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Epidemiologe Tanner erachtet Masken im ÖV weiterhin als sinnvoll
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.08.2021.
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Corona-Massnahmen Lässt die epidemiologische Lage Lockerungen zu?

Heute berät der Bundesrat über weitere Entscheide zu Corona und hält dazu am Nachmittag eine Medienkonferenz ab. Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen liegt wieder bei über 1000 pro Tag. Epidemiologe Marcel Tanner erklärt, was das aus wissenschaftlicher Sicht heisst. Offen bleibt, ob der Bundesrat die letzte Phase, die Normalisierungsphase trotzdem ankündigen kann.

Marcel Tanner

Marcel Tanner

Epidemiologe und ehemaliges Mitglied der Covid-19-Taskforce

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Marcel Tanner ist Präsident der Akademien der Wissenschaft, emeritierter Epidemiologie-Professor und war bis Januar 2021 Mitglied der vom Bundesrat eingesetzten Covid-19-Taskforce.

SRF News: Sind die Voraussetzungen erfüllt, dass der Bundesrat den Übergang in die Normalisierungsphase bekannt geben kann?

Marcel Tanner: Wir sind sicher auf dem Weg zur Normalisierungsphase. Man sollte nicht nur die Fallzahlen anschauen, sondern man muss die ganze Situation beurteilen. Wir haben einerseits immer noch Einige, die sich impfen lassen wollen. Diese müssen wir mit niederschwelligen Angeboten oder vielleicht in direktem Kontakt ansprechen, wie dies in England gemacht wurde. Man muss auch sehen, dass wir – obwohl die Fallzahlen steigen – keinen entsprechenden Anstieg in der Hospitalisierung und bei der Belegung der Intensivbetten haben, wie wir das im letzten Jahr erlebten als die Risikogruppen noch nicht geimpft waren. Derzeit ist der Anteil der sich Infizierenden und nicht geimpften Risikopersonen (Alter und Vorerkrankungen) weit geringer. Das entspricht den Kriterien für eine Normalisierung.

Hinweis

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In einer ersten Version wurde Marcel Tanner so zitiert: «Man muss auch sehen, dass wir – obwohl die Fallzahlen steigen – keinen Anstieg in der Hospitalisierung und bei der Belegung der Intensivbetten haben». Mittlerweile hat er seine Aussage präzisiert und der Text wurde entsprechend angepasst.

Normalisierung bedeutet nicht einfach Aufhebung aller Massnahmen, sondern dass wir überdenken, wo die Maskenpflicht noch einen Sinn hat.
Autor:

Wir sind aber noch nicht an dem Punkt, an dem wir alle Impfwilligen erreicht haben. Da sind noch die jungen Menschen unter zwölf Jahren, die wir noch nicht einbeziehen können. Es gibt auch Menschen, die einen schlechten Zugang zur Impfung haben. Dazu kommen die, die aus den Ferien zurückkehren. Auch sie müssen eingeschlossen werden.

Und Normalisierung bedeutet nicht einfach Aufhebung aller Massnahmen, sondern dass wir überdenken, wo die Maskenpflicht noch einen Sinn hat: in öffentlichen Verkehrsmitteln und in den Innenräumen der öffentlichen Gebäude. Und wir müssen gewährleisten, dass in den Schulen noch regelmässig getestet wird. Auch sollten die Testmöglichkeiten offenbleiben. Wenn die Tests bezahlt werden müssen, stimuliert das nicht unbedingt die Impfwilligkeit, sondern es führt dazu, dass wir den Überblick verlieren, wie sich die Situation entwickelt.

Von einem «Freedom Day» am 1. September sind wir Ihrer Ansicht nach noch ein Stückchen weit weg?

Wir sind zwar noch davon entfernt, aber wir können die Normalisierungsphase in kurzer Zeit einleiten. Ob das am 1. September ist oder nicht, ist unerheblich. Wichtig ist, dass wir nahe davor stehen. Wir müssen den Menschen die Perspektive geben, dass wir vieles in der Hand haben, jetzt wesentliche Schritte zu machen.

