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In der Waadt können sich alle ab 18 Jahren impfen lassen
Aus Info 3 vom 26.04.2021.
abspielen. Laufzeit 12:36 Minuten.
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Covid-Impfung für 18-Jährige «Bist Du schon geimpft?» heisst «In welchem Kanton wohnst Du?»

«Bist Du schon geimpft?» Diese Frage durchdringt künftig alle Gespräche im Land – vom Bodensee bis zum Lac Léman. Jetzt, wo der Kanton Waadt die ersten jungen Erwachsenen ab 18 Jahren impft und nächste Woche auch die Kantone Uri, Neuenburg und Solothurn nachziehen, kommt die Impfung nun auch in breiten Kreisen der Bevölkerung an. In diesen Kantonen heisst das Prinzip fortan: «first come, first served».

Das gilt aber nicht überall. Auf das Prinzip «Ältere zuerst» setzen nach wie vor Kantone wie Graubünden, Glarus, Bern oder Zürich, um nur eine Auswahl zu nennen. In diesen Kantonen sind Jüngere fortan gegenüber Älteren benachteiligt, denn es ginge ja auch anders – siehe Waadt.

Weshalb diese unterschiedlichen Strategien?

Tatsache ist: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, man solle Ältere weiterhin priorisieren. Eine unumstössliche Weisung ist das aber nicht. Zudem gab das BAG Mitte April auch eine neue Empfehlung heraus: Verimpfen, was vorhanden ist, also keine Dosen für die zweite Impfung zurückzubehalten.

Nun haben wir die irritierende Situation, dass sich die einen Kantone (z.B. Bern) an die erste Empfehlung halten, aber nicht an die zweite. Und andere Kantone wie Waadt ziehen die zweite Impfung voll durch und lassen die erste hinter sich.

Was ist besser? Die Waadt hat von Beginn weg keine Dosen für die zweite Impfung beiseitegelegt (entgegen den Empfehlungen des BAG) und musste das Impfintervall zeitweise für einen Teil der Impfwilligen von vier auf sechs Wochen ausdehnen. Die Waadt liegt heute bei der Impfung älterer Menschen vor Bern und jetzt kommen auch Jüngere dran.

Schon erste Impfung schützt

«Impfen, was der Stoff hergibt», war auch in Grossbritannien die Strategie, mit der sich der Inselstaat an die Spitze der europäischen Länder setzte. Zudem zeigen erste Studien: Schon die erste Dosis schützt und senkt das Infektionsrisiko um 65 Prozent oder mehr.

Zögerliche Kantone verhindern zwar, dass sie allenfalls Termine für die zweite Impfung verschieben müssen – was tatsächlich als Argument aufgeführt wird – dämmen so aber die Epidemie nicht mit allen möglichen Impfmitteln zurück.

Auch die persönliche Situation jüngerer Menschen spricht dafür, dass sie schnell gleich behandelt werden sollen wie Ältere: Obwohl sie ihre Mobilität – im Gegensatz zu Senioren und Seniorinnen – noch immer weit unter dem Normalwert halten, sind sie dennoch mobiler als ältere Menschen. Schule, Beruf, aber auch ein Minimum an freizeitlicher Bewegung bringen das mit sich.

Vorwärts machen – auch bei den Jungen

Auch stehen hunderttausende jüngere Menschen stetig im Kontakt mit Älteren: in der Ausbildung, mit Chefinnen, Grossvätern, mit den eigenen Eltern. Aus epidemiologischer Sicht macht es auch deshalb Sinn, aufs Tempo zu drücken – auch bei den Jungen.

«Bist Du schon geimpft?» – die Frage der Stunde. Man könnte sie auch anders stellen: «In welchem Kanton wohnst Du?» Immerhin dürfen wir davon ausgehen, dass diese ungleiche Situation nur wenige Wochen anhält. Für Sommerferien im Ausland oder andere Pläne sind es leider entscheidende Wochen.

Michael Perricone

Michael Perricone

Stv. Leiter Inlandredaktion, SRF

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Michael Perricone ist stellvertretender Leiter der Inlandredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er als Autor und Produzent bei der «Rundschau» und war stellvertretender Redaktionsleiter von «10vor10».

Tagesschau, 28.04.2021, 19:30 Uhr

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Tony Menninger  (Piglet42)
    Man kann in der Impfstatistik (Covid19 admin ca) sehr schön nachvollziehen, welche Altersgruppen geimpft werden. Letzte Woche waren das hauptsächlich die 60 (wahrscheinlich eher 65) - bis 80jährigen, die Ü80 sind weitgehend durch. Unter 50 sind erst ganz wenige geimpft.
  • Kommentar von Ludwig Brandner  (Känguru)
    Diese ganzr polemik zur impfung ist doch lächelich. Wenn genug impfstoff vorhanden einfach wie in israel impfzentren aufstellen und man schnell mal in der mittagspause die impfung abholen ob in zug, sg oder bern. Parelell impfgeschwader die alle risikogruppen impfen dann würd's flutschen... aber wir lieben den föderalismus... da kann man ja nicht ganz das gleiche machen wie der nachbar oder weil's einfach ist alle das gleiche....
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Känguru, das denke frage ich mich auch immer. Ich lebe in der Dominikanischen Republik. Da die reichen Länder die bekannten Impfstoffe den armen Länder wegkaufen, ist bei uns fast nur China Impfstoff vorhanden. Wenn der Impfstoff da ist, geht es sehr schnell bis er verimpft ist. Ich habe letzten Samstag meine erste Dosis erhalten. Der Impfort war in einer Basketballhalle. Einen Tisch vier Frauen die alles erledigten und fertig mit Luxus. Wenn der Impfstoff verbraucht ist, ist halt vertig.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Mich regt es mittlerweile richtig auf, dass man in einigen Kantonen nun das Partyvolk impft, währen wir 30-49jährigen, die wir als jüngerer arbeitender Mittelstand das Land am Laufen halten noch keinen Plan haben sowie unsere älteren Kollegen 50-65 gerade mal anfangen dürfen, ihre Termine einzufädeln!
    1. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Mit Verlaub aber die Jungen sind nicht nur"Partyvolk", sondern die Bevölkerungsgruppe mit der aktuell höchsten Inzidenz und sind die Generation, die gegebenenfalls am längsten mit den Folgeschäden der Erkrankung werden leben müssen.
    2. Antwort von Pascale von Planta  (Pascale)
      @katharina Bleuer: wollte eben gerade genau so schreiben wie Sie. Die Jungen als "Partyvolk" zu bezeichnen zeugt von einer verletzenden Überheblichkeit. Unser Sohn stand ohne Ankündigung, heisst: sehr kurzfristiges Aufgebot, Teilmobilmachung, mal 6 Wochen an der Grenze zu Frankreich, danach wieder online zuhause am Studium. Seit 2 Monaten darf er für 2 Tage an die Uni, den Rest bestreitet er online.
    3. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Ich lebe im Kanton St. Gallen, gehöre zur Risikogruppe, bin in meinen 40ern und durch meinen Hausarzt geimpft worden.

      Mein Hausarzt hat mir erzählt, der grösste Aufwand für ihn sei das durchgehen der Patientendossiers zum Erstellen von Prioritätenlisten. Dies erledige er übers Wochenende, da unter der Woche, neben der alltäglichen Arbeit, kaum Zeit dafür bleibt.

      Ich finde es gut, das Sie nochmals bei Ihrem Hausarzt nachfragen.