Zum Inhalt springen

Header

Video
Marcel Salathé zum Risiko von Massenversammlungen
Aus Tagesschau vom 07.06.2020.
abspielen
Inhalt

Demonstrationen und Corona «Es ist beunruhigend, so viele ohne Gesichtsmaske zu sehen»

Am Samstag sind in der Schweiz viele Restriktionen wegen der Coronakrise wieder aufgehoben worden. Versammlungen von bis zu 300 Personen sind erlaubt, aber es kam auch zu grossen Demonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmenden. SRF News hat mit dem Epidemiologen Marcel Salathé gesprochen und wollte wissen, was er von diesen Versammlungen während der abklingenden Epidemie hält.

Marcel Salathé

Marcel Salathé

Professor für Epidemiologie

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Marcel Salathé ist Epidemiologe an der ETH Lausanne (EPFL). Er ist Professor und leitet das Digital Epidemiology Lab an der EPFL. In der Coronakrise ist er Mitglied der Taskforce des Bundes, der «Swiss National COVID-19 Task Force».

SRF News: Am Wochenende hat es grosse Ansammlungen von Menschen gegeben, auch bei Demonstrationen. Mit welchem Gefühl haben Sie diese Bilder gesehen?

Marcel Salathé: Ja, natürlich mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es schön, dass die Leute sich jetzt wieder ausdrücken können und Demonstrationen wieder möglich sind. Andererseits sieht man sehr viele Leute sehr nahe beieinander. Und das ist beunruhigend: so viele Personen ohne Gesichtsmaske. Das besorgt mich eigentlich am meisten.

Was bedeutet das aus epidemiologischer Sicht?

Grundsätzlich wissen wir, dass Übertragungen draussen sehr viel unwahrscheinlicher sind als drinnen. Aber wenn viele Leute sehr nahe beieinander sind und dann auch noch an einer Demonstration, wo man laut sein will, dann kann es ohne Schutzmasken sehr schnell zu Übertragungen kommen.

Sind solche grossen Demonstrationen ein Risiko?

Ja, solche Versammlungen sind ein Risiko. Es geht nicht darum, jedes Risiko zu vermeiden, sondern einfach so gut wie möglich zu minimieren. Dabei wären Schutzmasken angesagt. Ich wünsche mir einfach, dass die Leute sich des Risikos bewusst sind.

Wie gut schützen solche Gesichtsmasken tatsächlich?

Masken geben nie einen absoluten Schutz, aber man weiss aus verschiedenen Studien, dass die Übertragung stark verhindert wird. Deshalb ist sehr zu empfehlen, Masken zu tragen.

Wie beobachten Sie die Situation in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern, was das Tragen von Masken betrifft?

Die Masken-Diskussion ist hier noch ein bisschen verzögert. Es scheint mir, die Leute haben noch Mühe mit Masken. Aber in den USA zum Beispiel sieht man schön, dass jetzt fast alle Leute Masken tragen. Und es wäre schon besser, das auch in der Schweiz zu sehen, gerade wo man sehr nahe zusammen ist.

Wie gefährlich ist das gemeinsame Schreien, etwa an einer Demonstration?

Laut zu sein ist grundsätzlich gefährlich. Denn dabei kommen mehr Tröpfchen mit dem Virus aus dem Rachen und dem Nasenraum, die dann übertragen werden. Man hat das etwa in Studien über den Gesang von Chören gesehen. Darum, wenn man an Demonstrationen laut ist und nahe beieinandersteht, unbedingt Masken tragen.

In dem Zusammenhang taucht auch der Begriff «Superspreader Event» auf. Was ist dabei das besondere Risiko?

Ein «Superspreader Event» ist, wenn eine einzelne Person ganz viele Leute ansteckt. Und wir wissen, dass es bei diesem Virus normal ist, dass die meisten Leute in der Tat wenige andere Personen anstecken, aber einige wenige sehr viele anstecken können. Deshalb ist es insbesondere in Situationen mit vielen Leuten besonders gefährlich. Eine Demonstration könnte ein solcher Event sein. Und da ist der Schutz durch eine Maske besonders angezeigt. Ich hoffe darum, dass sich diese Diskussion in den nächsten Tagen noch ein bisschen verstärkt und man wieder auf die Maske zurückkommt. Man hat ja auch Bilder gesehen, auf denen wirklich verantwortlich mit den Masken umgegangen wird.

Das Gespräch führte Pirmin Roos per Skype.

Tagesschau, 07.06.2020, 19:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

66 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Ich mache mir auch sorgen. Über alle die Spezialisten die meinen nur die wissen Bescheid, und können alle vorschreiben wie und was.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Antignoranz Sorcier  (skoladeuni)
    An der Demo in BS hatte die Mehrheit Masken an. Woher kommt der Wille hier die Demonstranten wegen vermeintlichem Nichttragen der Masken unwissend zu verurteilen? Mensch scheint überdies nicht verstanden zu haben, weshalb Mensch überhaupt auf die Strasse gegangen ist. Ignorant werden andere Probleme auf der Welt vorgeschoben um sich blöd zu fragen wieso denn da nicht auf die Strasse gegangen wurde. Wenn dann nicht, jetzt auch nicht? Was schlummert da unter dem Deckmantel von "Coronasolidarität"?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Zeige mir einer in ein, zwei Wochen, wieviel wir in Sachen Abstandhalten gelernt haben, und erkläre dann noch einmal, es sei nicht gelobhudelt worden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen