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Kindertagesstätten suchen Alternativen fürs Singen
Aus SRF 4 News aktuell vom 10.12.2020.
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Corona-Massnahmen Kita-Verband: «Das Singverbot ist ein grosser Verlust»

Singen ausserhalb der Familie ist zurzeit verboten. Damit will der Bundesrat die Corona-Pandemie eindämmen. Vom Verbot ausserhalb der Familie sind einzig die obligatorischen Schulen ausgenommen – aber nicht sonstige Betreuungsangebote wie Kitas oder Nachmittagsbetreuung.

Dabei ist das Singen für die Entwicklung der Kinder erwiesenermassen sehr wichtig. Estelle Thomet vom Verband Kinderbetreuung Schweiz zeigt Verständnis für die Massnahme, kann aber die Unterscheidung in Schule und Kitas nicht nachvollziehen.

Estelle Thomet

Estelle Thomet

Verband Kinderbetreuung Schweiz

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Estelle Thomet ist seit 2017 beim Verband Kinderbetreuung Schweiz Kibesuisse. Sie hat die Gesamtleitung der Regionen inne und ist die Leiterin der Region Zürich. Zuvor war sie unter anderem als Juristin bei der SBB angestellt.

SRF News: In den Schulen darf gesungen werden, in den Kitas nicht. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Estelle Thomet: Die Unterscheidung zwischen Schule und Kindertagesstätte können wir nicht nachvollziehen. Beides sind Bildungseinrichtungen. Klar ist allerdings, dass es jetzt ein Singverbot braucht.

Der Bundesrat begründet den Entscheid damit, dass Singen zum obligatorischen Lehrplan gehört. Die Schulen müssen sich daran halten, Kitas nicht. Können Sie diese Begründung verstehen?

Wir sind in einer Pandemie. Offenbar ist diese zurzeit so schlimm, dass man das Singen verbieten muss, weil singen die Tätigkeit ist, bei der die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist. Das schränkt die Freiheiten vieler Menschen ein. Dass man das Singen in der Schule aber höher gewichtet, nur weil es im Lehrplan ist, können wir nicht ganz nachvollziehen. Es wäre wahrscheinlich erklärbarer zu sagen: Es ist so gefährlich zu singen, dass es nirgendwo mehr gemacht werden soll.

Kitas werden nicht als Teil des Systems Schule wahrgenommen

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Wenn sich Bundesbern mit Corona-Massnahmen beschäftigt, seien die Schulen schnell auf dem Radar, findet Thomet. Allerdings würden die familienergänzenden Bildungs- und Betreuungseinrichtungen dabei recht häufig vergessen gehen – oder sie kämen erst nachgelagert. Das Hauptproblem sei aber ein anderes: «Sie werden vor allem nicht im System Schule mitgedacht, und das ist aus unserer Sicht falsch.»

Wie gehen die Kitas mit dem Singverbot um?

Es ist ja nicht so, dass in den Kitas oder Tagesfamilien und schulergänzenden Betreuungen bis jetzt immer gesungen wurde. Wir wissen ja bereits seit Monaten, dass Singen eine grosse Ansteckungsgefahr bildet. Deshalb haben wir als Verband bereits im Sommer alle Institutionen aufgefordert, auf die klassischen Singkreise zu verzichten.

Da arbeiten Fachpersonen, die sind äusserst kreativ und finden Lösungen.

Wenn noch gesungen wurde, dann unter strengen Schutzmassnahmen. Viele haben schon längst Alternativen zum klassischen Singen gefunden, machen zum Beispiel einen «Verslikreis» am Morgen, oder nehmen sich auf beim Singen und zeigen das den Kindern, oder sie zeigen den Eltern die Lieder aus der Kita. Sie müssen keine Angst haben: Da arbeiten Fachpersonen, die sind äusserst kreativ und finden Lösungen.

Heisst das, das Singverbot ist keine grosse Einschränkung für die Kitas?

