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Romands skeptisch gegenüber Lockerung des Shutdown
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.04.2020.
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Corona in der Westschweiz «Sofortige Lockerung wäre gar nicht gut angekommen»

«Endlich sehen wir eine Perspektive», sagt Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, als Reaktion auf die vom Bundesrat angekündigte schrittweise Lockerung des Ausnahmezustands ab Ende April. In der Deutschschweiz hatten zuletzt vor allem SVP und FDP entsprechende Forderungen gestellt. In der Westschweiz ist man ungleich zurückhaltender. Warum, erklärt Korrespondent Andreas Stüdli.

Andreas Stüdli

Andreas Stüdli

Westschweiz-Korrespondent, Radio SRF

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Andreas Stüdli berichtet seit Juni 2018 für Radio SRF aus der Westschweiz und über das Bundesgericht. Er war zuvor fünfeinhalb Jahre Westschweizkorrespondent der Nachrichtenagentur SDA gewesen.

SRF News: Wie fallen die Reaktionen in der Westschweiz aus?

Andreas Stüdli: Bei der SRG-Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde, zeigte sich eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem sofortigen Hochfahren der Wirtschaft. In der Deutschschweiz ist der Anteil der Personen, die sich eine Lockerung wünschen, viel höher. In der Romandie wünschen sich viele eher eine Verschärfung. Was der Bundesrat am Mittwoch angekündigt hat, wird aber nicht grundsätzlich als negativ angesehen.

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Die Exitstrategie des Bundesrats
Aus Tagesschau vom 08.04.2020.
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Zunächst werden die Massnahmen ja um eine Woche verlängert. Das ist hier ein positives Zeichen. Auch wenn die grundsätzliche Skepsis gegenüber einem baldigen Hochfahren bleibt. Zudem hat man bezüglich den Schulen in der Westschweiz weniger Druck. Die Osterferien sind etwas später angesetzt als in der Deutschschweiz. Bis Ende April sind die Schulen ohnehin zu.

In der Romandie ist man also zufrieden, dass der Ausnahmezustand um eine Woche verlängert wurde?

Ja, eine sofortige Lockerung wäre in der Suisse romande gar nicht gut angekommen. Man muss das auch in den Kontext der Statistiken zu den Corona-Erkrankungen in der Schweiz stellen. Bei den Erkrankten pro Kopf liegen die grossen Westschweizer Kantone Waadt und Genf eher auf Höhe des Tessin. Sie weisen viel höhere Kurven auf als in der Deutschschweiz – auch wenn es nun etwas abflacht und die Anzahl der im Spital behandelten Patienten leicht abnimmt.

Die Forderungen nach einer schnelleren Öffnung der Wirtschaft kamen primär aus der Deutschschweiz. Gibt es in der Romandie keine Vertreter und Vertreterinnen aus der Wirtschaft, die selbiges fordern? Es geht ja um Geld.

Es war frappant. Bei den Ankündigungen und Interviews von Exponenten von SVP, FDP und den grossen Wirtschaftsverbänden haben Vertreter aus der Romandie nie eine grosse Rolle gespielt. Sogar die Westschweizer SVP hat nicht denselben Tonfall bei den Forderungen wie ihre Deutschschweizer Kollegen.

Frankreich ist sehr stark vom Coronavirus betroffen und hat eine sehr strenge Ausgangssperre. Das wird in der Romandie sehr stark wahrgenommen.

Man ist nicht komplett gegen ein Hochfahren der Wirtschaft. Man ist allgemein der Meinung, dass man es etwas später angehen soll. Auch die grossen Wirtschaftsverbände in der Romandie machen sich derzeit eher für stärkere Kantonshilfen stark, zum Beispiel für die Hotellerie, die Landwirtschaft und Selbständige.

