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CO2-Debatte Ein Benzinpreis-Aufschlag wirkt sich auf die Nachfrage aus

Bei der Totalrevision des CO2-Gesetzes geht es auch um höhere Benzinpreise. Das beeinflusst auch die Verbraucher.

Legende: Video Welchen Einfluss hätte ein Aufschlag auf die Verbraucher?cher und ihr Verhalten - abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.12.2018.

Wie teuer wird das revidierte CO2-Gesetz wirklich? Im Nationalrat debattieren die Politiker in diesen Tagen über Fragen wie «Soll der Benzinpreis um 8 Rappen steigen oder braucht es überhaupt eine finanzielle Deckelung?», «Wird Heizöl bald um 29 Rappen pro Liter teurer» oder «Braucht es eine Klimaabgabe auf Flugtickets?».

Gerade die Frage nach der Erhöhung des Benzinpreises wird kontrovers diskutiert. Die SVP will eine Deckelung bei 5 Rappen pro Liter. Teurer dürfe das Benzin nicht mehr werden. Links-grün hingegen will einen maximalen Aufschlag von 20 Rappen und der Bundesrat will gar keine Begrenzung.

Was bedeutet diese Diskussion für die Bevölkerung und welchen Einfluss hat diese politische Entscheidung auf den motorisierten Individualverkehr in der Schweiz?

So reagieren wir auf den Preisanstieg

Massimo Filippini ist Professor für Energiewirtschaft an der ETH Zürich und der Universität in Lugano. Für ihn ist klar: «Wenn der Preis für Benzin steigt, dann geht die Nachfrage zurück. Das ist das Prinzip der Preiselastizität.»

In einer Studie hat Filippini aufgezeigt, dass die Reaktion der Autofahrer je nach Region jedoch unterschiedlich ausfällt.

Grafik Benzinnachfrage
Legende: SRF

So ist die Veränderung der Nachfrage in den städtischen Regionen klar stärker spürbar als in den ländlichen Gebieten. Wer also in der Stadt wohnt, entscheidet sich bei steigenden Preisen schneller, das Auto weniger oder gar nicht mehr zu benutzen.

Das habe auch mit der Infrastruktur zu tun, erklärt Filippini: «Die Möglichkeit, auf den öffentlichen Verkehr auszuweichen, ist in Randregionen schwierig».

Legende: Video Massimo Filippini zum Konsumverhalten abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.12.2018.

Umwelt schonen Ja, mehr bezahlen Nein

Rund 25 Kilometer werden in der Schweiz im Schnitt pro Kopf und Tag mit dem Auto zurückgelegt. Während im ländlichen Kanton Glarus die gefahrenen Kilometer pro Tag und Kopf mit 31 Kilometer klar über dem Durchschnitt liegen, ist die Zahl im Kanton Zürich mit 20 Kilometer eher tief.

Grafik Distanzen
Legende: SRF

So zeigt auch eine Umfrage von SRF bei einer Tankstelle im Glarnerland, dass die Bereitschaft eher gering ist, auf das Auto zu verzichten, wenn die Benzinpreise steigen. Allgemein ist der Tenor in der Bevölkerung deutlich: Die Umwelt schonen möchte man, aber mehr für das Benzin bezahlen will man nicht.

Legende: Video Was sagen die Konsumenten zum geplanten Aufschlag? abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.12.2018.

Benzinpreis relativ stabil

2010 lag der Preis für einen Liter Benzin (Bleifrei 95) im Jahresmittelwert praktisch gleich hoch wie heute mit 1,64 Franken pro Liter. Dazwischen gab es jedoch Schwankungen. So stieg der Benzinpreis im Jahr 2012 auf 1,82 Franken pro Liter. Ein Anstieg von immerhin 18 Rappen.

Solche Veränderungen des Benzinpreises hätten tatsächlich einen Einfluss auf die Nachfrage, sagt Massimo Filippini von der ETH Zürich. Bereits bei einer Steigerung um wenige Rappen dürfte es langfristig zu einer Nachfragereduktion kommen, wenn auch nur um einige Prozent.

Für einen deutlichen Effekt bei der Benzinnachfrage bräuchte es einen klaren Preisanstieg von rund 20 Rappen pro Liter, sagt der Experte für Energiewirtschaft.

Die Debatte über das revidierte CO2-Gesetz beschäftigt den Nationalrat noch weiter. Am kommenden Montag geht die Diskussion in die nächste Runde. Dann wird auch definitiv entschieden, um wieviel Rappen der Benzinpreis künftig steigen dürfte.

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schicker (iron5)
    Attraktive neue Angebote verleiten zum Umdenken, wirken disruptiv. Diese gilt es zu fördern. Finanzielle Repressionen als Druckmittel um den Umstieg erzwingen zu wollen erzeugen lediglich Gegendruck und treffen unnötigerweise die Schwächeren. Unsere Regierung scheint das nicht verstehen zu können, schade, wirklich schade. Es gilt demnach erst diese in alten und überholten Schemata denkende Regierung auszuwechseln. Anders scheint es nicht zu klappen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Mittels weiteren hohen Abzocker-Gebühren bei der Bevölkerung, verändert sich absolut nichts für die weiter sterbende (mittels tonnenweise Chemie vergiftend, verstrahlend, masslos vermüllend, zerstörend) ,weltweite Umwelt! Es braucht dringend Einsicht zur Umsicht und zu konkreten, Sinn machenden Veränderungen, zur Verbesserung der Umwelt!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Die Schweizer haben es noch immer nicht geschnallt: Erhöhungen, Bussen usw. dienen nicht etwa dem Umweltschutz oder der Sicherheit wie es unsere "Oberen" immer wieder behaupten, sie dienen nur dem Einen, die Kassen zu füllen! Leidtragend sind dann die Ärmeren und der Mittelstand, denn die können nicht immer mehr zahlen. Die Reichen lachen und tanken gleich doppelt voll! Aber am absurdesten ist: die Schweizer stimmen dem auch noch aktiv bei. Unverständlich!
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    1. Antwort von Denise Casagrande (begulide)
      Tom Duran: exzellent formuliert und auf den Punkt gebracht!
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    2. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Das Fatale dabei: der Zuspruch kommt nicht nur von den Profiteuren, sondern er kommt neidgetrieben vor allem von unten. Verkennend, dass der arbeitende Mittelstand die Sozialwerke trägt. Ist der erwürgt, wird's ganz schwierig. Das ist altuell 1:1 die Diskussion in Frankreich. Aber vernetzt denken war noch nie eine Stärke dieses Landes, man folgt lieber unkritisch Fahnenträgern...
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