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Umfrage der SRG So denkt die Schweiz über die Corona-Krise

Insbesondere die jüngeren Befragten fordern mehr Bewegungseinschränkungen. Die wichtigsten Aussagen der SRG-Umfrage.

  • Die meisten Menschen halten sich an die neuen Regeln des Bundesrates, so das Ergebnis der SRG-Umfrage zur Corona-Krise. Nach wie vor gaben aber 75 Prozent der über 65-Jährigen an, das Haus für gewisse Dinge zu verlassen.
  • Viele Befragte, vor allem Jüngere, fürchten sich vor überlasteten Spitälern wie in Norditalien.
  • In der Romandie findet, im Gegensatz zur Deutschschweiz, eine Mehrheit der Menschen, dass die Massnahmen des Bundesrates zu wenig weit gehen.
  • Mehr Sorge tragen zueinander: Adjektive wie solidarisch und freundlich werden von den Befragten hervorgehoben.

Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist die Schweiz in sehr kurzer Zeit in eine zuvor kaum denkbare Ausnahmesituation geraten.

Mit dem Monitoring im Auftrag der SRG soll ein zeitnaher Einblick in die Auswirkungen der Krise auf den Alltag, die Stimmungslage und die Haltungen der Bevölkerung in der Corona-Krise gewährt werden.

Datenerhebung und repräsentative Gewichtung

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Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR von der Forschungsstelle Sotomo durchgeführt und ausgewertet. Die Datenerhebung fand zwischen dem 21. und 23. März 2020 online statt. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale der SRG SSR in allen Landesteilen, andererseits via Online-Panel von Sotomo statt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der Schweiz ab 15 Jahren.

Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 30‘460 Personen für die Auswertung verwendet werden.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an Online-Umfragen teil.

Deshalb hat Sotomo die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt.

Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemographischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Parteipräferenz). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist laut Sotomo jedoch vergleichbar einer Zufallsstichprobe mit einem Strichprobenfehler von +/-1.1 Prozentpunkten. Bei einem Befragungsergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 48.9 und 51.1 Prozent.

Aus Sicht des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ist das räumliche Abstandhalten von anderen Personen («Social Distancing») elementar. Menschengruppen ab fünf Personen sind seit dem 16. März verboten.

Ist Ihr näheres Umfeld durch das Coronavirus betroffen?

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87 Prozent der Befragten kennen niemanden im näheren Umfeld, der oder die an Covid-19 erkrankt ist. 11 Prozent kennen jemanden im eigenen Umfeld, der oder die mit einem milden Verlauf erkrankt ist. Nur 2 Prozent der Bevölkerung kennen jemanden mit einem schweren Verlauf.

Der Aufruf, das Haus nicht mehr zu verlassen, richtet sich vor allem an Personen über 65 Jahre. Die meisten Menschen halten sich an die neuen Regeln, und die Älteren bleiben häufiger als die Jungen zu Hause.

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Michael Herrmann: «Die überwiegende Mehrheit hält sich stark daran»
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Aber: drei Viertel der über 65-Jährigen haben in der angegebenen Woche ihr Haus verlassen, vor allem für Einkäufe und Spaziergänge.

Die Gründe, das eigene Haus zu verlassen, gleichen sich in den drei grösseren Sprachregionen. Dennoch fällt auf, dass in der von der Corona-Krise zurzeit am stärksten betroffenen Sprachregion, der italienischen Schweiz, am wenigsten Aktivitäten ausser Haus getätigt werden.

In Norditalien sind aufgrund der hohen Fallzahlen die Spitäler vielerorts überlastet. Viele Gesundheitsexperten befürchten deshalb, dass sich eine solche Situation auch in der Schweiz ereignen könnte. Die Sorge vor überlasteten Schweizer Spitälern ist vor allem bei den Jungen ausgeprägt.

Die ausserordentlichen Massnahmen des Bundesrats haben eine unmittelbare Auswirkung auf grosse Teile der Wirtschaft. Besonders hart trifft das Verbot die Selbstständigen. Viele von ihnen müssen nun um die Existenz kämpfen.

