Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Brandkatastrophe Crans-Montana Verdacht auf Geldwäscherei: Fedpol ermittelt gegen die Morettis

  • Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat laut Medienberichten nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS Ermittlungen gegen die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti aufgenommen.
  • Es besteht laut dem Fedpol der Verdacht auf Geldwäscherei, wie mehrere Medien berichteten.
  • Sie beziehen sich auf ein Schreiben, das die dem Fedpol unterstellte Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) der Walliser Staatsanwaltschaft zugestellt hat.

Die Behörde hält es für möglich, dass Jacques Moretti falsche Dokumente als Garantien in der Schweiz verwendet hat. Es bestehe Anlass zum Verdacht auf ungetreue Geschäftsführung, Urkundenfälschung sowie auf Steuer- und Sozial­versicherungs­delikte. Auch mutmasslicher Versicherungs­betrug wird aufgeführt – unter anderem im Zusammenhang mit einem Brand in einem der Betriebe des Ehepaars, dem «Vieux Chalet».

Ein Zusammenhang mit Frankreich, wo die Morettis über mehrere Immobilien und Unternehmen verfügen, wird nicht ausgeschlossen, wie das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) schreibt.

Zwei Personen in Winterjacken gehen draussen spazieren.
Legende: Im Fall der Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti besteht laut Medienberichten der Verdacht auf Geldwäscherei. Keystone/Alessandro della Valle

Zwei Banken mit Geschäftsbeziehungen zu den Morettis hatten sich mit einer Verdachtsmeldung an die MROS gewandt: die Walliser Kantonalbank und die UBS als Rechtsnachfolgerin der CS. Das ist laut RTS in solchen Fällen gesetzlich vorgeschrieben.

Hunderttausende Franken im Spiel

Verdächtig wirken für die MROS insbesondere die zahlreichen Geldverschiebungen zwischen den Unternehmen des Ehepaars Moretti. Die Behörde schreibt, dieses systematische Hin‑ und Herschieben von Geld erinnere an den Einsatz von Durchlaufkonten – also Konten, die genutzt werden, um Geldflüsse zu verschleiern.

Insgesamt geht es um Geldsummen von Hunderttausenden Franken. Die Rede ist gar von einem Ponzi-Schema – einem finanziellen Schneeballsystem.

Wie funktioniert ein Ponzi-Schema?

Box aufklappen Box zuklappen

Mit dem «Ponzi-Schema» bezeichnen wir Wertschöpfungsketten nach dem Schneeballprinzip. Dabei handelt es sich um ein Geschäftsmodell, dessen «Gewinne» praktisch ausnahmslos dadurch entstehen, dass neue Teilnehmer in den Systemen mitwirken und Geld investieren, ohne eine Dienstleistung oder ein Produkt zu erhalten.

Für den Anwalt von Jacques Moretti lässt sich laut RTS aus dem Schreiben zurzeit überhaupt keine Schlussfolgerung ziehen. Die MROS sei keine Strafverfolgungsbehörde und nur ein sehr geringer Prozentsatz ihrer Meldungen führe zu einer Verurteilung, so der Anwalt.

Für den Anwalt mehrerer Opferfamilien hingegen ist es für das laufende Verfahren von grosser Bedeutung, wie er gegenüber RTS sagt.

Adoptivsohn soll auch eine Rolle gespielt haben

Im 15-seitigen MROS-Bericht werden auch Gläubiger erwähnt, die von den Morettis angeblich dafür benutzt wurden, ihre Geschäfte zu finanzieren. Dazu gehört ein Aktionär einer Schweizer Luxusuhrenfirma. Er soll den Morettis direkt oder über verbundene Firmen Kredite von über 200'000 Franken gewährt haben.

Erwähnt wird im Dokument auch ein Adoptivsohn von Jacques Moretti, Jean-Marc G. Er könnte nach Einschätzung von RTS bei den Geschäften der Morettis eine wichtigere Rolle gespielt haben, als bisher bekannt gewesen sei. Im Bericht der MROS stehe: «Angesichts der Verbindungen aus der Vergangenheit mit Jacques Moretti aus seiner korsischen Zeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass gewisse Geschäfte im Zusammenhang mit dem korsischen Banditentum, die Jacques Moretti zugeschrieben werden, in gewisser Weise auch Jean-Marc G. betreffen könnten.»

Jacques Moretti, französischer Staatsbürger, hat bereits mehrere Delikte begangen, wie SRF berichtete. Unter anderem wurde er 2008 von einem Gericht im französischen Annecy zu zwölf Monaten Haft verurteilt, wegen Anstiftung zur Prostitution.

Solange in diesem Verfahren ermittelt wird, gilt für das Ehepaar Moretti die Unschuldsvermutung.

Diskutieren Sie mit:

Tagesschau, 09.03.2026, 19:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel