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Gespräch zum Tag mit Bundespräsidentin Sommaruga
Aus Tagesschau am Vorabend vom 27.05.2020.
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Bundespräsidentin im Interview «Kritisch schauen, was man hätte anders machen sollen»

Die Schweiz wacht immer stärker aus dem Lockdown auf: Der Bundesrat hat weitere Schritte bekannt gegeben, die vor allem ab dem 6. Juni einiges an öffentlichem Leben zurückbringen werden.

Im Gespräch betont Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, wie wichtig es bleibe, die Hygiene- und Distanzregeln keinesfalls zu vernachlässigen.

SRF News: Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?

Simonetta Sommaruga: Ich freue mich, dass das Land bereits in den letzten Tagen regelrecht aufgeblüht ist. Ich persönlich freue mich aufs Wandern, darauf, die Menschen in meinem Familienkreis wieder zu treffen und vielleicht ein kleines Grillfest zu machen.

Ist also alles wieder wie zuvor?

Es ist eine neue Normalität. Sie beinhaltet weiterhin das regelmässige Händewaschen und die Distanzregeln. Das hat in den letzten Wochen mitgeholfen, das Virus in Schach zu halten. Die neue Normalität heisst auch, dass sich etwa Veranstalter überlegen müssen, wie das Ansteckungsrisiko möglichst tief gehalten werden kann. Aber innerhalb dieser neuen Normalität ist jetzt vieles möglich.

Wir wissen ja jetzt alle, wie wir das Ansteckungsrisiko tief halten können.

Die Verantwortung gehe jetzt vom Bundesrat auf die Veranstalter über. Ist das nicht etwas naiv?

Es ist ja nicht so, dass die Veranstalter allein die volle Verantwortung tragen. Wir alle wissen ja jetzt, wie wir das Ansteckungsrisiko tief halten können. Die Veranstalter ihrerseits wissen inzwischen auch recht gut, wie sie sich organisieren müssen, damit die Distanzen eingehalten werden können. Das kann ein Konzert sein, ein Kino oder eine Sportveranstaltung mit bis zu 300 Personen. Wichtig ist auch, dass sie die Kontaktdaten erheben, damit es im Fall einer Ansteckung gelingt, die Anwesenden rasch zu erreichen. Sie müssten dann in Quarantäne, um zu verhindern, dass es zu vielen Ansteckungen kommt.

Das Virus gibt es nach wie vor – aber wir müssen es in Schach halten und lernen, mit ihm zu leben.

Die Seilbahnen wollen ihre Kabinen im Sommer wieder mit Leuten füllen, ohne Maskenpflicht und ohne Registrierung der Passagiere. Ist das Ihrer Ansicht nach ein verantwortungsvolles Schutzkonzept?

Die Branchen müssen sich selber organisieren. Und es ist im ureigensten Interesse jeder Branche, seriöse Konzepte zu erarbeiten und einzuhalten. Wenn es beispielsweise in einer bestimmten Gondelbahn zu einer Ansteckung kommt und das bekannt wird, wird niemand mehr in eine Seilbahn steigen wollen. Deshalb muss die Branche jetzt Verantwortung übernehmen und die entsprechenden Massnahmen ergreifen – etwa auch, das Tragen einer Gesichtsmaske anzuordnen, wenn die Distanzen nicht eingehalten werden können. Das Virus gibt es nach wie vor – aber wir müssen es in Schach halten und lernen, mit ihm zu leben.

Wenn sich alle ans Händewaschen und Distanzhalten halten, ist vieles wieder möglich.

Grosseltern dürfen ihre Enkel jetzt wieder hüten. War man in den letzten Wochen in diesem Bereich zu streng?

Man wird kritisch hinschauen müssen, was man besser hätte anders machen sollen. Man muss sich aber die Situation Mitte März vergegenwärtigen: In der Schweiz steckten sich damals mehr als 1000 Personen pro Tag neu mit dem Coronavirus an. Heute sind es noch 10 bis 15 Fälle pro Tag. Die teilweise sehr harten Massnahmen hatten in der Tat denn auch einen Effekt. Jetzt geht es darum, dass wir die aktuelle Situation halten können. Wenn sich alle ans Händewaschen und Distanzhalten halten, ist ab dem 6. Juni – wenn die Lockerungen in Kraft treten – wieder vieles möglich.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau vom 27.5.2020, 18.00 Uhr;

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich sehe klar Fehler im Bereich Grenzschliessung/Öffnung: es waren ja die umliegenden EU-Länder, welche die Grenzen zur Schweiz geschlossen haben, nicht umgekehrt. Um ihr Gesicht zu wahren, hat die Schweiz dann ebenfalls eine Grenzschliessung erlassen. Aber ausgerechnet die täglich 50 Tausend aus der Lombardei durften kommen, als ob diese per se virusresistent wären. Dann die Öffnung erfolgte auf Druck Deutschlands (Shopper fehlten). Da wurde unsere Regierung ganz klar vorgeführt.
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  • Kommentar von Adrian Zuckermann  (azu)
    Es ist auffallend: Am Anfang einer Krise reagiert die Gesellschaft sehr Solidarisch und Hilfsbereit. Im Aftermath kommt dann die Zersetzung dieser Solidarität. Auch Auffallend, diese Bestrebungen kommen immer von Rechtsbürgerlicher Seite. Ich denke das hat damit zu tun, das die sofort wieder fett "Abschöpfen" wollen und da ist Solidarität halt eher hinderlich. Mietzinsreduktionen, Finanzhilfe für Künstler... Tss Tss! Und so kommen wir in den Genuss von Wortneuschöfungen: "Scheuchensozialismus".
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ich bin nicht rechtsbürgerlich. Und ,neue Normalität' ist ein Monster von einer Wortschöpfung, das unaufhörliche Gutzureden und all die Moralapostel unerträglich. Was ist das denn für eine Solidarität, zu der so schweizerisch es geht gezwungen werden muss? Was haben wir denn für die Risikogruppe erreicht, falls es zu neuen Ausbrüchen kommt und kein Impfstoff gefunden wird? Wenn es halbwegs so kommt, wie vorhergesagt, drei elendigliche Jahre Damoklesschwert. Wer passt so lange auf sich auf?!
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  • Kommentar von Silke Döding  (Nordlicht)
    Dankbar für Regierungen in Schweiz und Deutschland die mit Umsicht, Klarheit uns vor Augen halten wie Corvid19 Schritt für Schritt in Schach gehalten wird, wenn jeder einzelne mitmacht. Rückwärts betrachten und neue Prozedere aufgleisen wird uns evtl. besser vorbereiten auf kommende Auslöser von Pandemien. Aber im hier und jetzt spielt die Musik. Jetzt wird sich zeigen, wie stark eine Wirtschaft ist um sich wieder neu aufzustellen.Anpacken müssen wir einzelne das. Auf.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Da ich mir in dieser Krise das Label ,systemrelevant' erworben und das Glück habe, dass mir der Ast nicht eigenhändig abgesägt worden ist, heisst jetzt für mich die Devise: Weiterarbeiten und ausgeben! Hier von Stärke zu reden, wäre sozialdarwinistisch - aber so meinen Sie es nicht. Inschachhalten klingt übrigens allzusehr nach Spiel. Da sich vermutlich die wenigsten gross mit Pandemiologie beschäftigen konnten, dürfte nicht gross auffallen, was es für ein Wunder sein sollte, falls es gelingt.
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