Am Neujahrstag hing plötzlich die Weltöffentlichkeit an den Lippen von Beatrice Pilloud – ganz besonders jene Familien, die nicht wussten, ob ihre Liebsten noch am Leben waren. Man unternehme alles, um die Opfer zu identifizieren – aber es brauche Zeit, sagte sie.
Ähnliche Szene am Freitag, als die Walliser Generalstaatsanwältin bekannt gab, der Brand sei wohl auf funkensprühende Bengalkerzen zurückzuführen. Wieder sass Pilloud als einzige Frau vor den Medienschaffenden, links und rechts flankiert von Männern.
So nüchtern Pilloud über ihre Untersuchungen informiert, so sehr ist ihr anzumerken, wie nahe ihr die Brandkatastrophe geht. «Das ist für alle Walliser ein sehr dramatischer Fall.»
Ein Fall, in dem sie als Generalstaatsanwältin unter grossem Druck steht. Druck, die Opfer rasch zu identifizieren, Druck, die Schuldigen zu benennen. Druck, die Öffentlichkeit zu informieren, ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen.
Menschlichkeit ist für Pilloud zentral
Der Brand in Crans-Montana ist die grösste Katastrophe in der zweijährigen Amtszeit von Pilloud als oberste Walliser Staatsanwältin. Doch es ist nicht das erste hochemotionale Unglück, das sie untersucht.
Schon kurz nach Pillouds Amtsantritt vor zwei Jahren ereignete sich das Bergsteigerdama an der Tête Blanche. Damals kamen sechs Menschen ums Leben – alle aus derselben Familie; ein Toter war ein Bekannter von Pilloud.
Dass sie auch über schwierige Momente spricht und Schwächen eingesteht, ist charakteristisch für die 50-Jährige. Menschlichkeit – sich selbst gegenüber, vor allem aber auch gegenüber Opfern und Tätern in der Strafverfolgung – das ist für Pilloud zentral. Es war ihr grosses Versprechen, als sie für den Posten als Generalstaatsanwältin kandidierte.
Erste Walliser Generalstaatsanwältin
Zuvor hatte sie jahrzehntelang in Sitten als Strafverteidigerin gearbeitet und mitbekommen, dass in der Walliser Staatsanwaltschaft vieles schiefgeht. Als erste Frau überhaupt wurde die ehemalige FDP-Stadtparlamentarierin an die Spitze der Walliser Staatsanwaltschaft gewählt.
Ich bin vielleicht etwas viereckig und stur.
In ihrer zweijährigen Amtszeit hat sie gezeigt, dass sie nicht nur einfühlsam ist, sondern sich auch durchsetzen kann. Sie hat aufgeräumt in der Walliser Staatsanwaltschaft. Sie hat – mit Erfolg – das Kantonsparlament überzeugt, der völlig überlasteten Behörde mehr Mittel zu gewähren. Und sie hat juristisch schwierige Entscheidungen getroffen. Zum Beispiel als sie, unter viel Kritik, eine Untersuchung wegen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche eingestellt hat. Der Fall sei verjährt.
Obwohl die Tochter von Oberwalliser Eltern in einem französischsprachigen Umfeld aufgewachsen ist, sagt Pilloud, sie sei in vielerlei Hinsicht mehr Deutschschweizerin als Romande. «Ich bin vielleicht etwas viereckig und stur, und das ist vielleicht ein bisschen mehr mein Oberwalliser Charakter.»
Akribischer als die Kollegen im Unterwallis – und auch etwas weniger kompromissfreudig.
Die nächste Zeit wird Beatrice Pilloud vor allem mit den Untersuchungen zur Brandkatastrophe beschäftigt sein. Dabei wird sie – unter den Augen der Weltöffentlichkeit – beide Seiten brauchen: ihre Hartnäckigkeit und ihr Einfühlungsvermögen.
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Bild 1 von 35. Ein Meer aus Kerzen – Crans-Montana am Abend des 4.1.2026. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Antonio Calanni.
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Bild 2 von 35. Feuerwehrleute und Hunderte Menschen trauern an der Gedenkstätte vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas .
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Bild 3 von 35. Trauermarsch in Crans-Montana am Sonntag. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 4 von 35. Gedenkmesse für die Opfer der Brandkatastrophe: Feuerwehrleute stehen während der Messe vor der Chapelle Saint-Christophe de Crans zu Ehren der Opfer. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner.
