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Berset zur Zertifikatspflicht: «Bis jetzt null Alternativen gehört»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 25.08.2021.
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Corona-Massnahmen Wann genau weiten Sie die Zertifikatspflicht aus, Herr Bundesrat?

Der Bundesrat sieht die Spitäler unter Druck durch die steigende Zahl der Neuinfektionen. Um eine Überlastung zu vermeiden, prüft er eine Zertifikatspflicht für Restaurants, Bars, Fitnesscenter sowie Kultureinrichtungen. Aber was sind die Kriterien für eine Ausweitung der Zertifikatspflicht? Gesundheitsminister Alain Berset im Interview.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

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Der 49-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF News: Herr Bundesrat, die wissenschaftliche Taskforce hat am Dienstag gesagt: «Wir sind im Moment nicht imstande, Prognosen zu machen.» Sie müssen trotzdem entscheiden. Entscheiden Sie ein bisschen im Blindflug?

Bundesrat Alain Berset: Es gibt keine Prognose, aber es gibt einfach die Beobachtung der Situation. Es gibt immer wieder viele Überraschungen. Wir orientieren uns an der Situation der Spitäler. Was wir unbedingt verhindern müssen, ist eine Überlastung der Spitäler, und da schauen wir ganz genau hin. Und wir müssen auch gut vorbereitet sein für Massnahmen, um das verhindern zu können.

Es war vor zehn Tagen sehr besorgniserregend. Plötzlich ist es ein bisschen besser.

Eine Massnahme, die Sie vorsorglich vorschlagen, ist die Ausweitung der Zertifikatspflicht. Sie nennen kein Datum, keine genauen Kriterien, ob und wann diese Ausweitung stattfindet. Es wirkt trotzdem ein bisschen ratlos.

Es ist ein grosser Fortschritt im Vergleich zu dem, was bis jetzt passiert ist. Was haben wir in solchen Situationen bisher gemacht? Wir mussten einfach Aktivitäten schliessen. Die Restaurants waren während Monaten zu. Das ist vorbei. Ziel ist es, eine Überlastung des Spitalsystems zu verhindern.

Aber wann genau? Das wurde heute nicht klar. Was sind Ihre Kriterien? Wann können Sie den Entscheid fällen?

Leider wissen wir es nicht. Es ist abhängig von der Entwicklung der Situation. Wie die Fallzahlen und vor allem die Hospitalisierungen sich entwickeln. Es war vor zehn Tagen sehr besorgniserregend. Plötzlich ist es ein bisschen besser, man weiss nicht wieso.

Entschieden ist noch nichts. Trotzdem gibt es schon sehr viel Kritik. Für die Kritiker der Massnahmen ist diese Ausweitung einfach eine versteckte Impfpflicht.

Ich habe bis jetzt einfach keine Alternativen gehört. Was ist die Rolle der Regierung? Wir versuchen, die Schweiz durch diese Krise zu führen und das Leid zu vermindern. Das versuchen wir seit 18 Monaten. Das ist nicht einfach und es gibt auch Fehler. Die muss man korrigieren. Aber wenn man kritisieren will, braucht es auch Alternativen. Es gibt bis jetzt keine. Das heisst, wir haben lieber mit dem Zertifikat eine Situation, in der wir keine Schliessungen mehr brauchen. Das ist schon ein grosser Fortschritt.

Weil viel zu viele Leute noch nicht geimpft sind, droht nach wie vor eine Überlastung des Spitalsystems.

Ist das eigentlich das letzte Mittel, diese Ausweitung der Zertifikatspflicht? Vor zwei Wochen haben Sie geschrieben, strengere Massnahmen seien nicht mehr verhältnismässig.

Eine klare Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung ist geimpft. Wie könnte man für diese Leute Schliessungen oder Einschränkungen noch rechtfertigen? Das geht nicht mehr. Gleichzeitig droht nach wie vor eine Überlastung des Spitalsystems, weil viel zu viele Leute noch nicht geimpft sind. Es ist nicht einfach, da einen guten Weg zu finden.

Das Gespräch führte Gion-Duri Vincenz.

SRF 1, Tagesschau, 25.08.2021, 19:30 Uhr;

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Hugo Wolf  (Hugo Wolf)
    Und wieder diskutieren alle über einen Restaurantbesuch, was ist eigentlich mit der Kosmetikbranche (Coiffeur, Nailstudios usw.), wo sich alle befummeln? Im Restaurant fasst mich niemand an und kommt mir zu nahe. Ist da nicht auch ein Zertifikat nötig?
    1. Antwort von Chris Tobler  (Christo)
      ganz einfach: im Restaurant gibt es beim Essen keine Maskenpflicht - dies wäre ja ziemlich schwierig umzusetzen...
  • Kommentar von Martin Gebauer  (Mäde)
    1. Die Impfung schützt lediglich vor schweren Verläufen, allerdings sind auch schwere Verläufe möglich, wenn alle geimpft sind. 2. Das Zertifikat ist aus ethischen Erwägungen hochproblematisch, es spaltet die Gesellschaft unnötigerweise. Zudem führt es zu einer falschen Sicherheit. Zu viele meinen, man sei mit einem Zertifikat sicher und man könne nun alle Hemmungen fallen lassen. 3. Richtig wäre, das Zertifikat abzuschaffen und weiterhin alle persönlichen Schutzmassnahmen einzuhalten.
    1. Antwort von Hugo Wolf  (Hugo Wolf)
      Es gibt doch noch vernünftige Menschen, Danke Mäde, Du bringst es auf den Punkt!
    2. Antwort von Chris Tobler  (Christo)
      @ Mäde:
      1. das stimmt klar nicht (Fakenews)
      2. Ziel des Zertifikats ist es, die Fallzahlen zu reduzieren, damit verbunden:
      - das Gesundheitswesen wird entlastet
      - wichtige Operationen können durchgeführt werden
      - niemand muss entscheiden, wer behandelt wird (z.B. ein Krebskranker oder ein nicht geimpfter Coronapatient)
      - es gibt weniger Tote
      - es braucht weniger Massnahmen (Lockdown soll unbedingt vermieden werden)
      3. das funktioniert ja nicht (sehen Sie sich die Fallzahlen an)
  • Kommentar von Sonja Nemeth  (Patschifig)
    An alle die, die glauben, dass sich Junge jetz mehr privat treffen - earum hat diese Gruppe beim Lockdown so ein Theater gemacht, weil sie keine NEUE Freunde kennenlernen können und sie sich nur mit 3-5 weiteren Freunden treffen durften?
    Soviel zu eurer Alternativen Logik!