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Corona-Ansteckungsorte In diesen Innenräumen ist das Infektionsrisiko am grössten

Wo stecken sich Schweizerinnen und Schweizer mit dem Coronavirus an? Im August lieferte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erstmals Angaben dazu. Demnach geschehen Ansteckungen vor allem im familiären Umfeld (27.2 Prozent), gefolgt vom Arbeitsplatz (8.7 Prozent). Auch in der zweiten Welle bleiben dies laut Tanja Stadler von der Covid-19-Taskforce die häufigsten Ansteckungsorte.

Infektionsort oft nicht nachzuweisen

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Das BAG gibt sich bezüglich der aktuellen Ansteckungsorte bedeckt. «Infektionen treten dort auf, wo Verhaltens- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden oder nicht eingehalten werden können. Besonders in geschlossenen Räumen, deshalb ist es wichtig, den Kontakt zu reduzieren», heisst es auf Nachfrage. Die Familie, aber auch andere Kreise, in denen keine Schutzmassnahmen eingehalten werden, gehören laut BAG zu den Hauptansteckungsorten.

Gegenüber der «Sonntagszeitung» bestätigte das BAG ein internes Dokument zur Wirksamkeit des Contact-Tracings. Gemäss dieser Analyse von 100'000 Ansteckungen in sechs Kantonen könne in 87 Prozent der Fälle der Infektionsort nicht bestimmt werden. Die Rückverfolgung laufe mehr ins Leere als bisher angenommen.

«Wir wissen heute, dass das Übertragungsrisiko in Innenräumen erheblich ist. Besonders wegen der Aerosole, die stundenlang in der Luft schweben können», sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler. Das zeigt jetzt auch eine neue Studie der Technischen Universität Berlin.

Laut den Forschern ist das Infektionsrisiko in Büros und Schulen höher als im Theater oder beim Coiffeur – insbesondere wegen der Aufenthaltsdauer. Je länger man sich in einem Innenraum aufhalte, desto mehr Aerosol-Partikel atme man ein. Wer acht Stunden ohne Maske mit anderen Personen zusammen arbeitet, setzt sich einem grösseren Risiko aus als jemand, der zwei Stunden mit Maske ins halbleere Kino geht. Die Resultate im Überblick.

Wissenschaftliche Einschätzung der Studie

Die Forscher der Technischen Universität Berlin berechneten für Innenräume einen situationsbedingten R-Wert. Dieser gibt an, wie viele gesunde Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt. Die Studie berücksichtigt unter anderem die Aufenthaltsdauer, die Lüftung und die Art der Aktivitäten im Raum. So wurde etwa evaluiert, wie schwer die körperliche Tätigkeit in der jeweiligen Situation ist und ob dabei laut oder leise gesprochen wird.

«Die Studie kann kein absolutes Ansteckungsrisiko in einer konkreten Situation angeben, unter anderem weil sie allein auf Berechnungen beruht und keine tatsächlichen Ansteckungsexperimente mit Coronaviren vorgenommen werden können», erklärt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler. Sie eigne sich vor allem, um das Ansteckungsrisiko in verschiedenen Typen von Innenräumen zu vergleichen.

«Allerdings sind in die Berechnungen viele Annahmen eingeflossen – zum Beispiel, wie gut eine Lüftung in einem Büro oder einem Bus normalerweise ist. Das tatsächliche Risiko hängt auch davon ab, wie gut die Lüftung in einem bestimmten Bus tatsächlich ist oder wie viele Gäste sich in einem Restaurant befinden.»

Läden und Restaurants: Gemäss Studie ist das Ansteckungsrisiko in Restaurants höher als in Einkaufsläden. Für einen Supermarkt mit Maskenpflicht errechneten die Forscher einen R-Wert von 1. Eine infizierte Person steckt also maximal eine weitere an. In einem Restaurant, das nur 50 Prozent der Sitzplätze anbietet, ist das Infektionsrisiko bei einem 1.5-stündigen Aufenthalt doppelt so hoch wie im Laden. Das Risiko im Restaurant kann um die Hälfte reduziert werden, wenn das Lokal nur zu 25 Prozent belegt ist.

