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Katastrophe in Crans-Montana Beatrice Pilloud steht unter Druck – ein Porträt

Katastrophen bringen es mit sich, dass plötzlich Personen im Zentrum stehen, die vorher kaum bekannt waren. Im Fall der Brandkatastrophe von Crans-Montana ist es die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud. Sie leitet die Untersuchungen.

Am Neujahrstag hing plötzlich die Weltöffentlichkeit an den Lippen von Beatrice Pilloud – ganz besonders jene Familien, die nicht wussten, ob ihre Liebsten noch am Leben waren. Man unternehme alles, um die Opfer zu identifizieren – aber es brauche Zeit, sagte sie.

Ähnliche Szene am Freitag, als die Walliser Generalstaatsanwältin bekannt gab, der Brand sei wohl auf funkensprühende Bengalkerzen zurückzuführen. Wieder sass Pilloud als einzige Frau vor den Medienschaffenden, links und rechts flankiert von Männern.

So nüchtern Pilloud über ihre Untersuchungen informiert, so sehr ist ihr anzumerken, wie nahe ihr die Brandkatastrophe geht. «Das ist für alle Walliser ein sehr dramatischer Fall.»

Personen sprechen bei einer Medienkonferenz im Freien.
Legende: Beatrice Pilloud spricht am Samstag in Crans-Montana vor den Medien. Keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Ein Fall, in dem sie als Generalstaatsanwältin unter grossem Druck steht. Druck, die Opfer rasch zu identifizieren, Druck, die Schuldigen zu benennen. Druck, die Öffentlichkeit zu informieren, ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

Menschlichkeit ist für Pilloud zentral

Der Brand in Crans-Montana ist die grösste Katastrophe in der zweijährigen Amtszeit von Pilloud als oberste Walliser Staatsanwältin. Doch es ist nicht das erste hochemotionale Unglück, das sie untersucht.

Schon kurz nach Pillouds Amtsantritt vor zwei Jahren ereignete sich das Bergsteigerdama an der Tête Blanche. Damals kamen sechs Menschen ums Leben – alle aus derselben Familie; ein Toter war ein Bekannter von Pilloud.

Dass sie auch über schwierige Momente spricht und Schwächen eingesteht, ist charakteristisch für die 50-Jährige. Menschlichkeit – sich selbst gegenüber, vor allem aber auch gegenüber Opfern und Tätern in der Strafverfolgung – das ist für Pilloud zentral. Es war ihr grosses Versprechen, als sie für den Posten als Generalstaatsanwältin kandidierte.

Erste Walliser Generalstaatsanwältin

Zuvor hatte sie jahrzehntelang in Sitten als Strafverteidigerin gearbeitet und mitbekommen, dass in der Walliser Staatsanwaltschaft vieles schiefgeht. Als erste Frau überhaupt wurde die ehemalige FDP-Stadtparlamentarierin an die Spitze der Walliser Staatsanwaltschaft gewählt.

Ich bin vielleicht etwas viereckig und stur.
Autor: Beatrice Pilloud Walliser Generalstaatsanwältin

In ihrer zweijährigen Amtszeit hat sie gezeigt, dass sie nicht nur einfühlsam ist, sondern sich auch durchsetzen kann. Sie hat aufgeräumt in der Walliser Staatsanwaltschaft. Sie hat – mit Erfolg – das Kantonsparlament überzeugt, der völlig überlasteten Behörde mehr Mittel zu gewähren. Und sie hat juristisch schwierige Entscheidungen getroffen. Zum Beispiel als sie, unter viel Kritik, eine Untersuchung wegen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche eingestellt hat. Der Fall sei verjährt.

Obwohl die Tochter von Oberwalliser Eltern in einem französischsprachigen Umfeld aufgewachsen ist, sagt Pilloud, sie sei in vielerlei Hinsicht mehr Deutschschweizerin als Romande. «Ich bin vielleicht etwas viereckig und stur, und das ist vielleicht ein bisschen mehr mein Oberwalliser Charakter.»

Akribischer als die Kollegen im Unterwallis – und auch etwas weniger kompromissfreudig.

Die nächste Zeit wird Beatrice Pilloud vor allem mit den Untersuchungen zur Brandkatastrophe beschäftigt sein. Dabei wird sie – unter den Augen der Weltöffentlichkeit – beide Seiten brauchen: ihre Hartnäckigkeit und ihr Einfühlungsvermögen.

Echo der Zeit, 3.1.2026, 18 Uhr

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