Die Krise wirkt sich auch auf die Gemütsverfassung der Schweizer Bevölkerung aus. 51 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen vor der Krise sehr gut gegangen sei. Dieser Anteil hat sich auf 31 Prozent reduziert. Die aktuelle Krise wirkt sich auf die Gemütsverfassung der jüngeren Erwachsenen stärker aus.

Geht es um persönliche Befürchtungen in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, so steht gegenwärtig eine mögliche eigene Erkrankung im Vordergrund. Trotz der momentanen wirtschaftlichen Ausnahmesituation nennen «nur» 15 Prozent den Verlust des Arbeitsplatzes als grosse Befürchtung.

Dieser Tage werden viele Beispiele zwischenmenschlicher Solidarität in den Medien gezeigt. Dieser zwischenmenschliche Aspekt spiegelt sich auch in der Umfrage wider: Adjektive wie solidarisch und freundlich werden am häufigsten genannt.

In allen fünf befragten Bereichen ist eine Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht, dass die Massnahmen des Bundesrats angemessen seien – also keine Ausgangssperre erfolgen soll.

Romandie: Bundesrat geht zu wenig weit

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Die Befragungsteilnehmenden wurden in fünf Massnahmenfeldern gefragt, ob sie mit dem Vorgehen der Exekutive einverstanden sind, ob sie weitergehende Massnahmen befürworten würden oder der Ansicht sind, dass der Bundesrat zu weit geht. In allen fünf Bereichen ist eine Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht, dass die Massnahmen angemessen seien.

In der Romandie ist gegenwärtig eine Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht, der Bundesrat gehe zu wenig weit in Bezug auf Bewegungsbeschränkungen.

Es sind interessanterweise insbesondere die jüngeren Befragten, die nach mehr Bewegungsbeschränkungen verlangen. Bei den älteren ist eine überwiegende Mehrheit mit der Linie des Bundesrats einverstanden.

Die Schweizer Bevölkerung ist geteilter Meinung bei der Beurteilung, ob der Bundesrat rechtzeitig gehandelt hat. Es sind wiederum vor allem die jungen Erwachsenen, die sich eine entschlossenere Reaktion erwünscht hätten.

Wann können wir mit einer Beruhigung der Lage rechnen? Die Mehrheit der Befragten denkt, dass sich die Lage im Juni 2020 beruhigen wird. 2.2 Prozent der Befragten hoffen sogar, dass sich die Situation bereits im April, also nächsten Monat, normalisieren wird.

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Mehrheit der Befragten hält sich an Vorgaben
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Tagesschau, 24.3.2020, 19:30 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Genau, Herr Odermatt. Die Coronafälle / km2 dürfte sehr stark mit den Personen / km2 korrelieren, vermutlich sogar überproportional. Mit anderen Worten, in den verdichteten Städten ist das Problem am massivsten, was natürlich nicht überraschend ist.
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  • Kommentar von Daniel Morozzi  (lno)
    Dass viele 65+ gegen weitergehende Massnahmen sind ist nicht erstaunlich. Denn diese würden sich wohl auch gezielt gegen Ältere richten. Nun halten wir uns nicht für so dement, wie es die Urner Regierung tut. Wir trauen uns zu, uns so im öffentlichen Raum zu bewegen, dass die Gefahr einer Ansteckung äusserst gering bleibt. Rentner können selbst bestimmen, wem sie wie nahe kommen. Jüngere können dies oft nicht, viele sind wohl aus Angst vor einer Ansteckung am Arbeitsplatz für eine Verschärfung.
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  • Kommentar von Marianne Känzig  (Marianne Känzig)
    Liebes SRF, aus meiner Sicht ist es absolut nicht Zielführend, dass in euren Sendungen immer wieder erwähnt wird, dass irgendjemand aus dem Haus geht. Wir haben in der CH nicht die totale Ausgangssperre und es ist legitim Einkaufen zu gehen, zu spazieren oder Sport zu machen, wenn die Distanz eingehalten wird. Auch für älter Personen. Sie verunsichern mich immer und ich muss dann einfach die Sendung abschalten. Finde ich nicht gut.
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