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Carmen Walker Späh: «Man kann nicht Restaurants öffnen und den Leuten sagen, sie sollen zu Hause bleiben.»
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 15.03.2021.
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Corona-Massnahmen Zürcher Regierung dürfte sich für mehr Lockerungen einsetzen

Der Bundesrat möchte langsam und schrittweise lockern, dies hat er am 12. März angekündigt. Die Zürcher Kantonsregierung dürfte sich beim Bundesrat für schnellere Lockerungen einsetzen, lässt Regierungsrätin Carmen Walker Späh im Gespräch mit dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» durchblicken. Denn Zürich sei von der Krise noch mehr betroffen als andere Kantone. 15 Milliarden Franken würden der Wirtschaft wegen der Pandemie entgehen.

Carmen Walker Späh

Carmen Walker Späh

Volkswirtschaftsdirektorin Kanton Zürich

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Carmen Walker Späh, geb. 1958, wurde 2015 in den Zürcher Regierungsrat gewählt. Seither steht sie der Volkswirtschaftsdirektion vor. Bis zu ihrer Wahl arbeitete Carmen Walker Späh als selbständige Rechtsanwältin. Von 2002 bis 2015 hatte sie einen Sitz im Zürcher Kantonsrat. Ausserdem präsidierte sie von 2010 bis 2017 die FDP-Frauen Schweiz. Die Zürcher Politikerin ist gebürtige Urnerin und heimatberechtigt in Wassen und Zürich.

SRF: Wie gut hat der Kanton Zürich die Krise wirtschaftlich bewältigt?

Carmen Walker Späh: Die 15 Milliarden Franken sind für eine Volkswirtschaftsdirektorin eine unglaublich gigantisch-riesige Zahl, die extrem schmerzt. Die Zürcher Wirtschaft ist stärker betroffen als die übrige Schweiz. Wir sind um vier Prozent eingebrochen, der schweizerische Durchschnitt liegt bei 3,1 Prozent.

Ist das nur Schicksal oder machten es die anderen besser?

Es hat sehr viel mit dem Flughafen zu tun. Mit dem Einbruch der Reisetätigkeit blieben auch die Gäste aus. Im Vergleich mit den Bergkantonen haben wir seit dem März 2020 in der Hotellerie leere Betten.

Die wirtschaftlichen Prognosen von Kanton und Bund sind nicht so schlecht. Ist das Gröbste jetzt schon überstanden?

Das hängt natürlich enorm stark vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. BAK Economics rechnet aber tatsächlich mit einem Wachstum von 3.6 Prozent. So schwer die Krise für die Unternehmen auch ist, ich glaube daran, dass die Menschen sofort wieder in die Restaurants gehen oder reisen wollen. Die Wirtschaft hat die Chance, sich rasch zu erholen.

Carmen Walker Späh, sie verlangten bei der Medienkonferenz weitere Lockerungen des Bundes. Zum Beispiel, dass die Quarantänepflicht beim Reisen aufgehoben wird oder auch die Homeoffice-Pflicht. Halten Sie daran fest?

Ich kann der Stellungnahme des Regierungsrats nicht vorgreifen, aber was man sicher sagen kann: Die ganze Diskussion um die Homeoffice-Pflicht per Gesetz berücksichtigt die schwerwiegenden Konsequenzen für alle Lebensbereiche nicht. Man kann nicht Restaurants öffnen und den Leuten sagen, sie sollen zu Hause bleiben und sich dort verpflegen. Ich wünschte mir, dass man vom Zwang, von der Regulierung, wieder zurückgeht auf eine Empfehlung.

Man kann nicht nur auf die (Fall-)Zahlen fokussieren, sondern muss die gesamte Situation ansehen.

Der Bundesrat will viel weniger weit gehen. Er sagt auch, dass der Zeitpunkt für die kleinen Öffnungsschritte nicht optimal ist, Stichwort «dritte Welle». Was sagen Sie dazu?

Wir verzeichnen hier auch einen leichten Anstieg der Zahlen. Allerdings sehen wir vor allem einen Anstieg bei den jungen Leuten. Bei den älteren, auch vulnerablen Personen, sehen wir das Wirken der Impfung. Von daher kann man nicht einfach nur auf die Zahlen fokussieren, sondern muss die gesamte Situation ansehen. Insbesondere auch die Situation in den Spitälern.

Beim ersten Shutdown gehörte der Kanton Zürich zu den ersten, der wieder Lockerungen verlangte. Diese kamen auch. Das Resultat: Im Herbst gab es in der Schweiz fast am meisten Todesfälle in ganz Europa. Rückblickend gesehen: War das richtig?

Ja, ich denke, das war damals richtig. Die Wirtschaft hatte einen guten Sommer, sie konnte «Löcher stopfen». Das Virus griff erst wieder um sich, als sich die Menschen wieder vermehrt in Innenräumen aufhielten. Und wir wissen ja heute noch nicht, ob der rasante Anstieg nicht bereits vom mutierten Virus stammte.

Das Gespräch führte Hans-Peter Künzi. Sie finden es in voller Länge im Audio oben im Beitrag.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 14.03.2021, 17:30 Uhr;

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    Kantonsregierungen die zum gegenwärtigen Zeitpunkt Forderungen nach Lockerungen stellen, haben offensichtlich ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Oder aber sie fordern die Lockerungen wider besseres Wissen nur aus populistischen Gründen ...
  • Kommentar von Henri Jendly  (Henri Jendly)
    Interessante Forderungen der Kantone: zuerst den ganzen letzten Sommer verschlafen, 2.Welle mit zu verantworten, dann Forderungen stellen und die 3. Welle bewusst in Kauf nehmen - und dann? Wieder die Verantwortung abschieben? Wäre ja nichts Neues! Dasselbe Problem wie die bürgerlichen Parteien - aus der Verantwortung stehlen, aber Forderungen stellen!
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      H. Jendly ihre Beurteilung ist mir etwas zu einseitig, alle waren in einer ungewissen Situation, darum sitzen alle im gleichen Boot der Ungewissheit. Zudem sollte jeder Mensch wissen, dass man selber mit helfen könnte, um dieses Virus einzudämmen. Forderungen stellen nicht nur bürgerliche, nein auch Linke die mehr Geld fordern vom Staat, Bürgerliche wollen die Menschen arbeiten lassen, damit die Schuldenlast für die nächste Generation nicht ins unendliche geht, die es später berappen müssen.
  • Kommentar von Franz Wyss  (franzw)
    Ob es Einigkeit gibt im RR oder nicht, ist für uns nicht immer sichtbar. Sichtbar ist aber, dass auch der RR alles gibt, um das Beste für die Menschen und für die Wirtschaft zu machen! Danke!