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Parmelin wird mit 188 von 202 gültigen Stimmen Bundespräsident
Aus Tagesschau vom 09.12.2020.
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Bundespräsidenten-Wahl Guy Parmelin zum neuen Bundespräsidenten gewählt

  • Bundesrat Guy Parmelin (SVP) ist mit 188 Stimmen zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden. Von 234 eingegangenen Stimmen waren 202 gültig.
  • Als Vizepräsident des Bundesrats ist Ignazio Cassis (FDP) mit 162 Stimmen gewählt worden.
  • «Ich verkörpere das ganze Potenzial der Schweiz», sagte Parmelin in seiner Rede.

Die Pandemie habe uns hart auf die Probe gestellt, so der neu gewählte Bundespräsident. «Ich will den Zusammenhalt unseres Landes ins Zentrum stellen. Den Zusammenhalt zwischen Alt und Jung, zwischen Stadt und Land, über den Rösti- oder Polenta-Graben hinaus, unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung», sagt Parmelin in der Rede weiter.

Er selbst mache den Anfang, denn er verkörpere quasi das ganze Potenzial des Landes. Er sei nicht nur Landwirt aus einem kleinen Dorf, sondern heute künftiger Bundespräsident in einer grossen Stadt, «nicht mehr nur ein Romand, sondern mittlerweile auch ein bisschen Deutschschweizer».

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Parmelin: «Ich bin auch ein bisschen ein Deutschschweizer»
Aus News-Clip vom 09.12.2020.
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Antritt während der Coronakrise

Der neue Bundespräsident tritt zu keinem einfachen Zeitpunkt an. Die Schweiz steckt mitten in der Pandemie, stagnierende Zahlen schlagen sich auf die Wirtschaft und die Bevölkerung nieder. Seiner Vorgängerin Simonetta Sommaruga ist es an den Medienkonferenzen immer wieder gelungen, für einen Moment Optimismus zu wecken oder die Bevölkerung zum Zusammenhalt aufzurufen. Gelingt es Parmelin ebenso, das Volk sicher durch die Krise zu führen?

Darum ist die Bundespräsidenten-Wahl erst um 12 Uhr

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Eigentlich trifft sich die Vereinigte Bundesversammlung jeweils um 8 Uhr. Warum also wartet man bei der Bundespräsidenten-Wahl bis zum Mittag? Die Antwort: Wegen des Apéro! Die Schweiz, gemeinhin bekannt als Land des Apéros, lässt sich natürlich auch das Anstossen nach solch einer Wahl nicht nehmen. «Wäre die Wahl um 8 Uhr, dann wäre der Apéro schon um 9 Uhr, für viele doch etwas früh», erklärt SVP-Ständeratspräsident Alex Kuprecht. «Das würde auch für Unruhe in den Räten sorgen.» Deswegen wartet man nun halt bis am Mittag mit der Wahl, damit man sich ungeniert ein Weinchen gönnen kann. Übrigens: Wegen des Coronavirus ist der Apéro dieses Jahr abgesagt.

Als Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) musste Parmelin dieses Jahr bereits schweres Geschütz auffahren. Zusammen mit Ueli Maurer gleiste er das Milliarden-Rettungspaket für Covid-geschädigte Firmen auf. Und die Wirtschaftshilfen standen bereit: schnell und unkompliziert. Tausende KMU und Jobs konnten dadurch gerettet werden.

Und doch ist Parmelin keiner, der sich auf den Lorbeeren ausruhen will. «Ohne wirtschaftlichen Schaden kommen wir nicht durch diese Krise», warnte der Wirtschaftsminister vor Illusionen.

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Applaus und Blumen für Parmelin und Cassis
Aus News-Clip vom 09.12.2020.
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Kein Mann der grossen Worte

Der SVP-Politiker gilt als bescheiden und freundlich, uneitel, für einige gar blass. Im SRG-Wahlbarometer 2019 konnte er bei der Bevölkerung als Bundesrat keine Sympathiepunkte einheimsen: Weder attestierte sie ihm grossen Einfluss im Bundesratsgremium, noch wurde sein Wechsel vom Verteidigungs- ins Wirtschaftsdepartement goutiert.

«Es könnte sein, dass bei Parmelins Ergebnissen die Sprachbarriere mit eine Rolle spielt», meint Politologe Michael Hermann, der die Befragung 2019 leitete, denn «der grösste Teil der Befragten kommt aus der Deutschschweiz».

Doch der Bundespräsident 2021 gilt generell nicht als Mann der grossen oder zugespitzten Worte. Häufig stand er an Medienkonferenzen Rede und Antwort – oft ist nur wenig davon hängengeblieben. Bisher gelang es Parmelin nicht so richtig, den Draht zur Bevölkerung zu finden, obwohl er einen sehr volksnahen Hintergrund mitbringt.

