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Corona-Tote Was bedeutet die aktuelle Untersterblichkeit?

Seit Ende Dezember sind die Todeszahlen stark gesunken, in den letzten Wochen meldet das Bundesamt für Statistik bei den über-65-Jährigen gar eine Untersterblichkeit. Wir erklären, was das bedeutet.

Viele ächzen unter den Corona-Massnahmen. Dabei hat die Zahl der Covid-Kranken in den Spitälern deutlich abgenommen und es sterben immer weniger Menschen am Virus. Also alles gut und schnell öffnen? Schliesslich sollen die Massnahmen Leben schützen und die Spitäler vor der Überlastung.

Aber nach wie vor ist Vorsicht geboten: Seit knapp zwei Wochen steigen die Fallzahlen wieder etwas. Der R-Wert ist knapp grösser als eins.

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Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG: «Infektionszahlen gehen eher wieder leicht rauf» (franz.)
Aus News-Clip vom 09.03.2021.
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Bis jemand nach einer Infektion mit dem Corona-Virus ins Spital muss, dauert es meist zwei Wochen oder mehr, bis zum Tod noch länger. Das heisst: Steigen die Fallzahlen wieder, werden die Hospitalisierungs- und Todeszahlen folgen.

Momentan könne niemand sagen, wie sich die Fallzahlen entwickeln, hat Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Taskforce, am Dienstag gesagt.

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Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Covid-19 Taskforce: «Komplexität macht es schwierig, Richtung anzugeben»
Aus News-Clip vom 09.03.2021.
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Mögliche Treiber der Epidemie seien die erneuten Lockerungen und die ansteckendere Variante B.1.1.7., die nun fast 70 Prozent der Ansteckungen ausmacht – auch wenn die festgestellten Neuansteckungen etwas unter dem Szenario der Taskforce liegen.

Bremsend wirken könne ein massives Testregime, wie es der Bund möchte – wenn es flächendeckend funktioniert. Was dauern wird: Die Umsetzung sei ein Kraftakt für die Kantone, sagte Rudolf Hauri, Kantonsarzt von Zug, gestern.

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Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte: «Mit organisatorischen Fragen beschäftigt»
Aus News-Clip vom 09.03.2021.
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Bremsen können auch die Impfungen, speziell bei Hospitalisierungen und Tod, weil zuerst die Risikopersonen geimpft werden. Aber bis alle so geschützt sind, wird es wohl Ende April.

Auch die allgemeine Sterblichkeitskurve sollte man mit Vorsicht betrachten, selbst wenn sie bei den über 65-Jährigen plötzlich Erfreuliches anzuzeigen scheint: eine Untersterblichkeit. Diese Untersterblichkeit in der nationalen Kurve geht auf eine Untersterblichkeit in der Genfersee-Region zurück. Aber diese, sagt Christoph Junker vom Bundesamt für Statistik (BFS), «ist teilweise auf verzögerte Meldungen von Todesfällen aus dem Kanton Waadt zurückzuführen» - und damit wohl nur begrenzt real.

Aber auch die Sterbekurven anderer Regionen weisen in Richtung Untersterblichkeit. So könnte diese doch noch eintreten. Das kann laut BFS verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel gab es – wohl wegen der Corona-Schutzmassnahmen – keine Grippetote. Und es könne sein, dass manche der Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, so alt und krank waren, dass ihr Leben nur um Wochen abgekürzt wurde.

Wie gross dieser ausgleichende Effekt werden kann, sei schwer vorauszusagen, sagt Christoph Junker. Das BFS analysiere die Pandemie der Spanischen Grippe von 1918 bis 1921. Nach drei Jahren mit hoher Sterblichkeit folgten sechs Jahre mit tiefer Sterblichkeit. Da man aber bei keinem Menschen sagen könne, wie lange er hätte leben können, sei eine genaue Bilanz nicht möglich.