Druck auf Nicht-Geimpfte in Deutschland

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Druck auf Nicht-Geimpfte in Deutschland
Legende: Keystone

Deutschland erhöht den Druck auf jene Personen, die sich nicht impfen lassen wollen: Ab dem 11. Oktober müssen Corona-Schnelltests grundsätzlich selber bezahlt werden. Solche Tests werden für Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene vielerorts zur Pflicht für Aktivitäten in Innenräumen. Das betrifft etwa den Restaurantbesuch, den Besuch beim Coiffeur oder Sport im Fitnessstudio, aber auch Besuche in Krankenhäusern oder Alters- und Pflegeheimen. Ausnahmen gelten nach einem Beschluss von Bund und Ländern vom Dienstag für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Das sind insbesondere Schwangere und Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. An noch nicht Geimpfte appellierte Kanzlerin Angela Merkel, jetzt schnellstmöglich die bestehenden Impfangebote wahrzunehmen. (sda)

Falls der Bundesrat schneller vorgeht, als Sie empfehlen: Wie gross ist die Gefahr aus epidemiologischer Sicht?

Das ist keine grosse Gefahr. Ich glaube, der Bundesrat wird nicht schneller sein, als wir empfehlen, sondern er wird genau diese Punkte beachten und diese Ausblicke geben. Er wird bewusst sagen, dass wir uns auf die Normalisierungsphase zubewegen können und müssen.

Wir müssen die Verantwortung in der Gesellschaft verteilen und nicht einfach alles in Bundes- und Kantonsverantwortung belassen. Dazu stehen die Zeichen gut. Wir warnen nicht, dass nichts geschehen soll, sondern wir unterstützen, dass etwas geschehen kann, wenn gewisse Aspekte konsequent beachtet werden.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

SRF 4 News, 11.08.2021, 09:20 Uhr;

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Gröflin  (Unwohl)
    Vielleicht könnten ungeimpfte sich testen zu lassen ob sie Antikörper haben und sie bereits genesen sind. Das gäbe ein Attest „genesen“. Wäre vielleicht sinnvoller wie das ewige Testen und auf den ungeimpften herum zu trampen. Das bezahlt man jedoch selber und wurde nie in Erwägung gezogen. Warum eigentlich?
    Jeder hat seine Gründe wie er/sie sich verhalten möchte. Ich spüre jedoch nur Impfen, impfen gleich gute, gute Bürger und böse, böse ungeimpfte.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Zunahme - Abnahme der Ansteckungszahlen, zeigen klar und deutlich auf, wie Mensch sich zu verhalten hat! Egal ob geimpft oder nicht!
  • Kommentar von Patrick Umbach  (P-Umbach)
    Der grosse Irrtum von Berset und Tanner: sie gehen zu allgemein von der vernünftigen Mitbürgerin aus. Während es vor Corona für die Gesellschaft als Ganzes genügte, dass sich die meisten Mitbürger vernünftig verhielten, reicht dem Virus eine 20-30 % Minderheit Unvernünftiger, um alle zu gefährden (Spitäler zu überfüllen, Mutationen zu produzieren etc.). Deshalb muss bis zum Ende der Pandemie die Regierung ihr Bürgerverständnis ändern und bei den Massnahmen vom dümmsten Mitbürger ausgehen.
    1. Antwort von Samuel Keusch  (samuel_97)
      Warum sollten Berset und co. nicht klar sein, dass es eine Menge Unvernünftiger gibt? Das ist doch logisch... Selbst wenn im einen Interview gesagt wird, man setze auf die Eigenverantwortung, heisst das doch nicht, dass sie komplett darauf setzen. Und wie sie darauf kommen, dass bereits 20-30% Unvernünftiger ausreicht, um Spitäler zu überfüllen, möchte ich auch gern wissen.
    2. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      nun hr keusch das ist doch eine einfache rechnung. angeommen es sind noch 3mio menschen nicht geimpft. stellt sich nur die frage wieviele von denen erkranken, ins spital müssten und schlimmeres. wenn sie rund 850-950 IPs betten betreiben können mit dem verfügbaren personal und sagen wir grosszügig die hälfte könnte für covid patienten gebraucht werden. dann muss es nur rund 500 sehr hart treffen von 3 mio. warum sollte das nicht möglich sein?