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Riskantes SVP-Spiel: Flirt mit Impfgegnern
Aus Rundschau vom 22.09.2021.
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Corona-Massnahmengegner Riskantes Spiel: Wird die SVP zur Partei der Massnahmenskeptiker?

«Ich bin der SVP beigetreten, weil sie die einzige Partei ist, die gegen die Corona-Massnahmen kämpft», sagt Andreas Toscan aus Bätterkinden (BE). Der Medienunternehmer trägt stolz ein T-Shirt mit der Aufschrift «ungeimpft». Er ist in der Bewegung gegen die Corona-Massnahmen aktiv und nimmt an Demonstrationen teil.

Der gut vernetzte Massnahmengegner betont im Gespräch mit der «Rundschau»: «Ich bin nur wegen Corona der SVP beigetreten.» Er sei sonst nicht besonders an Parteipolitik interessiert. «Aber mit der Zertifikatspflicht hat der Bundesrat eine rote Linie überschritten», so das frisch gebackene Parteimitglied.

Die Partei vermeldet viele Neueintritte  

«Wir haben in den letzten Monaten einen sehr starken Zuwachs an neuen Mitgliedern», sagt SVP-Nationalrat Marcel Dettling. Er ist einer der SVP-Wortführer in Sachen Corona: «Wir merken, dass sich die Leute an jemanden klammern, der auch ihre Meinung vertritt», sagt Dettling.

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Marcel Dettling, Nationalrat SVP/SZ: «Wir merken, dass die Leute sich an jemanden klammern, der ihre Meinung vertritt.»
Aus News-Clip vom 21.09.2021.
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Er verneint, dass die SVP mit ihrer Coronapolitik aktiv versuche, Massnahmengegner für die SVP zu gewinnen. «Wir waren von Anfang an immer gegen überrissene Massnahmen», so Dettling. Die SVP habe ihre Linie nicht verändert und sei auch nicht umgeschwenkt.

Kehrseite – auch viele Parteiaustritte

Doch die  Neueintritte sind nur eine Seite der Medaille. Ein Informant hat der «Rundschau» einen Stapel Austrittsbriefe an die SVP zugespielt. Austrittsgrund in fast allen Briefen: Die Coronapolitik der Partei.

«Keine Lösungen, nur Polemik», schreibt ein Parteimitglied, das der SVP nach «vielen Jahren» den Rücken kehrt. Ein anderes Mitglied schreibt, «der absurde Widerstand gegen die Zertifikatspflicht» habe für ihn das Fass zum Überlaufen gebracht.

Gemäss dem Informanten sind alleine dieses Jahr «Hunderte» aus der SVP ausgetreten. Gleichzeitig seien mehr «Massnahmengegner und Impfskeptiker» in die Partei geströmt. «Austritte gab es schon immer», sagt dazu Nationalrat Marcel Dettling. «Was zurzeit aber klar überwiegt, sind die Neueintritte.»

Freude an Ueli Maurer in der Trychlerkutte

Andreas Toscan ist genau ein solches Neumitglied. Er hat sich auch gefreut, dass Bundesrat Ueli Maurer vergangene Woche in einer Kutte der sogenannten «Freiheitstrychler» posiert hat. «Ueli Maurer hat damit gezeigt, dass er auf unserer Seite steht», sagt der aktive Massnahmengegner der «Rundschau».

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SVP-Neumitglied Andreas Toscan zu Ueli Maurer in der Kutte der Freiheitstrychler
Aus News-Clip vom 22.09.2021.
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Auf der anderen Seite ist Toscan enttäuscht, dass «nicht alle in der Partei mitziehen». Besonders ärgern Toscan SVP-Gesundheitsdirektoren wie Natalie Rickli (ZH) oder Jean-Pierre Gallati (AG), die vor vollen Spitälern warnen.

Besonders unter Druck: SVP-Gesundheitsdirektoren

Der Aargauer SVP-Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati appellierte vergangenen Freitag in Buchs (AG) an seine Parteibasis.

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Jean-Pierre Gallati, Gesundheitsdirektor AG/SVP: «Welche Pandemie in der Geschichte der Menschheit wurde mit dem Verabsolutieren der persönlichen Freiheit besiegt?»
Aus News-Clip vom 21.09.2021.
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«Welche Pandemie in der Geschichte der Menschheit wurde erfolgreich mit dem Verabsolutieren der persönlichen Freiheit bekämpft?», fragte Gallati seine Basis. Es gebe Momente, in denen die persönliche Freiheit wohl limitiert werden müsse.

