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Legende: Audio Nachtzüge: Sind Genügend Kapazitäten vorhanden? abspielen. Laufzeit 05:37 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 15.07.2019.
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Comeback der SBB-Nachtzüge? «Subventionen sind der falsche Weg»

Ein Verkehrsexperte ist zuversichtlich, was die Zukunft des Nachtzugs angeht. Ihn günstiger zu machen, sei aber keine Lösung.

«Dem Nachtzug gehört eine grosse Zukunft, wenn wir es wirklich ernst nehmen mit dem Klimaschutz», sagt Thomas Sauter-Servaes. Er leitet den Studiengang Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Sauter-Servaes sagt aber auch: Es muss wirtschaftlicher gearbeitet werden, und es braucht faire Wettbewerbsbedingungen mit dem Luftverkehr.

Fliegen muss teurer werden

Das heisst für den Verkehrsexperten aber nicht, den Schienenverkehr günstiger zu machen. Eine Subvention durch Steuergelder, was die SBB begrüssen würde, kommt für ihn nicht infrage.

«Subventionen im Verkehrsbereich sind grundsätzlich der falsche Weg.» Vielmehr müsse der Luftverkehr endlich alle Kosten, die der Umwelt entstehen, tragen: «Dann wird man sehen, dass der Nachtzug gar nicht so teuer ist im Vergleich zu den realen Flugpreisen.»

Verlagerung ist das Ziel

«Wenn wir nur den Schienenverkehr günstiger machen, werden wir die gleichen Luftverkehrsreisen wie heute haben, und noch zusätzliche Nachtzugreisen. Dann haben wir es nicht geschafft, vom Luftverkehr zum Schienenverkehr zu verlagern, und das ist ja das Ziel», so Sauter-Servaes. Der Nachtzug müsse aber in neuen Dimensionen gedacht werden: «Wir müssen einen europäischen Nachtzug-Stern aufbauen.»

Ehemalige und aktuelle Nachtzug-Strecken von der Schweiz aus

In Zukunft müsse beim Nachtverkehr in grösseren Stückzahlen produziert werden, um letztlich auch Synergien nutzen zu können – also mehr, und auch längere Nachtzüge. «Momentan werden die Kosten der Trassen-Nutzung auf wenige Köpfe verteilt. Das treibt die Preise in die Höhe.» Auf einigen Strecken kommt die Infrastruktur heute an ihre Grenzen. Aber Sauter-Servaes ist überzeugt: «Wir werden in Zukunft wieder mehr Kapazitäten haben.»

Halten im Vorort statt in der Innenstadt

Das Problem liegt laut dem Verkersexperten eher bei der morgendlichen Anfahrt auf die Knotenpunkte, wenn Rush Hour herrscht. Eine mögliche Lösung sähe er darin, die Nachtzüge an einem Vorort-Bahnhof halten zu lassen und die Personen im normalen Nahverkehr in die Innenstadt zu transportieren. «Es gibt viele Möglichkeiten. Wir müssen nur einfach anfangen, kreativ zu denken.»

Auch müsse es für Luftverkehrsanbieter unattraktiv werden, Kurz- und Mittelstreckenflüge anzubieten. Eine Strecke wie Köln-Frankfurt etwa werde heutzutage nicht mehr geflogen, weil der Hochgeschwindigkeits-Zugverkehr das Flugzeug in der Qualität ausgestochen habe. «Genau dieses Szenario erhoffe ich mir auch auf längeren Strecken, wenn wir einen attraktiven Nachtzugverkehr anbieten können», so Sauter-Servaes.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Kleger  (phil_90)
    Wir sind eine junge Familie und haben gerade ca 6000 km mit Zug und Fähre in Deutschland, Finnland und Schweden absolviert. Davon waren ca 3500 km in Nachtzügen. Wir wollten das nachhaltige Reisen testen. Leider sind die Nachtzüge aber weit davon entfernt, attraktiv zu sein. Die Nachtzüge haben oft das Nachsehen in der Priorität und kommen so zum Teil in den Vororten an (so passiert Malmö-Berlin Ankunft in Berlin-Lichtenberg).
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    1. Antwort von Philipp Kleger  (phil_90)
      Zweitens sind die Wagons dieselben wie vor 30 Jahren. Es wurde kein Rappen in neue Rollmaterial investiert (teils verständlich da kein Interesse bzw. Nachfrage). Jedoch werden so sicher keine Kunden gewonnen sondern eher verärgert. Das Reisen mit dem Zug muss komfortabler sein als die Reise mit dem Flugzeug sonst werden die Leute nicht umsteigen.
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  • Kommentar von Patrick Charpilloz  (Skeptiker)
    Genau dies wäre eine Mögliche Lösung für den Ferienverkehr. Am Besten kombiniert mit einem Autozug. So könnte der Nord-Süd Ferienverkehr das Auto verladen, während der Reise schlafen, um so ausgeruht und mobil am Ferienort anzukommen.
    Aber der Dienst müsste Qualitativ viel besser werden und der Preis dürfte nicht viel teurer sein, als das es die Reise (mit Hotelzimmer) im Auto wäre. Und wenn man dies subventionieren müsste, um Erfolg zu haben, fände ich es das wert, der Umwelt zu liebe.
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  • Kommentar von Gian Rutishauser  (GR)
    Warum wurden so viele Nachtzüge aufgehoben? Der Betrieb und der Unterhalt sind zu teuer, die Auslastung über das ganze Jahr zu gering. Der momentane Hype geht vermutlich wieder vorbei.
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    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Man war schlicht nicht willen in neues Rollmaterial zu investieren!
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    2. Antwort von Gian Rutishauser  (GR)
      Weil sich die Investitionen kaum lohnen würden. Auch dieses Geld wächst nicht auf den Bäumen.
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