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Brandkatastrophe Crans-Montana Schweiz und Italien verstärken Zusammenarbeit bei Ermittlungen

  • Die Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaften Wallis und Italien bei den Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana soll «verstärkt» werden.
  • Das haben die Vertreter der Strafverfolgungsbehörden nach einem Treffen in Bern bekannt gegeben.
  • Die Zuständigkeit im laufenden Verfahren liegt bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis.

Das Treffen habe in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens stattgefunden. Die beiden Staatsanwaltschaften hätten gleich zu Beginn festgehalten, dass die Schweiz und Italien dasselbe Ziel verfolgten: Die Brandkatastrophe in Crans-Montana lückenlos aufzuklären, heisst es in einer Medienmitteilung des Bundesamts für Justiz (BJ).

Die «Verstärkung der Zusammenarbeit» bedeute, dass die ausländischen Ermittler ab sofort in regelmässigen Abständen bei den Rechtshilfehandlungen im jeweils anderen Staat anwesend sein dürfen. Das gelte bereits für die Auswertung des bisher erhobenen Beweismaterials nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS.

Die Zuständigkeit für sämtliche Entscheide in der Schweiz liege bei der verfahrensleitenden Behörde, der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis. Weil von der Brandkatastrophe in Crans-Montana vom 1. Januar 2026 auch italienische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger betroffen sind, habe die italienische Justiz gestützt auf das italienische Strafgesetzbuch ein eigenes Strafverfahren eröffnet, schreibt das BJ. Italien müsse die Brandkatastrophe nach italienischem Recht untersuchen.

«Technisches Treffen zwischen Straf­verfolgungs­behörden»

Die beiden Staatsanwaltschaften hätten gegenseitig in Aussicht gestellt, eine verstärkte Zusammenarbeit einzurichten. Das bedeutet, dass die italienischen Ermittler ab sofort in regelmässigen Abständen bei den Rechtshilfehandlungen in der Schweiz anwesend sein dürfen.

Die verstärkte Zusammenarbeit bedeute beispielsweise einen besseren Zugang zu Untersuchungsakten, sagte Ingrid Ryser, Medienchefin des Bundesamts für Justiz (BJ) nach dem Treffen. Ob es ein gemeinsames Ermittlungsteam geben wird, werde die Zukunft zeigen. Ob mit diesem Schritt die italienische Regierung zufrieden ist, bleibt offen. Ob der italienische Botschafter nach dessen Abzug nach Rom wieder zurück nach Bern beordert werde, «entscheidet Italien», antwortete Ryser auf eine entsprechende Frage.

Pilloud und Lo Voi stehen nebeneinander und schütteln sich die Hände.
Legende: Die Walliser Staatsanwältin Beatrice Pilloud (rechts) und der Chef der italienischen Staatsanwaltschaft Francesco Lo Voi (links) nach ihrem Treffen im Bundesamt für Justiz in Bern. Keystone / ALESSANDRO DELLA VALLE

Das Bundesamt für Justiz (BJ) hat als Zentralbehörde für die internationale Rechtshilfe das Treffen in Bern begleitet und in seinen Räumlichkeiten in Bern organisiert. Neben der Koordinierung der Strafverfahren zwischen den beiden Ländern wurde auch die Möglichkeit der Bildung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe erörtert. Beweismittel wurden an diesem Treffen nicht ausgetauscht.

Das BJ hatte vorab erklärt, es handle sich um ein «technisches Treffen zwischen Straf­verfolgungs­behörden». Darum waren auch keine Regierungsvertreter beteiligt. Ein Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Rom hatte die Staatsanwaltschaft Wallis bereits am 30. Januar 2026 positiv beantwortet. Die Schweiz hat Italien bei voller Gegenseitigkeit ihre Unterstützung im Rahmen der Rechtshilfe zugesichert.

Einschätzung von Ruth Wittwer, SRF-Inlandredaktorin

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«Für die italienische Delegation entspricht das Resultat des Treffens kaum dem, was sie wollte. Die Forderungen an die Schweiz sind in ein paar wohlkuratierten Sätzen untergegangen. Etwa hier: Die Parteien hätten sich in Aussicht gestellt, eine reziproke Kooperation einzurichten. Also eine verstärkte Zusammenarbeit? Vielleicht. Doch die genaue Definition der Kooperation müsse noch ausgearbeitet werden. Ob es zur verlangten Gründung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe komme, werde die Zukunft zeigen, steht also auch noch in den Sternen. Wie der Zeitpunkt eines weiteren Treffens. Viele Fragen bleiben offen. Italien reist mit einer reziproken Kooperation heim. Das dürfte den hartnäckigen Kritikern der Schweiz nicht genügen. Ob der italienische Botschafter bald in die Schweiz zurückkehrt, darf zumindest bezweifelt werden.»

SRF News, 17.02.2026, 16 Uhr ; 

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