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Zu wenig Personal für Kitas
Aus 10vor10 vom 21.07.2020.
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Zu wenig Betreuerinnen Kantönligeist gefährdet Qualität von Kindertagesstätten

Die Anforderungen an die Betreuungsschlüssel in den Kitas sind kantonal verschieden. Experten halten sie für ungenügend.

Wie viele Kleinkinder darf eine Mitarbeiterin betreuen und welche Ausbildung muss diese mitbringen? Der sogenannte Betreuungsschlüssel ist zentral für die Qualität einer Kindertagesstätte.

Doch genau dieses Kriterium ist in der Schweiz nicht einheitlich geregelt. SRF hat die Mindestanforderungen oder Empfehlungen aller Deutschschweizer Kantone recherchiert und verglichen.

Fünf oder acht Kinder pro Gruppe

Die Unterschiede sind gross: Bei Kleinkindern zwischen 18 Monaten und vier Jahren sind die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Luzern und Nidwalden am strengsten. Sie verlangen einen Schlüssel von einer Betreuerin auf fünf Kinder.

Zum Vergleich: In den Kantonen Wallis, Thurgau, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden darf sich eine Betreuerin um bis zu acht Kinder kümmern.

Auch Praktikantinnen zählen mit

Wohlgemerkt: In den allermeisten Kantonen kann die Betreuungsperson auch eine Praktikantin sein – sofern in der Gruppe eine ausgebildete Betreuungsperson anwesend ist. Zum Beispiel darf eine Gruppe von zwölf Kindern von einer Ausgebildeten und einer Praktikantin betreut werden.

«Aus wissenschaftlicher Sicht ist kein Kanton genügend», sagt Annika Butters, Pädagogin am Zürcher Marie-Meierhofer-Institut für das Kind. Internationale Studien würden zeigen, dass eine ausgebildete Fachperson für eine optimale Qualität maximal drei Kinder bis drei Jahre und maximal vier Kleinkinder bis vier Jahre betreuen sollte.

er Betreuungsschlüssel bestimme, wie das Personal auf die Kinder eingehen kann. Es gebe Kinder, die leiden besonders stark, wenn sie nicht genügend Aufmerksamkeit erhielten.

Eine Betreuerin für vier Säuglinge

Besonders wichtig ist der Betreuungsschlüssel bei Säuglingen bis 18 Monaten. Dort empfiehlt die Expertin, dass eine Person sich maximal um zwei Säuglinge kümmern muss. Die Realität ist weit davon entfernt. In den meisten Kantonen muss sich eine Betreuerin um bis zu vier Säuglinge kümmern.

Auch im internationalen Vergleichen steht die Schweiz nicht gut da. Vor allem der Ausbildungsstand des Kita-Personals lasse mit rund der Hälfte nicht Ausgebildeten zu wünschen übrig. Zu bedenken sei auch, dass zum Beispiel in nordischen Ländern längere Mutterschaftsurlaube gelten, sagt die Pädagogin. Die Säuglinge kommen in der Schweiz also in jüngerem Alter in die Krippe.

Mehr Personal führt zu höheren Preisen

Doch so schnell dürfte sich am Zustand nichts ändern. Denn es ist auch eine Frage der Kosten. «Eine gute Qualität ist wichtig, aber die Bezahlbarkeit der Krippenplätze ist auch wichtig», schreibt die Schweizerische Sozialdirektorenkonferenz (SODK) auf Anfrage.

Wenn mehr Personal angestellt würde, steigen die Betreuungskosten. Und gerade der Mittelstand habe dann ein Problem, solche Plätze auch bezahlen zu können. Ausserdem bestehe schon jetzt ein akuter Mangel an Fachkräften.

Krippenverband will mehr Geld

In einem Positionspapier fordert der Krippenverband Kibesuisse eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Qualität in der familienergänzenden Betreuung. Es gehe um das Wohl der Kinder. Dabei seien auch strengere einheitliche Vorgaben für den Betreuungsschlüssel zentral.

Mehr Personal sei nötig – und mindestens zwei Drittel davon müsste aus Ausgebildeten bestehen. Und damit die Preise für die Krippenplätze bezahlbar bleiben, brauche es eine Milliarde Franken zusätzlich vom Staat.

10vor10, 21.07.2020, 21:50 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Laimbacher  (Alaim)
    Frau Fitzi, Ihren Einwand kann ich gut verstehen. Und ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie bald eine passende Stelle finden.

    Sowohl die Entwicklung wie auch die Umsetzung eines adäquaten Konzepts würden wohl noch einige Zeit beanspruchen. Auch vor Corona schien die Zeit nicht reif... und sie wird es nie sein, wenn wir immer wieder Argumente, die dagegen sprechen, höher gewichten, als die, die dafür sprechen.

    Ich wünschte mir eine mutige CH, die sich traut, neue Wege zu beschreiten.
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  • Kommentar von Andrea Laimbacher  (Alaim)
    Die CH kann sich in einen familienfreundlichen Staat entwickeln, indem sie genau dieses Ziel anstrebt. Einiges wurde in den letzten Jahren bereits dafür geschaffen. Die Familien sind jedoch oft gestresst, Eltern ausgelaugt.
    Anstatt mit da (Kitas) und dort (Vaterschaftsurlaub) ein bisschen irgend etwas zu tun, braucht es ein Gesamtkonzept, das schrittweise für die ganze CH umgesetzt werden kann: mind. 12 Mt. Elternzeit, Kitas, die Kinder altersentsprechend betreut und fördert, Tagesschulen.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Laimbacher, das würde Arbeitnehmer für genau ein Jahreslohn verteuern. Sind Sie sich sicher, dass dieser Vorschlag genau jetzt adäquat ist? Ich bin auf Stellensuche und stelle fest, dass gleiche Stellen, wie meine aktuelle, um bis zu 30% tieferes Lohnniveau bedeuten als vor Corona. Ich bin sicherlich nicht allein mit dieser Feststellung. Und da Arbeitnehmer ohne Leistung an die Firmen nochmals verteuern? Ich denke nicht, dass das der Weg ist...
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  • Kommentar von Andrea Laimbacher  (Alaim)
    Als Kriterien für die Qualität der Kinderbetreuung sollten zwingend Faktoren gelten, die sich sowohl auf die kindliche Entwicklung positiv auswirken wie auch die der Eltern mit einbezieht. Darum ist es wichtig, dass die Gesellschaft die Eltern in ihrer Rolle als Förderer und Erzieher unterstützt.

    Wir sollten endlich über die Elternzeit von 12 Mt. diskutieren. Die CH produziert aus meiner Sicht laufend Puzzleteile, die nicht in das Bild unserer modernen Gesellschaft und Familienpolitik passen.
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