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Taskforce-Chef Martin Ackermann im Interview: «Wir offerieren Handlungsoptionen»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 09.03.2021.
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Wie weiter am 22. März? Taskforce-Chef: «Wir raten zu vorsichtigen, kleinen Schritten»

Die wissenschaftliche Corona-Taskforce des Bundes stand in den letzten Wochen massiv in der Kritik. Die Politik wollte ihr sogar einen Maulkorb verpassen. Dazu ist es nun doch nicht gekommen. Taskforce-Präsident Martin Ackermann spricht im Interview über die Rolle des Gremiums und betont, dass ein Restrisiko bestehen bleibe.

Martin Ackermann

Martin Ackermann

Chef der Covid-19-Taskforce

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Der Experte für Mikrobiologie, Prof. Dr. Martin Ackermann, ist seit dem 1. August 2020 der Chef der Covid-19-Taskforce des Bundes. Ackermann ist seit August 2008 ausserordentlicher Professor für molekulare mikrobielle Ökologie am Institut für Biogeochemie und Schadstoffdynamik der ETH Zürich.

SRF News: Wie erleichtert sind Sie, dass es den vom Parlament angedrohten Maulkorb für Ihre Taskforce nicht gibt?

Martin Ackermann: Ich bin froh. Politik und Wissenschaft sind im Kern ähnlich. Es geht um Debatten, es geht darum, dass nicht alle gleicher Meinung sind. Ich habe grossen Respekt vor den Politikerinnen und Politikern, welche die grossen, schwierigen Entscheidungen treffen müssen. Und den Entscheid von gestern habe ich so interpretiert, dass es auch Respekt gibt für unsere Rolle und unsere Arbeit.

Die Taskforce stand auch sonst in der Kritik. Es gab unter anderem den Vorwurf, sie würde Weltuntergangs-Szenarien verbreiten.

Schauen wir doch, was im letzten Herbst passiert ist. Wir waren in einer Situation, in der die Belegung der Intensivpflege-Stationen schnell zugenommen hat. Wir haben dann Prognosen gemacht, wie lange es geht, bis die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Das ist dann tatsächlich auch eingetroffen – zum Glück hat die Politik eingegriffen und verhindert, dass es noch schlimmer wird.

Wir machen nie konkrete Vorschläge für die Entscheidungsträger, sondern wir offerieren Handlungsoptionen.

Sie haben damals aber auch zehn Massnahmen vorgeschlagen. Wenn man die umgesetzt hätte, wären wir sechs Monate durchgehend im Shutdown gewesen.

Wir machen nie konkrete Vorschläge für die Entscheidungsträger, sondern wir offerieren Handlungsoptionen; Optionen, von denen wir wissen, dass sie wirksam Infektionen verhindern können.

Handlungsoptionen hat am nächsten Freitag auch der Bundesrat. Er muss entscheiden, wie es ab dem 22. März weitergehen soll. Was raten Sie dem Bundesrat?

Wir liefern eine Einschätzung der aktuellen Situation. Seit Oktober, November ist es uns gelungen, die Ansteckungen dreimal zu halbieren. Gleichzeitig sind aber die ansteckenden Varianten häufiger geworden. Im Moment haben wir ein substanzielles Risiko, dass es wieder zu einem Anstieg der Infektionen kommt.

In dieser ungewissen Situation raten wir aus wissenschaftlicher Sicht, vorsichtige, kleine Schritte zu machen und die weiteren Entscheidungen immer auf einer Analyse der Situation abzustützen.

Vorsichtige Schritte – das würde zum Beispiel bedeuten, die Restaurants nicht alle zu öffnen am 22. März.

Genau – das wäre vorsichtig.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 09.03.2021, 18:00 Uhr;

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
    Sorry aber diese Taskforce kommuniziert immer nur aus virologischer Sicht und völlig eindimensional. Soziale, wirtschaftliche, psychische und weitere Probleme werden völlig ausgeblendet. Man sollte endlich einmal diese Taskforce erneuern mit neuen Personen und anderen und vor allem auf die Lage aktualisierten Ansichten. Die aktuelle Taskforce ist noch immer im Modus vom letzten Jahr hat man das Gefühl. Bei einigen Mitgliedern habe ich sogar das Gefühl, dass sie überfordert sind.
    1. Antwort von Daniel Beck  (Daniel Beck)
      Danke, das sehe ich genau so! Zumindest frage ich mich, warum die Fachleute aus den Geisteswissenschaften- welche es "da drin" ja auch gibt- nie öffentlich- an den Medienkonferenzen- zu Wort kommen!
    2. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      das ist ihre persönliche meinung. mehr halt nicht. ich zum beispiele sehe das anders. ich frage mich auch ein klein wenig was für ausserordentliche qualifikationen sie aufweisen um hier die arbeit der TF inhaltlich als schlecht zu bewerten. ich meine über die kommunikation etc könnte man auch als laie durchaus diskutieren. aber inhaltlich das zu bewerten, da muss man schon ein ziemlicher crack sein. ökonomen sitzen da übrigens auch drin.
    3. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      In der TF hat es 70 Fachleute aus ganz unterschiedlichen Gebieten, auch aus der Wirtschaft, Psychologie, Ethik ... d.h. die TF ist sehr breit abgestützt. Hier der Link:

      https://sciencetaskforce.ch/en/home/
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    @SRF....Wie lange dauert es, bis ihr endlich die Zustimmungs- und Ablehnungsbuttons wieder einführt. War es wirklich nur ein technisches Problem oder ist an den Manipulationsvorwürfen etwas dran und dauert es deshalb soooo lange?
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Daniel Bucher
      Guten Tag Herr Bucher. Vielen Dank für Ihre Nachfrage. Unsere IT-Abteilung ist bemüht, die Funktion so bald als möglich wieder freizugeben. Einen genauen Zeitpunkt können wir aber nicht angeben. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld. Freundliche Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Wann gibt die TF endlich zu, dass ihre alarmistischen Modelle, für die Entwicklung der Infektionen in der Zukunft (insbesondere bezüglich der Briten Variante) völlig falsch und masslos übertrieben waren? Es war zudem nicht das erste Mal. Hat die Schwarzmalerei System? Und falls ja, was tut der BR dagegen?
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      die modelle waren nie falsch. es waren szenarien die aufgezeigt wurden unter gewissen annahmen. die idee war, massnahmen zu treffen damit das szenario gerad NICHT EINTRITT. googeln sie mal präventionsparadox. hat nix mit schwarzmalerei zu tun. es ist wichtig indikationen zu haben über mögliche entwicklungen um in solch unsicheren zeiten entscheide fällen zu können.