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Soziale Nähe im Schatten der Pandemie
Aus 10vor10 vom 11.06.2020.
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Corona-Knigge für den Alltag So verhalten Sie sich korrekt in kniffligen Situationen

Soziale Interaktionen sorgen zurzeit vielerorts für Irritationen. Regeln und Abstände werden in der Praxis oft individuell ausgelegt. Begrüssungen, die einst Wiedersehensfreude ausdrückten, werden nun zum unbeholfenen Tanz, bei dem man schnell über die eigenen Füsse stolpert. Alltags-Situationen wie Einkaufen oder Busfahren mit Mitmenschen lösen jetzt Unsicherheiten aus.

Wie verhalten wir uns korrekt in dieser Zeit, in der Lockerungsschritte den Ton angeben, aber man selbst vielleicht noch im Quarantäne-Modus steckt? Knigge-Kenner Christoph Stokar zum Umgang mit brenzligen Corona-Situationen.

Christoph Stokar

Christoph Stokar

Autor und Benimm-Experte

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Christoph Stokar kennt sich aus mit Benimmregeln. Der Autor von «Der Schweizer Knigge» und «Der Schweizer Business-Knigge» findet, dass ein guter Umgang miteinander für mehr Lebensqualität sorgt. In den Büchern geht es um das gute Benehmen in der heutigen Zeit und der Schweiz – da hierzulande besonders viel Wert auf Individualismus gelegt wird. Er ist freier Texter und Konzepter und lebt in Zürich.

  • «Ich bin bei entfernten Freunden eingeladen. Der Gastgeber schüttelt allen die Hand zur Begrüssung, ich würde Berührungen lieber vermeiden. Wie soll ich mich verhalten?»

Christoph Stokar: Sie können ihn problemlos darauf hinweisen, dass Sie das nicht tun wollen – aus den bekannten Gründen. Man sollte das in diesen Zeiten nicht als Unhöflichkeit betrachten: Abstand ist der neue Anstand!

  • «In der Mensa beim Mittagessen hustet mein Chef unentwegt direkt neben mir. Er macht alles nach Vorgabe, hustet in den Ellbogen, trotzdem möchte ich am liebsten aufstehen und gehen. Was soll ich tun?»

Handeln Sie situationsgerecht: Können Sie ihn darauf hinweisen oder ist er zu sehr «Chef»? Entweder Sie erkundigen sich nach seiner Gesundheit oder Sie verlassen so rasch wie möglich den Tisch. In der Realität kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass dies heute noch häufig geschieht.

  • «Ich sitze in einem Restaurant in einer 6er-Gruppe am Tisch. Die Bestuhlung ist mir zu eng, ich möchte den 2-Meter-Abstand so gut wie möglich einhalten. Ich platziere mich am Tischende, rücke ein rechtes Stück nach hinten und diskutiere so mit. Ist das unanständig?»

C’est le ton qui fait la musique (dt: der Ton macht die Musik). Wenn Sie das freundlich begründen, auch ein Lächeln nicht unterbinden, ist das möglich und wird akzeptiert. Vermitteln Sie das eigene Handeln oder Bedenken aufrichtig und menschlich, ohne moralisierend oder beleidigend zu wirken. Das macht den grossen Unterschied.

  • «Ich leide unter starkem Heuschnupfen. Wenn ich mit den ÖV fahre, passierte es nun öfter, dass andere Passagiere mich entsetzt anstarren, wenn ich niese, den Platz wechseln oder gar einen abschätzigen Kommentar machen. Wie reagiere ich darauf?»

Es ist ja verständlich, dass die Leute dann etwas irritiert reagieren. Zucken Sie doch mit den Schultern, entschuldigen sich und sagen: «Heuschnupfä». Oder nehmen Sie in dieser Zeit wenn möglich das Velo!

  • «Eine alte Dame steht im Supermarkt hinter mir an. Ich versuche, möglichst viel Abstand zu ihr zu halten, doch sie scheint sich nicht darum zu scheren und rückt nahe zu mir und anderen Kunden auf. Soll ich sie darauf hinweisen?»

Als allgemeine Knigge-Regel gilt: Rang vor Alter vor Geschlecht. Einem Bundesrat sollten Sie also nie das Du anbieten, selbst wenn sie älter sind. Genau so verhält es sich als jüngere Person bei einer älteren. Dennoch heisst diese Regel nicht, dass im Supermarkt nicht freundlich auf das Fehlverhalten anderer aufmerksam gemacht werden darf. Sie sollten die Dame darauf hinweisen – mit einem Superlachen und einem Augenzwinkern. Es passiert uns doch allen, dass wir an sozialen Schnittstellen immer noch die alten Automatismen haben und uns nicht «coronagerecht» verhalten. Deshalb sind wir auf die Mithilfe anderer angewiesen.

User-Fragen zum richtigen Corona-Verhalten

Die SRF-User konnten ebenfalls Fragen stellen zu kniffligen Alltags-Situationen. Christoph Stokar hat auch diese beantwortet.

  • «Im ÖV trage ich stets eine Schutzmaske. Die Situation: Ich sitze im Zug in einem Viererabteil. Plötzlich kommt eine Person, die keine Maske trägt, und fragt, ob da noch frei ist. Da sie keine Maske trägt, möchte ich nicht, dass sie sich zu mir hinsetzt. Wie soll ich mich in dieser Situation verhalten?» (E. Kropf)

Eine schwierige Situation, es besteht ja keine Tragepflicht. Teilen Sie deshalb der anderen Person so höflich wie möglich Ihr Schutzbedürfnis mit. Eine Erklärung würde den Fall zusätzlich entspannen. Erwähnen Sie eventuell Ihr Alter, Sie hätten Atemprobleme wegen Heuschnupfen oder ähnliches. Hoffentlich zeigt die Person Verständnis und setzt sich woanders hin. Gegenseitige Rücksichtnahme ist in diesen Zeiten das Gebot der Stunde.

  • «Bei mir im Büro hält sich praktisch niemand mehr an den Sicherheitsabstand, jetzt gerade gab es auch den ersten Handschlag. Als Lehrling fällt es mir schwer, etwas zu sagen. Soll ich da etwas sagen und wem?» (M. Berger)

Unter Kollegen lässt sich das bestimmt regeln. Und wenn das Ganze zu unangenehm wird, gehen Sie zu Ihrer vorgesetzten Person und erläutern Sie die Sachlage. Sie wird das Thema hoffentlich ganz allgemein bald zu Sprache bringen und die Verhältnisse klären.

  • «Gestern im Lebensmittelgeschäft war eine Dame am Einkaufen und hustete ständig laut. Natürlich trug sie keine Maske (ich war wie so häufig der Einzige mit), obwohl die am Eingang gratis bereitliegen.» (D. Schneider)

Dieser Fall lässt sich nur durch Verständigung lösen. Bitten Sie die Dame doch, sich mit einer Maske am Eingang zu bedienen, das würde den anderen die Einkaufssituation erleichtern. Seien Sie in jedem Fall höflich, auch wenn Hochleistungs-Ellbögler und Turboegoisten zurzeit etwas Oberhand haben.

Espresso, 5. Juni 2020, 08.15 Uhr

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