Landwirt und Weinbauer

Der neue Bundespräsident ist vom Landwirt an die Spitze der Schweizer Politik aufgestiegen. Seine Wurzeln hat der Weinbauer in Bursins im Waadtland. Vor seiner Ausbildung an der Landwirtschaftsschule schloss er die Maturität mit Schwerpunkt Latein und Englisch ab. Gerne zeigt sich Parmelin als bodenständiger Landwirt, der sich für die Probleme der Bevölkerung Zeit nimmt.

Als Bundesrat widmet er nur noch einen kleinen Teil seiner Zeit seinem Hof. Zusammen mit seinem Bruder besitzt Parmelin aber ein Landgut von 36 Hektaren, darunter fünf Hektaren Weinberge.

Fünfjähriges Bundesrats-Jubiläum

Parmelin sass zwischen 2000 und 2004 im Waadtländer Grossen Rat als pragmatischer SVP-Politiker nahe der Mitte. Er präsidierte die SVP-Kantonalpartei und schaffte 2003 den Einzug in den Nationalrat.

Nach drei Legislaturen als Nationalrat ist Parmelin am 9. Dezember 2015 der Sprung in die Exekutive geglückt – er wurde neben Ueli Maurer zweiter SVP-Bundesrat. Dies auf Anhieb, nachdem er bei seinem ersten Versuch 2011 vorzeitig Parteikollege Jean-Fançois Rime den Vortritt geben musste. Nun folgt nach fünf Jahren im Amt als Bundesrat – auf den Tag genau – die Ernennung als neuer Bundespräsident.

SRF 4 News, 09.12.2020, 12:30 Uhr;

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Die SVP an der Spitze vom, Bundesrat, Ständerat und Nationalrat.
    Gratulier
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    «Ich verkörpere das Potenzial der Schweiz», tja, das tönt nach dem international gebräuchlichen Satz "Ich vertete das ganze Volk". Hat auch Trump gesagt. Auch Parmelin wirds nicht schaffen, denn schon im Interview schliesst er die Tiefverdiener aus und prophezeit wirtschaftliche Schäden. Nach den exorbitanten Aktiengewinnen durch Corona kann er mit seiner Prophezeihung nur die Arbeiter meinen. Und die werden verlieren denn seine Partei tut alles um den Geldstrom von unten nach oben zu sichern.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Olaf Schulenburg: Habe nicht gewusst, dass Bundesrat Guy Parmelin Grossaktionär von Microsoft, Alibaba, Google, Pfizer, Galaxus oder dergleichen Corona-Gewinnern ist. Meines Wissens stammt er aus einer Waadtländer Winzerfamilie. Wenn Sie für die Schweiz plädieren, dann sollen auch solche Menschen eine Vertretung in der Eidgenossenschaft haben. Anwälte, Staatsbeamte und Pädagogen haben wir schon mehr als genug. Die Vielfalt macht es aus und nicht ein undefinierbarer Einheitsbrei.
  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Tut mir aufrichtig leid. Aber die einzige positive Erinnerung an Herrn Parmelin habe ich wohl von Lara Stoll im Gedächtnis. "Der kleine Parmelin" ;-).
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Thomas Trefzer: Man sollte halt auch die Grösse haben, den politischen Gegner in das ihm turnusgemäss zustehende Amt zu wählen. Wer nicht über diesen Schatten springen kann, ist irgendwie nicht bereit für ein Bundesparlament sowie das Schweizer Regierungssystem.
    2. Antwort von Thomas Trefzer  (ttre)
      @ thomas leu
      Klingt irgendwie nach Quotenregelung. Bin ja grundsätzlich mit Ihnen einverstanden. Besser wäre jedoch jemand der wirklich das "ganze Potential der Schweiz" vertritt und das nicht nur als leere Worthülse braucht ;-).
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Thomas Trefzer: Diese Person gibt es nicht, da Wilhelm Tell im Roman von Schiller schon gestorben ist. Das Zusammenspiel aller macht das Potential der Schweiz aus. Einheit in der Vielfalt. "Unus pro omnibus, omnes pro uno." So steht es unter der Bundehauskuppel in Bern. Ist nicht leicht verständlich, ich weiss, wenn man die Genetik der Schweiz nicht in der DNA hat.
    4. Antwort von Thomas Trefzer  (ttre)
      @ Thomas Leu
      Klar kenne ich den Spruch, seit den Musketieren. Scheint mir jedoch aus Alexandre Dumas Feder zu sein. Soweit zur DNA bzw. Ihrer "Genetik" ;-)