Polizisten patrouillieren an der Genfer Seepromenade.
Legende: Vorsichtige Lockerung: Die grossen Städte Genf und Lausanne wollen nach Ostern wieder Wochenmärkte für Früchte und Gemüse öffnen. Im Bild: Polizisten patrouillieren an der Genfer Seepromenade. Keystone

Auch die Westschweizer Medien setzen stark auf regionale Lösungen, sodass man das Hochfahren allenfalls noch etwas verzögern könnte. Das hat neben den höheren Fallzahlen in der Romandie sicher auch mit dem Einfluss aus Frankreich zu tun. Das Land ist sehr stark vom Coronavirus betroffen und hat eine sehr strenge Ausgangssperre. Das wird hier sehr stark wahrgenommen. Deutschland, das weniger streng ist, ist eher eine Referenz für die Deutschschweiz. Das hat sicher auch einen Einfluss.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Quelle: Massnahmen des Bundesrats gegen das Coronavirus (Auswahl)13.03.20Verbot Veranstaltungen > 100 PersonenEinführung Schengen-GrenzkontrollenEinreise aus Italien mit Ausnahmen verboten10 Mrd. Fr. Soforthilfe Kein Unterricht an SchulenMax. 50 Personen in Restaurants, Bars, Diskotheken 18.03.20Betreibungsverbot bis 19. AprilGrenzkontrollen und Einreiseverbote ausgedehnt20.03.20Versammlungsverbot > 5 PersonenMassnahmenpaket von 32 Mrd. Fr.Ausweitung, Vereinfachung der Kurzarbeit 16.04.20Bekanntgabe der etappenweisen Lockerung der Massnahmenab 27.04.: z.B. Öffnung von Coiffeuren und Baumärktenab11.05.: z.B. Öffnung obligatorischer Schulenab 08.06: z.B. Öffnung von Zoos und Museen25.03.20Programm zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen (20 Mrd. Fr.)Anpassungen bei Kurzarbeitentschädigung03.04.20Bürgschaftsvolumen für Liquiditätshilfen auf 40 Mrd. Fr. erhöht08.04.20Shutdown bis 26. April verlängert,schrittweise Lockerung Ende April Ausweitung Kurzarbeit16.03.20«Ausserordentliche Lage»Einsatz von rund 8000 Armeeangehörigen in Spitälern, Logistik und SicherheitsbereichGrenzkontrollen zu Deutschland, Österreich und Frankreich sowie EinreiseverboteGeschäfte müssen schliessen (ausser Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen)«Besondere Lage» gemäss Epidemiengesetz Verbot Grossveranstaltungen > 1000 Personen 28.02.20EXIT