«Es geht darum, dass es möglichst wenig Ansteckungen gibt, damit die Spitäler nicht überlastet sind», sagte Gallati weiter.

Bei Andreas Toscan stossen solche Appelle auf taube Ohren. Das Neumitglied wünscht sich, dass seine Partei geschlossen gegen die Massnahmen kämpft.

Rundschau, 22.09.2021, 20:05 Uhr

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208 Kommentare

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  • Kommentar von Gert Jähn  (Gert)
    Auf solche neuen Parteimitglieder kann ich sehr gut verzichten. Nur Proviteure und Schmarotzer. Unsozial bis zum geht nicht mehr. RR Gallatti danke für befürworten der Zertitikatspflicht und Privat-Zahlung der Tests für Unbelehrbare.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Da bin ich auch ihrer Meinung.
  • Kommentar von Reinhard Grunder  (Reinhard Grunder)
    Nehmt euch ein Beispiel an Ueli Maurer und Christoph Blocher. Ueli Maurer ist geimpft Christoph Blocher ist geimpft und rät sogar allen sich auch impfen zu lassen. Also liebe SVP Parteimitglieder und Partei Anhänger, ihr wisst jetzt was sich für einen SVPler geziemt.
    1. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Bigotterie ist nun mal der Stil der SVP Führung, schon immer gewesen und dem Fußvolk scheint‘s egal zu sein. Verstehe wer’s kann.
    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Herr Berliner, ich fürchte, das verstehen nicht alle auf Anhieb. Ich versuche mit einer Übersetzung vermittelnd einzugreifen:
      Bigotterie = Scheinheiligkeit
    3. Antwort von Pierre de Senarclens  (Pierre de Senarclens)
      Und trotzdem sympathisiert Mauerer mit den Massnahmengegnern.
      Wie soll man das nennen: Heuchlerisch? Anbiedernd? Charakterlos? Verlogen?
    4. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      Was hat das mit dem Impfzustand zu tun? Man kann sehr wohl geimpft sein und gewisse Maßnahmen wie Zertifikatspflicht völlig ablehnen.
    5. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Herr Pfister: für sich selber vernünftigerweise gesorgt, wenn das Fußvolk auf der Intensiv landet, egal, genauso wie der Rest der Gesellschaft, scheissegal. Me first halt.
    6. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      @pierre: Maurer sympathisiert nicht mit den Massnahmengegnern sondern biedert sich mit ihnen an, damit sie glauben, er sei auf ihrer Seite. Das war ein genialer Move, das muss man ihm lassen.
  • Kommentar von Matthias Emmenegger  (staunt länger je mehr)
    Akcio=Reactio, Je wenige Massnahmen nachvollziehbar und verständlich sind, desto mehr reactio. Vielleicht einmal beim Actio aufräumen und wieder vernünftige Massnahmen definieren und das Reactio wird automatisch verstummen.
    1. Antwort von Felix Raschle  (Der Unglückliche)
      Das glaube ich Ihnen nicht. Es geht vielen nur um das Prinzip motzen. Das hat lange vor der Pandemie begonnen. Es ist für gewisse Kreise in, gegen alles zu sein!
    2. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      F. Raschle es geht vielen nur um das Prinzip motzen, was für eine Beurteilung. Frage sehen Sie andere Meinungen als gemotzte an? Warum respektiert man andere Meinungen nicht? Wer hat einen Vorteil davon? Reaktion=Gegenreaktion ist hier in Ihrem Kommentar gut zu sehen. Anerkennung anderer Meinungen würden eventuell weniger zur Spaltung führen. Respektvoll mit Anstand, dies ALLSEITS würde eventuell mehr Beruhigung bringen im allgemeinen.
    3. Antwort von Patrick Meier  (Pat69)
      Ich denke, man muss unterscheiden zwischen virtueller und echter Realität. Der Anteil Leute die lauthals reagiert im Internet oder an den Freiluftveranstaltungen in verschiedenen Städten ist medial stark präsent. Dass 150 UZH-Studierende gegen die Zertifikatspflicht demonstrieren kommt in den Medien. Die anderen 30'000 UZH-Studis, die das nicht tun nicht. Die sog. gesellschaftliche Spaltung ist die Erfindung einer sich gerne selbst inszenierenden Minderheit, jedoch nicht real existent.
    4. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Die wenigen Massnahmen, die wir in der Schweiz haben, sind vernünftig und nachvollziehbar.