Das möchte ich so nicht sagen, natürlich ist das ein grosser Verlust. Singen ist eine freudige und pädagogisch sehr wertvolle Tätigkeit. Wenn die wegfällt, ist das äusserst schade. Aber wir sind in einer Krise, und wir müssen alle zusammenhalten und auf ganz viel verzichten. Und wenn das halt so ist, dass Singen besonders ansteckend ist, dann gehen wir damit so um und singen halt nicht mehr.

Wenn ein Kind beginnt zu Singen – wird das unterbunden oder darf es dann weitersingen?

Ich glaube, bei jedem Verbot und jeder Regel gilt noch das Verhältnismässigkeitsgebot. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man ein Kind, das ein bisschen für sich trällert, sein lässt. Was verboten ist, ist das gemeinsame Singen. Sollten wirklich mehrere Kinder einstimmen, gibt es immer noch die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Aber ich gehe wirklich nicht davon aus, dass die Betreuungspersonen anfangen, sich als Polizistinnen und Polizisten aufzuführen und die Kinder zurechtzuweisen. Das kann sich auch kein Mensch vorstellen, dass das gewollt war.

Das Gespräch führte Manuel Ramirez.

SRF 4 News aktuell, 10.12.2020, 6.23 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Amin Karbassi  (A.M.K.)
    Singen in Kitas zu verbieten ist sehr dumm. Ja, wir befinden uns mitten in einer Krise, und alle müssen einige Gewohnheiten aufgeben. Das bedeutet nicht aber, dass wir die Logik vom Fenster rauswerfen müssen! Was waren das für wissenschaftliche Beweise über die geringe Übertragungsrate des COVID-19-Virus unter Kindern?! Versteht der Bundesrat nicht, dass die meisten Fälle aus Familienzusammenkünften kommen, wo es keine Maske und soziale Distanzierung gibt?!!! Das Loch ist woanders.
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    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Es ist zwar richtig, dass Kinder offenbar (!) eine geringe Rolle bei der Verbreitung spielen, Gesichert ist diese Erkenntnis aber noch nicht (Quellenbeispiel: https://bit.ly/3n4XbND). Schon gar nicht, was die Aerosolprobloematik dabei noch ausrichtet. In diesem Sinne ist alles richtig, was dem Motto "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" gerecht wird. Etwas anderes könne wir uns nicht leisten. Und bis im Frühling werden das auch die kleinen überleben! Ihre Grosseltern auch, nur in echt...
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Was soll dieses künstliche Theater? Wer und wie oft singt mit den Kleinsten im Familienkreis. Welche Eltern, die ja die kleinen (berufsbedingt) in die Kita angeben müssen singt selber mit den Kleinen?
    Es geht um Aerosole Leute in künstlich beheizten Räumen mit viel zu trockener Luft. Das ist die Winterrealität. Das Virus setzt sich leichter in trockenen Schleimhäuten ab und gelangt so in die Zellen.
    Schleimhäute benötigen genügend Luftfeuchtigkeit um adäquat zu arbeiten und uns zu schützen.
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  • Kommentar von Elke van Zadel  (Elke van Zadel)
    Singverbot Kita - was ich nicht verstehe: die Kinder sind den ganzen Tag mit ihren Betreuer*innen zusammen und sie kommen sich auf wenig Raum auch sehr nah. Gerade Kleinkinder, die in den Arm genommen, getragen, gewickelt werden. Jetzt frage ich mich, ob man sich denn jetzt beim singen anstecken würde, aber sonst nicht? Sprich: man ist das ganze Tag mit dem Kind zusammen und ist ihm nah, aber man würde sich nicht anstecken, solange das Kind nicht singt?
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    1. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Setzen sie sich einmal mit dem Prinzip der Aerosole, der Virusmenge auseinander, dann finden sie die Antwort.
      Wenn Mensch etwas partout nicht will findet er ausserhalb der Begründungen und Wissenschaft immer noch eine Zusatzfrage.
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