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Vereine leiden unter 30-Personen-Grenze für Proben ohne Zertifikat
Aus Espresso vom 28.10.2021.
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Covid-Regeln Misstöne wegen Zertifikatspflicht in der Blasmusik-Szene

Musikproben ohne Covid-Zertifikat sind nur für maximal 30 Personen erlaubt. Ein Problem für viele Musikvereine.

Seit Mitte September können auch in grossen Musikvereinen wieder alle Mitglieder gemeinsam proben, sofern sie ein Covid-Zertifikat haben. So die Regelung des Bundes. Doch das ist längst nicht überall der Fall. «Die Realität ist, dass nicht alle unsere Mitglieder ein Zertifikat vorweisen können», sagt Reto Züst vom Musikverein Diepoldsau-Schmitter (SG).

Deshalb sei im Verein der Probenbetrieb auf zwei Abende verteilt worden: «An einem Abend ist die Teilnehmerzahl auf 30 beschränkt. Der andere Abend ist offen für alle mit Zertifikat.» Musikalisch sei dies zwar nicht ideal, aber immerhin könnten so alle mitproben, die das wollen, sagt Züst. Das ist wichtig im Hinblick auf die traditionelle Konzertsaison der Blasmusiken.

Hohe Testkosten für Ungeimpfte

Sobald die 30-Personen-Grenze für Proben ohne Zertifikat bekannt war, machte der Vorstand der Musikgesellschaft Schüpfheim (LU) eine Umfrage unter den Mitgliedern. Da damals noch nicht alle, die es wollten, ein Zertifikat hatten, wurde der Verein für die Proben vorübergehend geteilt. Inzwischen hätten aber 96 Prozent ein länger gültiges Zertifikat, sagt Vereinspräsident Maurus Eggenberger: «Und diejenigen Mitglieder, die für sich entschieden haben, dass sie sich regelmässig testen wollen, können dies finanziell tragen.» Da habe sein Verein Glück.

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Verzwickter ist die Lage bei der 60-köpfigen Guggenmusik «Glöggli Clique» aus Amriswil (TG). Rund ein Drittel der Mitglieder sind weder geimpft, noch genesen. Deshalb probt die Musik in Gruppen. Allerdings stehen die Fasnacht und Konzerte mit Car-Fahrten und Gesamtproben an. Dafür müssten die Mitglieder ein Zertifikat haben, sagt Präsident Adrian Widmer. Er rechnet überschlagmässig vor: «Das wären pro Probe 800 Franken Testkosten. Zusammen mit sieben Fasnacht-Wochenenden bräuchten wir rund 18'000 Franken für Corona-Tests.» Wie sie das lösen wollen, ist noch offen.

Blasmusikverband will 50er-Grenze

Zertifikatspflicht, Testkosten und entsprechende Konflikte: Die Vorstände vieler Blasmusikvereine sind gefordert. Das stellt auch der Schweizerische Blasmusikverband fest.

Das Amateurmusikwesen beruhe auf Freiwilligkeit, sagt Vizepräsident Andy Kollegger: «Und wenn Mitglieder wegen der Zertifikatspflicht Proben und Aufführungen fernbleiben, kann dies einen Verein dazu zwingen, seine Aktivitäten einzustellen.» Der Blasmusikverband setzt sich deshalb beim Bund für eine 50er-Grenze für Proben ohne Zertifikat ein. Bislang erfolglos.

Der Bundesrat hat entschieden, dass die Zertifikatsregelung mindestens bis Mitte November in Kraft bleibt. Zur 30er-Grenze sagt das BAG: Sie sei festgelegt worden, «weil sie der ungefähren durchschnittlichen Grösse eines aktiven Vereins entspricht, etwa auch im Sportbereich.» Und zu den Testkosten: «Vereinen werden Kosten für das Testmaterial vom Bund erstattet, wenn sie in ein kantonales Testkonzept eingebunden sind.» Gemeint sind sogenannte regelmässige Pooltests. Was dabei für Vereine gilt, darüber müssen sie sich beim jeweiligen Kanton erkundigen.

Espresso, 28.10.2021, 08:13 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle und bedanken uns für die zahlreichen Kommentare. Wenn Sie möchten, können Sie unter "Die Debatten des Tages" bei weiteren Themen mitdiskutieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Was immer auch die Massnahmen sind, Unzufriedene gibt es immer.

    Trump seine Corona Politik war nicht OK, es war aber eine gewisse Logik darin, weil er erkannt hat dass die Menschen unzufrieden sind, egal was gemacht wird, somit war seine Politik: macht was ihr wollt, ihr habt die Freiheit zum positiven oder zum negativen.
    1. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      @patrickjanssens

      Ausgehend vom aktuell vorherrschenden Selbst-Verständnis, stimme ich Ihnen voll zu. Wer das Ego ausschliesslich auf die individuelle Entität reduziert und nicht auch als Anteil eines Kollektivs erlebt, wird in einer heterogenen Gemeinschaft keine Zufriedenheit finden.

      Gäbe es aber auch Unzufriedene, wenn die Fähigkeit das Ego auch im Kollektiv zu sehen ausgeprägter wäre, als es nur in der individuellen Entität zu verorten?
    2. Antwort von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
      Das geht bei Corona leider nicht so leicht. Denn bei dieser Impfquote werden sich trotz den heute geltenden Massnahmen in wenigen Wochen die IPS wieder füllen und Operationen werden (für alle) zurückgestellt.

      V.a. aber droht erneut, dass bei Notfällen nicht mehr die beste Behandlung offen steht. Soll es hier wie in England werden, wo Menschen im Krankenwagen in der Warteschleife vor dem Spital sterben ? Nein ? Dann gibt es nur zwei Alternativen: Impfung oder Shutdown.
      Was ist besser ?
    3. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Ich möchte mich korrigieren:

      … wird in einer heterogenen Gemeinschaft keine vollständige Zufriedenheit finden.
  • Kommentar von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
    "Musikproben ohne Covid-Zertifikat sind nur für maximal 30 Personen erlaubt. Ein Problem für viele Musikvereine."

    Ein Problem ist es nur dann, wenn sich die Leute nicht impfen oder testen lassen. Also ein selbstgemachtes Problem. Es ist doch jedem Verein überlassen, ob er Zertifikatspflicht für die Proben einführen will oder nicht.
    Ich spiele zwar nicht Blasmusik, singe aber in Chören, und diese Chöre haben Lösungen gefunden. Das können andere Musikvereine auch, wenn sie wollen.