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Viele Sans-Papiers können wegen Corona nicht mehr putzen
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 05.05.2020.
abspielen. Laufzeit 04:56 Minuten.
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Corona und die Sans-Papiers Neben der Angst jetzt auch noch keine Arbeit

In der Schweiz leben Zehntausende ohne Aufenthaltsgenehmigung. Wegen der Corona-Krise haben viele ihr Einkommen verloren.

Joana Silva stammt aus Brasilien und ist seit zehn Jahren in der Schweiz. Sie hat eigentlich einen anderen Namen, möchte aber anonym bleiben. Sie sitzt am grossen Sitzungstisch in der Basler Anlaufstelle für Sans-Papiers.

Silva trägt Plastikhandschuhe und erzählt über ihre Arbeit als Putzfrau. «Aber im Moment bin ich ohne Arbeit.» In den Haushalten, in denen sie putzt, leben Risikopatienten, ältere Menschen. «Ich muss jetzt eine Pause machen.»

Mehr Polizeikontrollen wegen Corona

Pause machen bedeutet für Joana Silva, dass sie kein Geld verdient. 1200 Franken verdiente sie vor der Corona-Krise im Monat. Zu wenig für ein normales Leben, ihr habe es knapp gereicht. Ohnehin sei ihr Leben schon vorher schwierig gewesen wegen der Angst vor Polizeikontrollen.

Zurück in ihr Land könne sie nicht, nach so vielen Jahren. Und jetzt, mit Corona? Sie habe doppelt so viel Stress – wegen finanzieller Sorgen. Aber sie habe auch mehr Angst, auf die Strasse zu gehen. Man falle schneller auf, weil weniger Menschen im öffentlichen Raum unterwegs seien.

Letztes Erspartes wird aufgebraucht

Fabrice Mangold von der Anlaufstelle für Sans-Papiers in Basel spricht von einer dramatischen Situation für viele während der aktuellen Corona-Krise. «Viele haben erhebliche Lohnverluste, bei einigen sind es 100 Prozent.»

Es gehe also um die Existenz, so Mangold. «Es gibt viele, die kaum mehr Erspartes haben und deswegen auf Unterstützung angewiesen sind, diese aber bei den eigentlichen Stellen nicht erhalten als Sans-Papiers.» Deshalb seien sie auf die Anlaufstelle für Sans-Papiers angewiesen.

Ohne Papiere gibt es keine Sozialhilfe

Sans-Papiers können keine Sozialhilfe beantragen. Und weil sie im Stundenlohn arbeiten, ist es schwierig für sie, Forderungen zu stellen – wie etwa jene, dass der Lohn weiter ausbezahlt werden soll, auch wenn das als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihr gutes Recht wäre.

Rund 200 Sans-Papiers bekommen zurzeit Geld von der Anlaufstelle, für die Miete, die Krankenkasse und Lebensmittel. Und es dürften noch mehr werden – je länger die Krise andauert und je mehr auch jene Sans-Papiers in Not geraten, die jetzt noch ein wenig Geld auf der Seite haben.

Regionaljournal Basel, 5.5.2020, 17:30 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Worüber ich mich wundere, wie es möglich ist einzureisen und einfach zu bleiben? Gerade gab es zwei Gerichtsverhandlungen von Menschenhandel im Rotlichtmilieu. Frauen aus Thailand betrieben über Jahre illegale Prostitution. Gibt es keine Kontrollen über Einreisen und Ausreisen?
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Sans-Papiers: Wo bleibt der Rechtsstaat?

    Wenn wir noch ein Rechtsstaat sein wollen, müssen die Wohnungsbesitzer, Arbeitgeber und Schulen, welche Sans-Papiers - ohne bei der Einwohnerkontrolle anzumelden – eingemietet, angestellt oder geschult haben, bestraft werden. Das ganze Theater um die Sans-Papiers ist eine Persiflage auf unseren Rechtsstaat. Ich frage mich, warum ich mich noch an Gesetze halten soll.
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    1. Antwort von Irene Dirren  (Rugi64)
      Alex Schneider: Bin genau Ihrer Meinung.
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  • Kommentar von Edi Steinlin  (Chäsli)
    Man kann es drehen und wenden wie man will. Angenommen in Zürich leben und arbeiten sogenannte 3000 Sans Papiers und von denen werden 2000 unter gewissen Bedingungen legalisiert. Dann sind in 2 bis 3 Jahren erneut 3 bis 4 tausend da. Das ist genau das, was unsere linksgrünen Gutmenschen nicht verstehen wollen.
    Linke Regierungen haben in Spanien seit 1985, sieben Sonderaktionen zur legalisierung
    von Schwarzarbeitern gemacht. Alle mit dem gleichen Resultat, es kamen immer wieder neue.
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    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Südamerikaner können erstaunlicherweise immer noch visafrei in Spanien einreisen, von dort kommen sie dann auch in die Schweiz. In die Türkei können auch visafrei Bürger aus islamischen Staaten einreisen. Dann geht es über Griechenland in die EU / Schweiz.
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