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Brandkatastrophe Crans-Montana Opferanwälte fordern Staatsfonds für Crans-Montana-Betroffene

Wer soll aufkommen für die enormen Kosten in Crans-Montana? Opferanwälte fordern im «Club» den Bund zum Handeln auf.

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat 41 Tote und 115 Verletzte gefordert. Familien wurden zerstört. Den Schwerverletzten stehen schwierige Jahre mit Operationen und Rehabilitation bevor. Auch Angehörige werden Unterstützung brauchen, um wieder im Alltag Fuss fassen zu können. Die Gesamtkosten für Pflege, Entschädigung und Betreuung für Opferfamilien und Verletzte könnten laut Schätzungen von Experten schnell in die Hunderte von Millionen gehen. Wer kommt wann dafür auf?

Staatsfonds für schnelle Hilfe

Rechtsanwälte, die Verletzte und Opferfamilien vertreten, fordern nun die Schaffung eines Staatsfonds. Das würde schnelle finanzielle Hilfe für Angehörige und Verletzte zulassen, argumentieren sie.

Was ist ein Staatsfonds?

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Ein Staatsfonds ist ein Fonds, der öffentliche Gelder hält und diese langfristig verwaltet. Seine Kompetenzen und Ziele sind klar definiert, beispielsweise durch Regierung und Parlament vorab festgelegt.

Der Walliser Rechtsanwalt Sébastien Fanti, der mehrere Opferfamilien vertritt, fordert eine schnelle und unbürokratische Massnahme für die nicht gedeckten Kosten. «Der Bundesrat muss das nun mit anderen Ländern zusammen organisieren.»

«Es ist auch wichtig für die Ehre der Schweiz», so Fanti. Das Strafrecht könne nicht alles regeln, und bis die allfälligen Schuldigen gefunden seien, die für die Kosten aufkommen müssten, könnten noch Jahre vergehen: «Man muss so schnell wie möglich eine Lösung für die Familien finden, sie können nicht mehr zehn Jahre warten», sagt Fanti.

Solidaritätsmassnahme des Staates

Einen Staatsfonds fordert auch der Rechtsanwalt Vinicio Nardo aus Mailand. Er vertritt die Familie der verstorbenen Chiara Constanzo. Als Vorbild für die Schweiz sieht er das Handeln der italienischen Behörden. Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua 2018, der 43 Tote forderte: «Italien schaffte damals einen Staatsfonds, um alle Schadenskosten anzugehen. Eine ausserordentliche Solidaritätsmassnahme des Staates für ein ausserordentliches Ereignis.»

Zur Forderung nach einem Staatsfonds verweist der Bund auf eine Mitteilung vom Januar. Darin heisst es, der Bund sei zur Unterstützung der Opfer und deren Angehörigen bereit, dem Parlament nötigenfalls Finanzmittel zu beantragen. «Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) wird bis im Februar 2026 prüfen, wo beim bestehenden Hilfsangebot Lücken bestehen und in welcher Form der Bund Unterstützung leisten kann», heisst es in der Mitteilung des EJPD.

Diese Fonds gab es bereits in der Schweiz

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Attentat in Luxor: Am 17. November 1997 starben beim Attentat nahe Luxor in Ägypten 62 Menschen. Unter den Opfern befanden sich 36 Schweizer. Das Bundesamt für Justiz (BJ) hatte zwischen den beteiligten Parteien vermittelt und die Verhandlungen über eine einvernehmliche Schadenregelung geleitet. Insgesamt erhielten 78 durch das Luxor-Attentat geschädigte Personen Gelder aus dem von den Reiseveranstaltern und ihren Versicherungsgesellschaften geschaffenen Luxor-Fonds. Die Geschädigten erhielten 4.7 Millionen Franken.

Asbest-Opfer: Auf Initiative des Bundesrats wurde im März 2017 die Stiftung Entschädigungsfonds für Asbestopfer (EFA) gegründet. Auftrag der Stiftung ist es, Menschen, deren Asbestkrebs nicht als Berufskrankheit anerkannt ist, zu entschädigen. Firmen aus dem Bau- und Transportgewerbe sollten freiwillig in den Fonds einzahlen. Die Finanzierung dieser Stiftung erwies sich in den letzten Jahren als schwierig. 2024 entschied der Bundesrat, dass die Suva die EFA-Stiftung künftig finanziell unterstützen kann.

Der Bundesrat halte daran fest, dass Opfer und Angehörige auf Unterstützung des Bundes zählen könnten. Niemand solle durch das Netz der bestehenden Hilfsangebote fallen.

Angehörige finanziell entlasten

Versicherer und Opferhilfe haben derweil beschlossen, die Kosten der Opfer zu regeln. «Die Betroffenen sollen sich nicht um Papierkram kümmern müssen», sagt Saskia Schenker, Direktorin des Krankenkassenverbands Prioswiss, im «Club».

Hände halten weisse Rose.
Legende: Die öffentliche Anteilnahme und die Solidarität mit den Opfern und deren Familien sind gross – doch das bezahlt keine Rechnungen. Darum wird nun ein Staatsfonds gefordert. MICHAEL BUHOLZER/Pool via REUTERS

Nach dem Brand würden Kranken- und Unfallversicherer gemeinsam mit der Opferhilfe die Koordination aller ungedeckten Kosten übernehmen. Laut Schenker werden die Opferfamilien noch diese Woche entsprechend informiert. Ziel sei es, die Angehörigen administrativ und finanziell zu entlasten. «Rechnungen der Kranken- und Unfallversicherer, die diese nach Gesetz nicht decken dürfen, sollen gar nicht erst bei den Familien landen», so Schenker. 

Die Soforthilfe der Opferhilfe deckt unter anderem Unterbringungs-, Reise- und Transportkosten für Angehörige sowie deren psychologische Therapie. Zudem werden ungedeckte medizinische Kosten wie Franchisen und Selbstbehalte übernommen.

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Heute Abend im «Club»

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Mehr zum Thema erfahren Sie heute Abend um 22:25 Uhr in der Sendung «Club».

SRF4 News, 10.2.2026, 16:00 Uhr;brus

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