SRF 4 News, 9.4.2020, 10:05 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Liebe Leute. Ich bin ein schwer gefährdeter, geh seit ca. 4 Wochen nicht mehr Raus, weil ich das leben Liebe. Bin ich sicher das auch manch älterer Mensch das Leben ebenso liebt. Da muss ich sagen das gewisse Aussagen von gewissen Menschen wieso soll ich mein Leben einschränken, wieso soll wegen denen die Wirtschaft kaputt gehen, doch mehr als schmerzen. Ich sage euch im Namen aller dieser Betroffenen. Freiheit und Wirtschaft kann man wieder erlangen oder aufbauen. Der tot ist endgültig!
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    1. Antwort von marcel wipf  (borammstein)
      Aber die Millionen andere Bakterien und Viren von denen wurdet ihr gar nicht geschützt in all den anderen Jahren.
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    2. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Richtig so, ältere und Risikopatienten müssen sich schützen. Da gibt es zum Glück viel Hilfe aus der Familie und von Freunden. Aber die Wirtschaft muss das ganze finanzieren, das kann sie aber bei Stillstand nicht.
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    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Herr Röthenmund. Ich danke Ihnen für Ihre Darlegung, und bin mit Ihnen.
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    4. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      Herr Bucher die Menschheit hat auch gelebt als es noch keine Wirtschaft gab.
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    5. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Ich bin auch Risikopatient, aber irgend wann in den nächsten Monaten muss es ein Grossteil der Bevölkerung gehabt haben. Angst war schon immer ein sehr schlechter Berater. Zustände wie in China und den Südländern werden wir genau so wenig haben wie die marode Infrastruktur.
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  • Kommentar von Peter Frei  (Peter Frei)
    Darf man endlich erfahren, wieviele der Patienten im Tessin und Genf keine Schweizer sind, sondern (vor allem reiche) Italiener und Franzosen, die zum Teil vor der Grenzschliessung fluchtartig ihre Länder verlassen haben und sich in der Schweiz eingemietet haben, weil die Schweizer Spitäler eine bessere Versorgung bieten? Wieviele Patienten in den Oberengadiner und Puschlaver Spitäler sind/waren Italiener (ein Teil der Patienten muss bekanntlich aus Platzmangel nach Chur verlegt werden).
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    1. Antwort von Michi Leemann  (mille)
      Ach hab ich sie vermisst, die wunderschöne Ausländerkeule. Ironie Off. MFG
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    2. Antwort von Peter Frei  (Peter Frei)
      Michi Leemann. Dann war die vom Bundesrat verordnete Grenzschliessung auch eine Ausländerkeule? Was Sie tun, ist eine Keule gegenüber Transparenz. Hinter meiner Frage ist, warum ausgerechnet in den Grenzkantonen TI und GE die Spitäler dermassen voll sind im Gegensatz zu anderen Kantonen. Die Medien berichteten von einer Massenflucht (wohl reicher) Italiener aus Milano und Norditalien in die Schweiz, bzw. Grenzkantone, als die Regierung die Schliessung der italienischen Grenze angekündigt hat
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  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Logisch und richtig, dass die Massnahmen in der West- und Südschweiz, wo über 90% der Fälle gezählt werden, noch nicht gelockert werden können. Hingegen hätte man es ohne weiteres für 5-10 Kantone machen können, in welchen die Situation nicht mal das Ausmass einer durchschnittlichen Gruppewelle angenommen hat. Gebiete in Sippenhaft zu nehmen nur weil sie zum gleichen Land gehören,macht keinen Sinn. Epidemiebekämpfung sollte sich nicht an der Landesgrenze sondern am Gefahrenpotential orientieren
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    1. Antwort von Michi Leemann  (mille)
      Dem sagt man nicht Sippenhaft, sondern Prävention. Was denken Sie, wie viele Fälle hätte man in den von Ihnen genannten 5-10 Kantonen, wenn man zu früh lockern würde oder gar nicht mit Massnahmen reagiert hätte? Wenn wir weniger als die immer genannten Grippetote hätten, so wäre das ein Beweis mehr für die Wirksamkeit der Massnahmen. Ich bin mir sicher, dass die von der Wirtschaft dominierte Politik nicht einfach so mir-nichts/dir-nichts Massnahmen verhängt oder aufrecht erhält. MFG
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Urs Dupont: Kantonal unterschiedliche Regeln würde in einem so kleinen Land wie der Schweiz niemand verstehen. Die Bevölkerung wollte ja vor 4 Wochen genau einheitliche Regeln für die Schweiz. Sonst würden die Waadtländer ihre Einkaufs- und Freizeitaktivitäten einfach in den Kanton Fribourg verlegen und die Basel-Städter in den Kanton Jura mit dem Resultat, dass in diesen Zielkantonen die Anzahl Infizierter auch rasch ansteigen würde.
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    3. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Ja, Herr Leu, dies geschieht bzw. geschah eben, weil bei den Massnahmen die riesigen regionalen Unterschiede nicht berücksichtigt wurden. Zuerst das Gefälle IT -> CH mit den gigantischen Pendlerströmen, dazu der damit verbundene und zusätzliche Einkaufstourismus und die Flucht in die Zweitwohnung in TI, GR und VS, wo dann auch eingekauft wurde. Später bzw. jetzt wiederholt sich dies zwischen den stark verseuchten und noch relativ verschonten Kantone. Dies muss und kann unterbunden werden.
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    4. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Herr Leemann, so lange es in einem Kanton wenig bis gar keine Coronafälle gibt, bringt das Schliessen von Restaurant und Geschäften wenig bis gar nichts, hingegen sehr viel in Gebieten, wo das Virus wütet. In dieser Phase, wo ein Teil A (im In- oder Ausland) hoch verseucht ist und der Teil B noch virenfrei ist, muss vor allem dafür gesorgt werden, dass allfällige grosse Personenströme zwischen A und B rigoros gestoppt werden. Dies wurde mit IT - TI/VS/GR verpasst und nun auch noch innerhalb CH.
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    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Urs Dupont: Im Prinzip haben Sie Recht. Nur: Die Schweiz ist nicht China! Die Polizei und vermutlich auch noch das Militär (dieses Mal die viel verschmähte Infanterie), müssten an den Kantonsgrenzen Strassensperren errichten, damit sich die Bürger nicht vom "verseuchten" Kanton A in den "weniger verseuchten" Kanton B bewegen würden. Das würden die Schweizer aufgrund der Kleinheit des Landes und auch sonst niemals akzeptieren. Deshalb hat man einheitliche Regeln mit immerhin regionalen Nuancen.
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