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So reagieren Klöster auf die Coronapandemie
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 13.11.2020.
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Coronavirus im Kloster Die Seuche macht auch vor Klostermauern nicht halt

Klöster sind wegen des hohen Durchschnittsalters besonders anfällig auf das Coronavirus. So gehen sie damit um.

Das Kloster Ingenbohl im Kanton Schwyz hat laut eigenen Angaben ein gutes Schutzkonzept – und trotzdem haben sich von den 280 Schwestern des Klosters ganze 50 mit dem Coronavirus angesteckt. Eine ist daran gestorben. Besonders hart traf es auch das Kapuzinerkloster Schwyz, wo sich von den 16 Mönchen die Hälfte infiziert hat – zwei sind gestorben.

Diese und weitere Meldungen zeigen: Wenn das Virus seinen Weg hinter Klostermauern findet, kann es grossen Schaden anrichten. Das liegt zum einen daran, dass Klosterfrauen und Mönche in grossen Gemeinschaften leben und sich das Virus deshalb schnell verbreiten kann. Dann gehören viele Ordensleute aufgrund des hohen Alters zur Risikogruppe – im Kloster Ingenbohl etwa ist die durchschnittliche Bewohnerin 80 Jahre alt.

Beschnittenes Gemeinschaftsleben

Wie gehen die Klöster mit dieser Anfälligkeit um? In Ingenbohl reagierten die Schwestern mit strikter Abschottung. Die positiv getesteten kamen in ein separates Haus mit Isolationszimmern. «Mittlerweile hat sich die Situation beruhigt», sagt Schwester Tobia Rütimann, die Provinzoberin und Vorsteherin des Klosters. Es seien keine weiteren Fälle hinzugekommen und kürzlich hätten die letzten Schwestern die Isolation verlassen können.

Sicht von oben auf Kloster Ingenbohl
Legende: Im Kloster Ingenbohl (unten rechts) haben sich 50 Ordensschwestern mit dem Coronavirus angesteckt. Keystone

Obwohl sich die Lage beruhigt hat, hält man in Ingenbohl an den strengen Massnahmen fest. «Das Gemeinschaftliche des Klosterlebens mussten wir stark beschneiden», so die Provinzoberin. Die Schwestern würden beispielsweise nur noch in kleinen Gruppen oder ganz allein auf dem Zimmer essen – und nicht mehr an einem Tisch mit 50 anderen.

Besuchsverbot in Baldegg

Während der Kontakt unter den Klosterfrauen eingeschränkt ist, wurde jener nach aussen praktisch unterbunden. Das Kloster Ingenbohl ist nicht mehr öffentlich zugänglich, das Klostercafé geschlossen. Ganz ähnlich hat auch das Kloster Baldegg im Luzerner Seetal auf die Pandemie reagiert. Die Schwestern dürfen ihre Verwandten und Bekannten ausserhalb des Klosters nicht mehr besuchen und können auch selbst keinen Besuch mehr empfangen.

Schild mit Aufschrift: Zutritt nur für Klosterangehörige
Legende: Auch in Deutschland kam es zu vielen Coronavirus-Ansteckungen hinter Klostermauern - hier bei Mallersdorf-Pfaffenberg in Bayern. Die Reaktion ist oft Abschottung gegen aussen. Keystone

«Die fehlenden sozialen Kontakte machen am meisten zu schaffen», sagt Schwester Zita Estermann, die Vorsteherin des Klosters. Sie ermuntere ihre Mit-Schwestern deshalb, öfters zum Telefonhörer zu greifen oder Briefe zu schreiben. «Belastend ist auch, dass wir ständig auf der Hut sein müssen und gewisse Schwestern die Massnahmen aus Altersgründen nicht wirklich verstehen.» Oft müsse sie diese deshalb daran erinnern, wie man die Maske richtig trägt und dass Abstand halten wichtig ist.

Zuversicht durch Glauben

Ansonsten versuchen die Schwestern des Klosters Baldegg möglichst an ihrem normalen Alltag festzuhalten. Das gebe Halt, sagt Zita Estermann. «Wir beten und singen nach wie vor miteinander, halten aber Abstand in der Kapelle.» Das gemeinsame Singen würden sie besonders vermissen, wenn es nicht mehr erlaubt wäre. «Obwohl wir eine Maske tragen müssen, klingt es gar nicht so schlecht», so die Kloster-Vorsteherin.

Auch für Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln, sind Beten und Singen wichtige Stützen. Er staune jedoch, wie entspannt seine 50 Mitbrüder mit der Situation umgehen würden – Angst spüre er keine. «Das liegt einerseits an unserer Geschichte, das Kloster hat schon verschiedene Seuchen wie die Pest durchgemacht. Wir wissen, das gehört zum Leben.» Andererseits helfe auch der Glaube. «Krankheit und auch der Tod gehören zum Leben.»

Video
Zwei Klöster im Kanton Schwyz von Corona betroffen
Aus Schweiz aktuell vom 11.11.2020.
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SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 12.11.2020, 17:30 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Yves Juillard  (Yves Juillard)
    Ich mag die Vielfalt der Wörter. Beim Jetztigen Titel ist Covid eine Seuche.
  • Kommentar von Gabriela Hüppi  (Rainbow007)
    Es wäre spannend zu wissen, wie die Schwestern mit ihrem hohen Durchschnittsalter gepflegt wurden. Ist toll, dass fast alle Betroffenen die Erkrankung gut überstanden haben. Hinter alten Mauern gibt es manchmal erstaunliches und eventuell hilfreiches Heilwissen!
    1. Antwort von Anna Kissling  (Cristalmix)
      Finde ich auch sehr ermutigend, dass so viele heil davongekommen sind. Glaube, dass ihr ganzheitlicher Lebensstil, (Körper, Seele, Geist) dem Immunsystem förderlich sind.
    2. Antwort von Jürg Sand  (Jürg Sand)
      Anna Kissling, halte ich auch für wichtig. Es wäre deshalb sehr gesund, den Medien das Thema zu verbieten.
    3. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Herr Sand, grad in diesem Zusammenhang find ichs besonders traurig, destruktive Kommentare einzustreuen.
  • Kommentar von Laurent Frick  (LFR)
    Eigenartiger Titel Ihres Artikels! Warum sollte ein Virus vor Klostermauern halt machen?
    1. Antwort von Hans Niggli  (RobinHood38)
      Das ist das eine. Und das andere die Bezeichnung "Seuche". Unter einer "Seuche" stelle ich mir etwas anderes vor.
    2. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Laurent Frick und Hans Niggli: danke! diese Zeit wäre wirklich auch mit sinnvoll genutzt, einige Gedanken mehr zum Texten von Titeln und Untertiteln aufzuwenden. Es ist beispielsweise auch keinb "beschnittenes!! Gemeinschaftsleben", sondern ein anderes, bewusst angepasstes Gemeinschaftsleben. So, wie es für uns alle vorbildlich sein könnte. Ich wünsche mir gerne weitere Beiträge, wo "Gesundheit", oder auch: "Leben und Glauben" viel weiter, eben "gesünder" gefasst wird.