Erstmals wurden Jessica und Jacques Moretti am 9. Januar als Beschuldigte einvernommen. Anschliessend wurde Jacques Moretti in Untersuchungshaft genommen und am 23. Januar gegen Kaution wieder freigelassen. Weitere Befragungen fanden am 11. und 12. Februar statt. Diese sorgten für erhebliche Spannungen: Angehörige von Opfern stellten das Ehepaar bei dessen Ankunft auf dem Campus zur Rede, umringten und bedrängten es. Nach diesem Vorfall kündigte die Kantonspolizei eine Verschärfung ihres Sicherheitsdispositivs an.
Beschuldigte Personen: Bislang sind in diesem Fall 14 Personen angeklagt: das Ehepaar Moretti, fünf amtierende oder ehemalige Gemeindevertreter sowie sieben derzeitige oder ehemalige Gemeindemitarbeiter. Sie alle werden wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung strafrechtlich verfolgt. Es gilt die Unschuldsvermutung.