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Bild 5 von 35. Bischof Jean-Marie Lovey begrüsst Nicolas Feraud, Präsident von Crans-Montana, vor dem Start des Gedenkgottesdiensts. Bildquelle: Jean-Christophe Bott/Pool via REUTERS.
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Bild 6 von 35. Ein Kind kniet vor einer Gedenkstätte mit Blumen vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas.
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Bild 7 von 35. Bundesrat Beat Jans hat am Samstagnachmittag den Unglücksort besucht und Blumen niedergelegt. Bildquelle: AP Photo/Baz Ratner.
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Bild 8 von 35. Nach der Brandkatastrophe ist die Trauer in Crans-Montana gross. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner .
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Bild 9 von 35. Blumenmeer für die Opfer. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 10 von 35. Menschen zollen den Opfern Respekt. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 11 von 35. Kerzen für die Opfer. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 12 von 35. Zahlreiche Menschen legten in Crans-Montana Blumen nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 13 von 35. Die Trauer ist gross. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 14 von 35. Währenddessen gehen die Ermittlungsarbeiten weiter. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Baz Ratner.
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Bild 15 von 35. Der italienische Aussenminister Antonio Tajani (2. von links) hat Crans-Montana besucht. Links der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard. Bildquelle: Keystone/EPA/GIUSEPPE LAMI.
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Bild 16 von 35. Gemeinsam mit dem Walliser Staatsratspräsidenten legte der italienische Aussenminister unweit des Unglücksortes einen Blumenstrauss nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 17 von 35. Die Betroffenheit aus der Bevölkerung ist einen Tag nach der Katastrophe... Bildquelle: SRF.
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Bild 18 von 35. ... in der Gemeinde spürbar. Bildquelle: SRF.
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Bild 19 von 35. Die Bar «Le Constellation» – der Ort des Unglücks am Tag danach. Bildquelle: SRF.
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Bild 20 von 35. Das Medieninteresse auch aus dem Ausland ist nach wie vor gross. Bildquelle: SRF.
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Bild 21 von 35. Die Schweizer Flaggen am Bundeshaus wehen für fünf Tage auf Halbmast. Die Waadtländer Kantonsregierung folgte dem Beispiel. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
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Bild 22 von 35. Vor dem abgesperrten Gebiet um den Unglücksort versammelten sich am Donnerstagabend hunderte Trauernde. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 23 von 35. Die Menschen in Crans-Montana sind tief betroffen. Bildquelle: REUTERS/Stephanie Lecocq.
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Bild 24 von 35. Unter den Opfern befinden sich viele junge – teils minderjährige – Menschen. Bildquelle: Alessandro della Valle/Keystone via AP.
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Bild 25 von 35. Am Donnerstagabend fand eine Gedenkmesse in der katholischen Kirche in Crans-Montana statt. Bildquelle: EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE.
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Bild 26 von 35. Am Donnerstagnachmittag machte sich Bundespräsident Guy Parmelin vor Ort ein Bild der Lage. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
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Bild 27 von 35. Bestattungsfahrzeuge vor dem Unglücksort: Die Walliser Behörden gehen von rund 40 Todesopfern aus. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 28 von 35. Eine Vielzahl von Kriminaltechnikerinnen und -technikern war vor Ort, um die Ursache des Feuers zu ermitteln. Bildquelle: REUTERS/Denis Balibouse.
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Bild 29 von 35. Die Menschen in Crans-Montana stehen nach der Katastrophennacht unter Schock. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
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Bild 30 von 35. Die Rega setzte für die Versorgung und Verlegung von Brandopfern auch Ambulanzflugzeuge ein. Bildquelle: REUTERS/Pierre Albouy.
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Bild 31 von 35. Die Behörden sprachen an der ersten Medienkonferenz am Donnerstagvormittag noch von «Dutzenden Verstorbenen». Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 32 von 35. Chaotisch zurückgelassene Stühle, angelaufene Scheiben, ein Turnschuh: Blick in das Innere der ausgebrannten Bar «Le Constellation». Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
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Bild 33 von 35. Im Rettungseinsatz standen 13 Helikopter, 42 Ambulanzen und 150 Sanitäterinnen und Sanitäter. Bildquelle: X/Osint World.
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Bild 34 von 35. Was als Neujahrsfest über die Bühne gehen sollte, endete für viele in einem Drama. Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
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Bild 35 von 35. Die Bar «Le Constellation» steht in Flammen. Die Einsatzkräfte wurden um 01:30 Uhr alarmiert. Bildquelle: Screenshot/Social Media/X@Tyroneking36852.