Was man sagen kann: Von den über 9000 Menschen, die in der Schweiz bisher im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind, haben die meisten einige Lebenszeit verloren, vor allem die etwa 2600 unter 80-Jährigen. Diese vielen kumulierten Jahre werden statistisch kaum aufzuholen sein.

SRF info, 9. März 2021, 14:00 Uhr

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Notter  (Phil1)
    „Was man sagen kann: Von den über 9000 Menschen, die in der Schweiz bisher im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind, haben die meisten einige Lebenszeit verloren“

    Finde diese Aussage höchst spekulativ, da nicht wenige der mit Covid-19 Verstorbenen mindestens eine schwere Vorerkrankung hatten.

    Oder liege ich falsch?
    1. Antwort von Peter Grisiger  (Peter1)
      Ja, man könnte sagen, dass einige dieser Menschen kein Jahr mehr gelebt hätten. Deshalb die Untersterblichkeit
      Das Zeigt sich auch beim Impfen. Über 100 Menschen sind danach gestorben. Vermutlich nicht am Impfen sondern einfach weil Sie zu
      krank waren.
    2. Antwort von Angela Fischli  (Angela Fischli)
      Vor 100 oder 150 Jahren, lag das Lebensalter bei 60 bzw bei 65 Jahren. Heute liegt das Alter bei 80 Jahren und höher. Also, wenn heute jemand mit Ü80 verstirbt (mit Corona oder ohne) ist es das Lebensalter und Vorerkrankung. Gönne jedem auch älter zu werden, aber das liegt nicht in unseren Händen, das nennt man Schicksal. Das Schicksal schlägt auch zu wenn man an Krebs oder an anderen Krankheiten, erkrankt ist
  • Kommentar von Angela Fischli  (Angela Fischli)
    Liebes SRF- Team. 1960 wurde das SARS Covid 2 bekannt. Mich interessiert wieviel damals an Covid 2 und wieviel 2020 an Covid 19 verstorben sind
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Angela Fischli

      Liebe Frau Fischli
      Den Namen SARS gibt es erst seit 2002: https://www.who.int/health-topics/severe-acute-respiratory-syndrome

      Den Namen Covid-19 seit Februar 2020: https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/technical-guidance/naming-the-coronavirus-disease-(covid-2019)-and-the-virus-that-causes-it

      Die erste wissenschaftliche Beschreibung von humanen Coronaviren war 1965 im British Medical Journal: https://www.bmj.com/content/369/bmj.m1547

      Die beziehen sich auf einen Nasenabstrich von 1960, bei einem Jungen. Aber erstmal beschrieben wurde das erst 1965, unter dem Namen B814. Weder 1965 noch 1960 wurde das genauer verfolgt. Es ist auch nicht klar, wie lange, das dort beschriebene Virus schon in Menschen zirkulierte.

      SARS, MERS und SARS-CoV2 sind die ersten Coronaviren, die ziemlich direkt nach ihrem Überspringen vom Tier auf den Menschen genauer erfasst wurden. Coronaviren an sich gibt es schon sehr viel länger, auch solche die vom Tier auf den Menschen überspringen, nur hat man die lange weder erkannt noch verstanden.
      Den Begriff, den Sie nennen, «SARS Covid 2», ist uns unbekannt. Haben Sie eine Quelle?

      Liebe Grüsse,
      SRF News.
  • Kommentar von Tobias Anthamatten  (Anto)
    Mögliche Treiber der Epidemie seien die erneuten Lockerungen und die ansteckendere Variante B.1.1.7., sagt die Task Force. Möglich ist unendlich vieles. Wo bleiben die evidenzbasierten Zahlen dazu? Viele hätten sich im vergangenen Jahr von der Task Force und vom Bundesrat noch mehr evidenzbasierte Zahlen zu den einzelnen Massnahmen gewünscht. Sobald die evidenzbasierten Zahlen fehlen, kann das ein wenig nach Willkür aussehen oder nach vollen Hosen riechen.