Seit Wochen hagelt es für die Walliser Staatsanwaltschaft Kritik im Verfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana: Sie sei befangen, überlastet und inhaltlich überfordert. Nun hat sich Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud erstmals in einem Interview dazu geäussert.
«Journalisten warten vor meinem Haus»
«Seit 50 Tagen arbeite ich an diesem tragischen Fall», sagt Pilloud zu Beginn des Gesprächs mit der Tageszeitung «Walliser Bote». «Ich werde von bestimmten Medien permanent frontal attackiert. Das bekommt auch meine Familie zu spüren. Es gibt auch Journalisten, die vor unserem Haus warten. Das geht doch zu weit», so die Generalstaatsanwältin. Sie müsse ihre Familie schützen.
«Dieser Fall ist kein Spiel – es geht um viel.» Wichtig sei, dass ihr Team keine Entscheidung auf Druck der Medien treffe. «Das wäre verheerend», so Pilloud. Sie halte sich an die Regel: «Das Verfahren findet im Sitzungssaal statt, nicht in den Medien.»
Keine Aussagen zum Verfahren
Béatrice Pilloud und ihr Team stehen stark unter Druck. Mehrere Vorwürfe stehen im Raum, etwa dass die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen überfordert sei, dass beispielsweise Videomaterial nicht rechtzeitig gesichert worden sein soll, dass zunächst keine Hausdurchsuchungen gemacht oder Opfer nicht obduziert wurden.
Diese Vorwürfe kommen im Interview nicht zur Sprache. Der «Walliser Bote» weist im Artikel darauf hin, dass mehrere Passagen zum laufenden Verfahren von Pilloud nach dem Gespräch nicht für die Veröffentlichung autorisiert worden seien.
Zu nah an den politischen Behörden?
Ein weiterer Vorwurf, zu dem Pilloud aber Stellung nimmt: Die Generalstaatsanwältin stehe den Behörden, insbesondere dem Präsidenten der Gemeinde Crans-Montana, zu nahe. Die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete diese Woche, dass Béatrice Pilloud und Gemeindepräsident Nicolas Féraud Mitglied der Weinzunft «Ordre de la Channe» seien.
Sie habe nicht gewusst, dass Féraud in dieser Weinzunft sei, so Pilloud. Diese zähle mehrere hundert Mitglieder. «Ehrlich gesagt verstehe ich diese Aufregung nicht.» Eine Einladung der Organisation zu einem Mittagessen habe sie wieder abgesagt, sobald sie erfahren habe, dass auch Féraud anwesend sein könnte.