Schule: Das höchste Ansteckungsrisiko in Innenräumen bilden laut Studie weiterführende Schulen, die ohne Maske in Vollbesetzung unterrichten. Bei einem entsprechenden sechsstündigen Aufenthalt ist das Risiko etwa 12 Mal grösser als bei einem Supermarkt-Besuch mit Maske. Sind die Schulräume nur zur Hälfte belegt und gilt eine Maskenpflicht, sinkt das Risiko um etwa Dreiviertel.

Arbeitsplatz: Für ein Mehrpersonenbüro, das zur Hälfte belegt ist und in dem keine Maskenpflicht gilt, rechnen die Forscher mit einem achtmal höheren Infektionsrisiko als in Einkaufsläden. Tragen alle Angestellten Masken und ist das Büro nur zu 20 Prozent belegt, ist das Risiko fünfmal tiefer.

Öffentlicher Verkehr: Das Risiko, sich in Bus oder Bahn mit Covid-19 zu infizieren, ist gering. Für eine 30-minütige Fahrt mit Maske ist die Ansteckungsgefahr sogar etwas tiefer als im Supermarkt. Sie steigt jedoch mit der Aufenthaltsdauer im ÖV. Ist jemand drei Stunden mit dem halb belegten Fernbus unterwegs, verdoppelt sich das Risiko trotz Maskenpflicht.

Kulturstätten: Theater, Opern und Museen kommen in der Untersuchung am besten weg. Der Besuch einer Kulturstätte mit Maskenpflicht und 30 Prozent Belegung ist demnach nur halb so riskant wie der Einkauf im Supermarkt. Ähnlich gut schneiden Coiffeure und Kinos ab.

Lüftung ist zentral

Für das Infektionsrisiko entscheidend ist die eingeatmete Dosis an Aerosol-Partikeln. «Eine gute Lüftung kann die Aerosol-Last in Innenräumen und somit die Ansteckungsgefahr deutlich senken», erklärt Thomas Häusler.

Die Berliner Autoren betonen, dass ihre Untersuchung noch nicht ausreichend evidenzbasiert sei. Dennoch biete die Studie gute Anhaltspunkte, um verschiedene Situationen in Innenräumen zu vergleichen, sagt Häusler. Die Frage nach den Infektionsorten bleibt auch im Hinblick auf allfällige Lockerungen, die der Bundesrat am 17. Februar darlegen will, aktuell.

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SRF 4 News, 12.02.2021, 17:00 Uhr

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110 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    @SRF, die Metastudie ,Airborne transmission of COVID-19 and the role of face mask to prevent it: a systematic review and meta-analysis' sollte Methoden zeigen, die potenzielle Ansteckungsgefahr durch Aerosole zu untersuchen; das Zitat verdeutlichen, dass immer noch viele offene Fragen damit verbunden sind:

    COVID-19 spreads primarily with contact routes and respiratory droplets, but its transmissibility has many mysteries yet and there is controversy about airborne transmission of COVID-19.
  • Kommentar von Paul Dodd  (PaulD)
    Wäre interressant, eine detaillierter Aufschlüsselung aus dem Kontakt-Tracing, statt theoretische Berechnungen zu haben. Die Angaben müssen chronologische geordnet sein, um die Auswirkung der Massnahmen zu sehen.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Aus Asien liegen schon seit Langem Studien zu (wenigen) Einzelfällen vor. Allerdings bin ich nicht sicher, wie verlässlich diese sind. Streeck äusserte im letzten Herbst (lange nach jenen Studien) einmal die Einschätzung, in Heinsberg seien erstmals überhaupt (weltweit) Ansteckungen mit Aerosolen sicher nachgewiesen worden. Erhebungen zur Secondary Attack Rate (wer wen ansteckt) gab es zuhauf und sind genetisch abgesichert. Eigentlich sollten Ausbrüche in Clubs u. dgl. untersuchbar sein.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Alles bestens: In dem Fall ist alles, was einen prognostizierten lokalen R-Wert von > 1 hat, potenziell heikel. Hiermit sind die Massnahmen mit geschlossenen Restaurants, Fitnesscentern und Maskenpflicht an Schulen goldrichtig. Einmal mehr. Es dauert eben, so lange es dauert.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ein ,prognostizierter lokaler R-Wert > 1' - für ,Ansteckungsrisiko'! Goldig!
    2. Antwort von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
      Also Museen und Läden öffnen, oder?