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Nachtests würden zur Akzeptanz in der Bevölkerung beitragen
Aus Regionaljournal Graubünden vom 15.12.2020.
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Coronavirus-Massentest Was die Massentests in Graubünden aufzeigen

Über das Wochenende wurden in drei Bündner Südtälern freiwillige Massentests durchgeführt. Rund 15'000 Personen wurden getestet – das entspricht etwa der Hälfte der Bevölkerung über zehn Jahren. Die Behörden zeigen sich zufrieden mit der Beteiligung. Ein Prozent der Getesteten war positiv ohne Symptome. Wie man mit den Erkenntnissen des Massentests umgehen sollte, erklärt Wissenschaftsredaktor Christian von Burg.

Christian von Burg

Christian von Burg

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Der 1972 geborene Journalist arbeitet für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Angefangen hat er bei der Zeitung «der Bund», zuerst bei der Lokalredaktion, anschliessend im Inland.

SRF News: Was ist das Fazit nach diesem Massentest aus Ihrer Sicht? Was hat er gebracht?

Der konkreteste Nutzen ist sicher für die 150 infizierten Personen, die gar nicht gemerkt haben, dass sie das Virus hatten. Eben dieses eine Prozent, das massgeblich zur Ausbreitung der Pandemie beiträgt. Weiter hat der Test gezeigt, wo das Virus besonders verbreitet ist, nämlich in der Region Bernina. Dort weiss man nun, dass es sich lohnt, stärker gegen das Virus vorzugehen.

Wo liegen denn die Grenzen einer solchen Aktion?

Es ist lediglich ein Zwischenbericht. Entscheidend ist nun, was man daraus macht. Es wäre falsch, wenn sich nun all jene, die negativ getestet wurden in Sicherheit wähnen und unvorsichtig werden. Zudem ist das Bild unvollständig, weil sich nur die Hälfte testen liess. Konkret hat es in der Region weitere 150 infizierte Personen, die von nichts wissen.

Die Schnelltests bergen ein Risiko für falsch-positive Resultate. An anderen Orten, in Nachbarländern, hat man deshalb die positiven erneut getestet. Wie viele der 150 positiv getesteten sind denn nicht infiziert?

Gemäss Angaben des Herstellers sind es etwa 8,6 Prozent – das wären etwa 13 dieser 150. Nachtests zum Beispiel bei einem Massentest in Wien haben gezeigt, dass noch mehr falsch-positiv waren. Ich denke, der Aufwand für einen Nachtest würde sich lohnen. Die Leute wären eher bereit, sich testen zu lassen, wenn sie darauf vertrauen können, dass sie nicht vielleicht zu Unrecht in Isolation müssen.

Sollte man diese Massentests ihre Meinung nach ausweiten oder wiederholen?

Das wäre sicher eine Möglichkeit. Ich bin denke aber, gezieltere Test wären sinnvoller. Beispielsweise Ausbruchsuntersuchungen in Schulen oder Firmen, wo schon Fälle bekannt sind. Oder regelmässige Tests – sogenannte Screenings – in Altersheimen, wo besonders gefährdete Personen leben.

Das Gespräch führte Marc Melcher.

Regionaljournal Graubünden; 14.12.2020; 17:30 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Christinat  (Mathematiker)
    Den Herrn von Burg sollte man in die Statistik-Nachhilfe schicken. Die Rate der falsch-Positiven darf man nicht mit der Zahl der Positiven multiplizieren, sondern mit der Gesamtzahl der Getesteten. Die Nachtests in Wien haben gezeigt, dass jeder zweite positive Test falsch ist. Daraus lässt sich schliessen, dass nur ca. 0.35% der Getesteten infiziert waren. Die Schnelltests von Roche haben eine Sensitivität von 96.52% und eine Spezifität von 99.68%. Ich weiss nicht, wie von Burg auf 8.6% kommt.
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  • Kommentar von Johann Schuler  (Sjg)
    Wie ist die Diskrepanz (1% positiv) zu PCR-Test (ca. 15%-20% Positivrate) zu erklären?
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    1. Antwort von SRF-News (SRF)
      @Johann Schuler Sehr geehrter Herr Schuler. Bei dem Massentest im Graubünden wurden Teile der Bevölkerung freiwillig getestet - egal ob sie Symptome hatten oder nicht. Ein PCR-Test wird, nach Empfehlung des BAGs, bei entsprechenden Symptomen gemacht. Freundliche Grüsse, ihr SRF-News-Team
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  • Kommentar von Volker Ziebart  (VolkerZ)
    Die Behauptung im Text, dass ca. 13 Personen von den 150 syptomfreien Personen falsch positiv sind, ist so nicht korrekt. Aus der Falschpositivrate von 8.6% lässt sich nur errechnen, dass von den 15000 Getesteten etwa 1290 falsch positiv sind. Es könnten also theoretisch auch alle 150 symptomfreien Personen falsch positiv sein. Falls man mehr wissen will, muss man die kombinierte Wahrscheinlichkeit für symptomfrei UND falsch positiv bestimmen. Die wird höher als 8.6% sein.
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    1. Antwort von Volker Ziebart  (VolkerZ)
      Ich muss meinen eigenen Kommentar kommentieren: Ich habe fäschlicherweise die 15000 Personen als positiv gestestet gewertet. Die Anzahl der positiv gestesteten wird leider nicht im Artikel erwähnt. Aber diese Zahl (X) wird deutlich höher als die 150 positiven ohne Symptome sein. Von dieser Zahl X sind die 8.6% zu nehmen. Es wäre spannend zu wissen wie viele dies sind sind. Man darf aber nicht einfach die 8.6% auf die Symptomfreien beziehen.
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