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Der Wirtschaftsminister geht Im Herzen ist Schneider-Ammann ein Patron geblieben

Er sei «suspicious» geworden, sagte Johann Schneider-Ammann heute in seiner typischen, mit englischen Ausdrücken gespickten Sprache. Misstrauisch sei er geworden gegenüber der Politik. Dort, wo er hergekommen ist, in der Welt der Unternehmer, dort sei «ein Wort noch ein Wort.»

Es ist eine etwas bösartige Ironie, dass Schneider-Ammann die für Freitag geplante Rücktrittsankündigung wegen einer Indiskretion, einer Art Vertrauensbruch, vorverschieben musste. Die Aussage macht aber vor allem deutlich, dass der abtretende Wirtschaftsminister im Herzen letztlich der Patron geblieben ist, der er bis zur seiner Wahl war.

Als Bundesrat ist es ihm offensichtlich am wohlsten, wenn er sich um die konkrete Wirtschaft kümmern kann. Wenn er werben darf für die typischste Schweizer Berufsbildung, die Lehre. Wenn er Wirtschaftsführer und Verbandsspitzen zu allen möglichen runden Tischen versammeln kann. Auch wenn er dafür oft belächelt wurde.

Freihandelsabkommen mit China als grosser Erfolg

Weniger liegt ihm die Rolle des tricksenden Machtpolitikers, der sich gewieft hinter den Kulissen die nötigen Mehrheiten beschafft. Zu glauben, der Wirtschaftsminister verlasse das politische Machtzentrum deshalb ohne Erfolge, wäre allerdings falsch. Einer seiner grössten ist das Freihandelsabkommen mit China. Es erleichtert den Handel mit einem Land, zu dem er schon als Baumaschinen-Unternehmer gute Beziehungen pflegte.

Ausgerechnet mit den Gewerkschaften kam es wegen der Diskussion um ein Rahmenabkommen kürzlich zum Knall. Das hat Johann Schneider-Ammann sichtlich getroffen. Aber auch das zeigte, dass er bisweilen seine Patron-Methoden mit Politik verwechselte.

Manchmal unfreiwillig komisch

Im grossen Auftritt ist Schneider-Ammann bisweilen unbeholfen, manchmal unfreiwillig komisch. Bei der Bekanntgabe seines Rücktritts zeigte er sich heute von seiner witzigen, selbstironischen Seite. Und als er ganz sanft aber unüberhörbar für eine Frau als Nachfolgerin wirbt, blitzt Schalk aus seinen müden Augen.

Einem Patron ist es eben nicht egal, wer nach ihm kommt.

Gion-Duri Vincenz

Gion-Duri Vincenz

Gion-Duri Vincenz ist seit 2003 SRF-Redaktor im Bundeshaus und arbeitet vor allem für die «Tagesschau» und «10vor10». Neben seiner Tätigkeit als Korrespondent in Bern moderiert er auch die Tagesschau am Mittag und die Tagesschau Nacht.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    "Einer seiner grössten ist das Freihandelsabkommen mit China." oder ein Riesenei, dass er da gelegt hat, dass wahrscheinlich mehr als manch anderes uns 'die Schweiz kosten' wird...
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Schneider-Ammann war kein begnadeter Redner, aber er war stiller Schaffer, authentisch, ehrlich und offen und unter dem Strich erfolgreich.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es darf natürlich nicht sein, dass ein Bundesrat doch eher Patron seiner Firma bleibt. Deshalb hat der die verheerenden Abkommen mit China abgeschlossen.Die USA werden mit der Schweiz kein Abkommen abschliessen, solange es solche Verbindungen zu China gibt. Schon wieder müssen wir, das Volk, die Zeche bezahlen, für einen der wirklich nicht Bundesrat hätte werden sollen.Es ist beschämend den Job anzunehmen, mit dem Gedanken innert Kürze pensioniert zu werden +weiterhin Bundesrat-Rente zu beziehen
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